Frei, aber sehr willig

Er baut das Ortsmuseum auf und trägt massgeblich zum Erfolg von Schloss Dottenwil als Ort der Begegnung bei. Jetzt wurde Fredy Zwickl als erster Wittenbacher für seine Freiwilligenarbeit geehrt. Ehre gebühre eigentlich anderen, meint er.

Corinne Allenspach
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Fredy Zwickl in der Stube der armen Leute, die zum Museum gehört, im Dachstock von Schloss Dottenwil. (Bild: Jakob Ineichen)

Fredy Zwickl in der Stube der armen Leute, die zum Museum gehört, im Dachstock von Schloss Dottenwil. (Bild: Jakob Ineichen)

WITTENBACH. Es ist ihm fast ein bisschen unangenehm. Zu viel der Ehre, dass er nun so in der Öffentlichkeit steht und aufzählen soll, was er alles macht. «Es kommt mir vor, wie wenn man ein dickes Butterbrot schmiert», sagt Fredy Zwickl, während er im Dachstock von Schloss Dottenwil in der Stube der armen Leute sitzt. Sie gehört zum umfangreichen Museum, das er in Fronarbeit mit viel Liebe zum Detail eingerichtet hat. Seit Jahren befasst er sich mit den Sammlungen, registriert, archiviert, ordnet sie mit dem Vorstand und Helfern und macht sie der Öffentlichkeit zugänglich. «Man macht das ja aus Spass, und nicht, um zu brillieren.» Und doch freut es ihn, dass er kürzlich von der Gemeinde als erster Wittenbacher für seine Freiwilligenarbeit geehrt wurde: mit Urkunde und einer kleinen Spende.

Schloss entscheidend geprägt

Wer mit Fredy Zwickl durchs Schloss Dottenwil geht, spürt, wie sehr ihm dieser Ort am Herzen liegt. Wie hektisch ein Tag auch sein möge, «sobald ich im Schloss bin, ist der ganze Stress vergessen». Das Schloss Dottenwil als Ort der Musse, der Kultur und der Begegnung. Diese Idee hat Zwickl entscheidend mitgeprägt. Seit 1998 wirkt er hier als Präsident der Museumsgesellschaft, ebenso lange im Vorstand der IG Schloss Dottenwil, die aktuell 480 Mitglieder und 250 Helfer zählt. Zwickl hat den schrittweisen Umbau des Schlosses in ein Museum mitgeplant, ist treibende Kraft bei Ausstellungen, involviert bei vielen Events, im Vorstand des regionalen Landwirtschaftsmuseums Ruggisberg und war Mitglied der Kulturkommission Wittenbach.

Dienst am Mitmenschen ehren

10 bis 30 Stunden pro Woche ist der 75-Jährige freiwillig tätig. Und doch findet er, die Ehre gebühre eigentlich anderen: «Ich helfe der Gemeinde höchstens, ein Stück Geschichte aufzuarbeiten.» Wirklich ausgezeichnet werden sollte Freiwilligenarbeit, die im Stillen ablaufe und den Mitmenschen helfe. Der pensionierte Textilentwerfer denkt dabei an Nachbarschaftshilfe, Sterbebegleitung oder Flüchtlingsbetreuung: «Das ist etwas Ausserordentliches.» Auch Zwickls Frau Beatrice, mit der er bald 50 Jahre verheiratet ist, betreute 20 Jahre lang Flüchtlinge aus Vietnam, denen sie Deutsch lehrte und zum Einstieg in unsere Lebensweise verhalf. Als Überbleibsel dieses Engagements steht der zweifache Vater und fünffache Grossvater heute noch einem Mann mit Migrationshintergrund beratend zur Seite, der ein Restaurant betreibt.

Zwickl ist überzeugt, dass er den Schwung und den Idealismus für sein Engagement aus der Jugendzeit mitgenommen hat. Sechs Jahre lang leitete der gebürtige Stadt-St. Galler eine Jugendgruppe, einzelne Kontakte pflegt er noch immer. Was Zwickl auffällt: «Überall, wo Einsatz gefragt ist, ob im Militär oder in Vereinen, sind frühere Pfadfinder, Jungwächter oder Mitglieder anderer Jugendgruppen aktiv.»

Engagement spricht sich herum

Dabei wollte sich Zwickl einst etwas zurücknehmen. Nach der Heirat wohnte die Familie in Gossau, wo er unter anderem beim Aufbau von Strukturen für eine neue Pfarrei und Jugendgruppe half. Mit dem Umzug 1976 nach Wittenbach habe er gedacht: «Hier kennt uns niemand, da können wir etwas kürzertreten.» Weit gefehlt. Zwickls Engagement hatte sich herumgesprochen. Kaum zugezogen, kam eine Anfrage für das Amt des Kirchenverwaltungsratspräsidenten. Zwickl übernahm es für zwölf Jahre und leitete unter anderem die Baukommission für den Umbau des Ulrichsheims, gestaltete die Broschüre fürs neue Zentrum St. Konrad und plante mit Freiwilligen den dortigen Begegnungsplatz, um nur einiges zu nennen.

Im Dienste der Gemeinschaft

Sicher, die eigenen Interessen kämen vielleicht manchmal zu kurz, sagt Zwickl. Was ihm Freude macht, ist, künstlerisch tätig zu sein, zu gestalten und Ideen zu entwickeln. «Ich könnte dies beim Malen im stillen Kämmerlein tun oder eben im Dienste der Gemeinschaft.» Das sei ja das Schöne an Freiwilligenarbeit: im Gegensatz zum Erwerbsleben können Zeit, Engagement und Dauer selbst bestimmt werden. «Das Wort sagt es schon: Man ist frei, aber sehr willig.»

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