Frauen, an die Maschinen

Eine Frau als Logistikerin? Ein Mann als Kindergärtner? Das sind Ausnahmen, wie eine Studie zeigt. In Rorschach, Thal, Goldach und Rorschacherberg ist das nicht anders. Es gibt aber technische Betriebe, die auch auf Frauenpower setzen.

Valérie Hug
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Soraia Gomes da Cruz, Lehrling Produktionsmechanikerin, arbeitet an der Fräsmaschine in der AZA Ausbildungszentren AG in Altenrhein. (Bild: Valérie Hug)

Soraia Gomes da Cruz, Lehrling Produktionsmechanikerin, arbeitet an der Fräsmaschine in der AZA Ausbildungszentren AG in Altenrhein. (Bild: Valérie Hug)

REGION. Eine Studie der Gender Studies Uni Basel zeigt auf, dass Frauen frauentypische Berufe wählen und Männer männertypische (Tagblatt vom 21.8.13). Andrea Maihofer, Leiterin Gender Studies Uni Basel, findet das problematisch. «Typische Frauenberufe werden in der Regel schlechter entlöhnt, sind in der Gesellschaft weniger angesehen und haben vielfach weniger Weiterbildungsmöglichkeiten als Männerberufe», sagt Maihofer. Gemeint sind Pflege- und Serviceberufe, Sekretariatsstellen und Erziehungsberufe wie Lehrerin oder Kindergärtnerin. Typisch männliche sind Handwerks-, Ingenieur- und naturwissenschaftliche Berufe.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Die Ergebnisse der Studie zeigen sich auch hier in der Region als bestätigt. Die diesjährigen Schulabgänger der Oberstufen Rorschach, Rorschacherberg, Goldach und Thal wählten fast ausschliesslich einen geschlechtertypischen Beruf. Bei den Männern waren dies vor allem die Berufe Informatiker, Logistiker, Montageelektriker, Sanitärinstallateur, Automobilfachmann, Elektroinstallateur und Polymechaniker. Die weiblichen Abgänger wählten vorwiegend eine Ausbildung zur Kauffrau, Detailhandelsfachfrau, Fachfrau Gesundheit/Betreuung und medizinische Praxisassistentin. Ausnahmen gibt es nur drei. Eine Schülerin beginnt die Lehre als Restaurationsfachfrau, eine als Konstrukteurin und eine weitere als Netzelektrikerin. Männliche Abgänger wählten alle einen für ihr Geschlecht typischen Beruf. Ein Grund für diese Geschlechtertrennung könnte mit den Löhnen zusammenhängen, sagt Maihofer. Denn: «Vielfach haben Männer das Gefühl, sie müssen auch heutzutage noch die Familie ernähren.» Das sei mit frauentypischen Berufen nicht oder nur begrenzt möglich. Einen weiteren Grund sieht Maihofer im Selbstvertrauen der Jugendlichen. «Es braucht viel Mut, einen für sein Geschlecht untypischen Beruf auszuüben. Unterstützung von den Lehrern und Eltern ist deshalb sehr wichtig.» Wenig Selbstvertrauen hätten vor allem Frauen, wenn es um technische Berufe gehe. Früh werde ihnen klar gemacht, dass Technik nur etwas für Männer sei und sie sich in technischen Berufen mehr beweisen müssten als ihre männlichen Mitstreiter. Dabei seien es genau Frauen, die in solchen Berufen «Mangelware» wären.

Gleichbehandlung als Lösung

Es gibt jedoch technische Betriebe, die auf Frauenpower setzen. So auch die AZA Ausbildungszentren AG in Altenrhein. Geschäftsleiter Raphael Mösch hat sich vor einigen Jahren zum Ziel gesetzt, in seinem Betrieb den Frauen gute Rahmenbedingungen zu bieten. «Ein wichtiger Bereich ist der Umgang. Gemeinsam haben wir entschieden, dass Frau und Mann für die gleiche Stelle die gleiche Anerkennung und den gleichen Lohn bekommen», sagt Mösch. Es wird auch ein respektvoller Umgangston ohne Kraftausdrücke gepflegt. Das Umfeld soll für beide Geschlechter stimmen, dazu gehöre eine gewisse Ordnung. Speziell in der AZA Ausbildungszentren AG ist auch die Inneneinrichtung. Dank Bildern und Zitaten an der Wand, Blumen, Pflanzen und Maschinen in blau sollen Frauen wie Männer den Arbeitsplatz ansprechend finden. «Wenn Frauen den Mut haben, einen technischen Beruf zu erlernen, dann sind sie meistens überdurchschnittlich interessiert. Dieses Engagement wird bei uns besonders geschätzt », sagt Mösch.