FREIHEITSSTRAFE: Mit Drogendeal das schnelle Geld erhofft

Das Kreisgericht St. Gallen hat sich erneut mit Drogen dealenden Touristen aus Niš beschäftigen müssen. Beide Angeklagten erklärten, die schlechte wirtschaftliche Lage in ihrer Heimat habe sie dazu gebracht.

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Innerhalb von zehn Tagen mussten sich zwei Männer, die 31 und 34 Jahre alt sind und aus der serbischen Stadt Niš stammen, vor dem Kreisgericht St. Gallen verantworten. Beide wurden von der Staatsanwaltschaft im abgekürzten Verfahren angeklagt und verurteilt.

Der ältere Beschuldigte erhielt eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten mit einer Probezeit von zwei Jahren und eine Busse von 300 Franken. Zudem wurde gegen ihn eine Landesverweisung von zehn Jahren ausgesprochen, die im Schengener Informationssystem ausgeschrieben wird. Die Verfahrenskosten, die er bezahlen muss, betragen rund 19 000 Franken. Der jüngere der beiden wurde mit einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten sanktioniert. Ein halbes Jahr muss er im Gefängnis absitzen, der Rest wird ebenfalls mit einer Probezeit von zwei Jahren aufgeschoben. Sein Landesverweis beträgt fünf Jahre. Die Verfahrenkosten belaufen sich auf rund 13 500 Franken.

Immer mehr Drogentouristen aus Niš

Das Kreisgericht St. Gallen muss sich seit vielen Monaten immer wieder mit Drogendealern aus Niš beschäftigen. Sie kommen als Touristen in die Schweiz, um nach wenigen Wochen wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Mehrere der Beschuldigten in früheren Verfahren beteuerten, sie hätten nicht gewusst, dass sie in der Schweiz mit Drogen dealen sollten, sondern hätten auf eine legale Arbeit gehofft. Die aktuell Verurteilten gaben hingegen an, ihnen sei sehr wohl bewusst gewesen, was sie in der Schweiz zu tun hätten.

In Serbien sei das Leben aufgrund der schlechten Wirtschaftslage schwer, erklärt der eine Beschuldigte. Das Geld, das er verdient habe, habe nicht gereicht, um auch nur das Nötigste für den Lebensunterhalt zu zahlen. Als er seine Stelle verloren habe, sei er von der Freundin verlassen worden. Schliesslich habe er sich auf den Drogenhandel eingelassen, um seine Schulden bezahlen zu können.

Von Drogengeschäften gewusst

Es sei schwer, den ganzen Tag lang in einer Gefängniszelle eingesperrt zu sein, betonte der Mann, der Ende August in Untersuchungshaft und später in den vorzeitigen Strafvollzug kam. In den vergangenen Wochen und Monaten habe er genug Zeit gehabt, um seinen Fehler einzusehen. Er wolle sich nie wieder auf eine solche «Sache» einlassen, beteuerte er.

Der zweite Beschuldigte berichtete, er sei als Student mit rund 300 Euro im Monat ausgekommen. Dieser Betrag habe gerade so ausgereicht, um davon zu leben. Dann habe er von Kollegen gehört, dass man in der Schweiz innerhalb von drei Monaten mit Drogengeschäften rund 5000 bis 6000 Euro verdienen könne. Seine Auftraggeber hätten ihm gesagt, selbst wenn er von der Polizei erwischt und verhaftet werde, komme er nach höchstens zehn Tagen wieder frei. Er sitzt seit Ende Juni in Untersuchungs- und später Sicherheitshaft. Ende Jahr kann er nach Verbüssung der teilbedingten Strafe in seine Heimat zurückkehren.

Ihm sei klar, dass er gegen das Gesetz verstossen habe und er dafür bestraft werden müsse. Ebenso sei ihm bewusst geworden, dass er mit den Drogengeschäften die grösste Dummheit seines Lebens begangen habe, welche ihm die Zukunft erschwere statt – wie erhofft – erleichtere. Er wolle nun seinen Master abschliessen und ein Leben ohne Gesetzesbruch anstreben.

Claudia Schmid

stadtredaktion@tagblatt.ch

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