Frauen kämpfen für den Frieden

Morgen Mittwoch beginnt die Veranstaltungsreihe «Gegen Giftgas und Krieg». Dabei werden fünf Frauen vorgestellt, die sich für den Frieden eingesetzt haben. Parallel dazu läuft in der Frauenbibliothek Wyborada eine Buchausstellung.

Elina Grünert
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Catharina Sturzenegger (1854–1929)

Catharina Sturzenegger (1854–1929)

Am Anfang des Ersten Weltkrieges steckte die Emanzipation der Frau noch in den Kinderschuhen. Die öffentliche Diskussion über den Krieg – oder eben den Frieden – war reine Männersache. Aber es gab auch einige Frauen, die sich öffentlich für den Frieden engagierten. Sie publizierten Bücher, illustrierten Plakate oder gründeten Friedensorganisationen. Fünf dieser Frauen waren im deutschen Sprachraum Catharina Sturzenegger, Bertha von Suttner, Clara Ragaz-Nadig, Gertrud Woker und Käthe Kollwitz. Über sie sprechen Historikerinnen und Historiker in der Vortragsreihe «Gegen Giftgas und Krieg – Frauen zur Zeit des Ersten Weltkriegs für Frieden und soziale Gerechtigkeit», die morgen Donnerstag, 19 Uhr, im Raum für Literatur in der Hauptpost beginnt.

Frieden und Emanzipation

Die vielleicht berühmteste Frau unter ihnen ist Bertha von Suttner. Sie ist die Autorin des Antikriegsromans «Die Waffen nieder!», der in 16 Sprachen übersetzt wurde. Sie forderte zwischen 1914 und 1918 immer wieder öffentlich Frieden und gründete auch mehrere erfolgreiche Friedensgesellschaften in Deutschland und in Österreich. 1906 erhielt sie als erste Frau den Friedensnobelpreis.

Clara Ragaz war eine Schweizer Pazifistin und Frauenrechtlerin. Sie war lange Vorsitzende des schweizerischen Zweigs der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit. Diese forderte 1915 unter anderem die totale Abrüstung und eine Gleichberechtigung der Rassen, Geschlechter und Konfessionen.

Krieg wenn möglich verhindern

Die Forderung nach Frieden war eng verbunden mit derjenigen nach sozialer Gerechtigkeit und Gleichstellung. Damit beschäftigte sich auch Gertrud Woker, die erste Privatdozentin für Chemie an einer deutschsprachigen Universität. «In den Broschüren, die sie schrieb, protestierte sie gegen den Missbrauch der Wissenschaft für die Rüstungsindustrie», sagt Marina Widmer, Leiterin des Archivs für Frauen-, Geschlechter- und Sozialgeschichte in St. Gallen.

Das Archiv hat zusammen mit dem Schweizerischen Friedensrat die Vortragsreihe konzipiert.

«Wir möchten an diese Frauen erinnern», sagt Archivleiterin Widmer. Das Anliegen, das diese fünf Frauen zu ihrer Zeit gehabt hätten, teilten die Organisationen, die hinter der Reihe stünden: Krieg verhindern. Widmer: «Frieden kann am besten geschaffen werden, wenn statt mit Kriegen politische Lösungen bei Konflikten gesucht werden.»

Eine Ausstellung als Ergänzung

In der kleinen Ausstellung in der Frauenbibliothek Wyborada sind unter dem Titel «Eine Geschichte von grossem Leid, Mut und Kampf für den Frieden» diverse Bücher ausgestellt. Die Präsentation ist gemäss der dafür verantwortlichen Monika Wettstein-Kanth eine Ergänzung zur Vortragsreihe. Die Sachbücher, die Friedensforderungen, aber auch Kriegserlebnisse behandeln, gehen über den Ersten Weltkrieg hinaus. Sie reichen bis in die Gegenwart. Das Sachbuch «Frauen und Frieden?» etwa beleuchtet kritisch, inwiefern das Geschlecht Einfluss auf die Einstellung zu Krieg und Frieden hat. Die Ausstellung in der Frauenbibliothek ist noch bis Ende November zu sehen.

Gegen Giftgas und Krieg Vortragsreihe, 19.00, Raum für Literatur (St. Leonhard-Strasse 40). 5.11.: Catharina Sturzenegger/Bertha von Suttner. 11.11.: Clara Ragaz. 18.11.: Gertrud Woker. 26.11.: Käthe Kollwitz.

Bertha von Suttner (1843–1914)

Bertha von Suttner (1843–1914)

Clara Ragaz-Nadig (1874–1957)

Clara Ragaz-Nadig (1874–1957)

Gertrud Woker (1878–1968)

Gertrud Woker (1878–1968)

Käthe Kollwitz (1867–1945) (Bilder: pd)

Käthe Kollwitz (1867–1945) (Bilder: pd)