«Freihof» als zweites Dottenwil

Den «Freihof» für die Öffentlichkeit und Private nutzbar machen: Das will die gleichnamige Genossenschaft. Am Montag stellte sie ihr Konzept vor. Dieses setzt viel Idealismus und Engagement voraus – und die Unterstützung des Gemeinderats.

Corinne Allenspach
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Ansichtskarte aus 1905: Als die ehemalige Brauerei Freihof mit dem zugehörigen Restaurant noch der Stolz des Dorfes war. (Bild: Sammlung Elisabeth und Josef Keller-Schweizer)

Ansichtskarte aus 1905: Als die ehemalige Brauerei Freihof mit dem zugehörigen Restaurant noch der Stolz des Dorfes war. (Bild: Sammlung Elisabeth und Josef Keller-Schweizer)

Mörschwil. Wer heute vor dem verlotterten Gebäude mitten im Dorfzentrum steht, kann es kaum glauben. Dies war einst der Stolz der Mörschwiler, ein Schmuckstück und Treffpunkt in einem: Die Brauerei Freihof mit zugehörigem Restaurant. Schön und gemütlich, mit rauschenden Festen und vielen Stammgästen, auch aus der Stadt St. Gallen, die hier am Wochenende in der Gartenwirtschaft einkehrten.

«Damals war der <Adler> das Aschenputtel und der <Freihof> die Königin», sagte Elisabeth Keller-Schweizer am Montag. Die Kunsthistorikerin und ehemalige Präsidentin der St. Galler Kulturstiftung ist eines von neun Gründungsmitgliedern der Genossenschaft Freihof.

Verlässlicher Partner

Die Idee der Genossenschaft ist rasch erklärt: Der «Freihof» soll sanft saniert und für die Öffentlichkeit und Private nutzbar gemacht werden.

Dazu könnten Räume für die Jugend gehören, für Vereine oder kulturelle Anlässe, aber auch für Büros, Gewerbe und Wohnungen, um Mietzins zu generieren. «Wir wollen zusammen mit der Gemeinde die beste Lösung erarbeiten», sagte Keller.

Und eine Lösung muss her. Zwar sagte die Bürgerversammlung 2007 Ja zu einem Abbruch des «Freihofs». Was die Bürger damals nicht wussten: Ein solcher würde gegen die Schutzverordnung der Gemeinde verstossen, wäre also rechtswidrig. Nach jahrelangen Streitigkeiten hat kürzlich das Verwaltungsgericht des Kantons St.

Gallen entschieden, dass der «Freihof» nicht ersatzlos abgebrochen werden darf, weil er wesentlich ist für das Mörschwiler Ortsbild (Tagblatt vom 29. April). Der Gemeinderat beabsichtigt nun, die Liegenschaft im Baurecht abzugeben und hat sie vor wenigen Tagen öffentlich ausgeschrieben (siehe Kasten). «Die Genossenschaft Freihof wird sich darauf bewerben», sagte Walter Zahner vor den rund 40 Anwesenden.

Der Vorteil gegenüber allfälligen Investoren sei, dass die Genossenschaft ein verlässlicher Partner sei. «Wenn ein Privater die Liegenschaft übernimmt, lässt er sich nicht sagen, wie der <Freihof> genutzt werden soll», sagte Zahner. Das Engagement der Genossenschaft setze aber eines voraus: Die Bereitschaft der Gemeinde, sich finanziell zu beteiligen.

Sanierung statt Neubau

Über die Genossenschaftsidee wurde am Montag ausgiebig diskutiert. Auch kritische Stimmen, die einen Abbruch mit Neubau als bessere Lösung sähen, kamen zur Sprache. Sie seien sehr für zeitgenössische Architektur, entgegneten Elisabeth Keller und Architekt Andy Senn. «Aber am rechten Ort.» Und im Falle des «Freihofs» sei die billigste und beste Lösung, das bestehende Gebäude sanft zu sanieren. Die Kunsthistorikerin wagte gar einen Vergleich mit dem Schloss Dottenwil in Wittenbach.

Noch Mitte der 90er-Jahre wusste niemand, was aus ihm werden sollte. Der Gemeinderat prüfte damals verschiedene Nutzungsmöglichkeiten, auch einen Verkauf.

Das Schloss als Vorzeigeobjekt

Die Wende brachte die IG Schloss Dottenwil, die das Dottenwil zu einem Ort der Begegnung, der Musse und Kultur machen wollte. 1998 erteilte ihr der Gemeinderat die Bewilligung für einen zweijährigen Versuchsbetrieb – äusserst widerwillig.

Dank des immensen (freiwilligen) Engagements vieler Wittenbacher Idealisten und der finanziellen Unterstützung der Gemeinde ist das Schloss heute ein Vorzeigeobjekt, das schon mehrere Preise erhielt. Die Gründungsmitglieder der Genossenschaft Freihof sind sich einig: «Auch den <Freihof> müssen wir miteinander lösen.»