Franz und seine starken Frauen

Baumstammwerfen ist nicht nur etwas für starke Männer. Der Frauen-Clan Shamrock trainiert seit Wochen für die Appowila Highland Games. Unter dem prüfenden Blick von Franz Ritter lernen die Abtwilerinnen die richtige Technik.

Perrine Woodtli
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Franz Ritter gibt den Shamrock-Frauen Karin Steiger, Susan Benz, Dora Kaufmann und Daniela Geisser (von links) wertvolle Tips. (Bild: Urs Bucher)

Franz Ritter gibt den Shamrock-Frauen Karin Steiger, Susan Benz, Dora Kaufmann und Daniela Geisser (von links) wertvolle Tips. (Bild: Urs Bucher)

ABTWIL. Wenn wieder Baumstämme durch Abtwil fliegen, dann stehen die Highland-Games bevor. Als einziges einheimisches Frauenteam nehmen die vier Abtwilerinnen Daniela Geisser, Susan Benz, Dora Kaufmann und Karin Steiger in einer Woche an den schottischen Wettkämpfen teil. Steinweitwerfen, Seilziehen, Gewichthochwurf und Baumstammwerfen stehen auf dem Programm. Bereits seit Wochen trainiert der Clan Shamrock. Unterstützt werden die vier von Highlander und Appowila-Mitglied Franz Ritter.

Trainieren im Kampfröckli

Die Aufbauarbeiten auf dem Gelände der Highland Games sind bereits in vollem Gange. Trotz Baulärms ist das Gelächter der vier Frauen auf dem Turnierplatz schon von weitem zu hören. Daniela Geisser, Susan Benz, Dora Kaufmann und Karin Steiger tragen ihre blau-lila karierten Schottenröcke. «Das sind unsere Kampfröckli», erklären sie. Zu Beginn wärmen sie sich mit dem Steinwurf auf. «Der Stein muss zwischen vier und fünf Kilo wiegen», sagt Daniela Geisser. Gegen 5,5 Meter weit werfen die vier. «Natürlich muss auch immer diejenige den Stein holen, die ihn geworfen hat», sagt Benz.

Weiter geht es mit der nächsten Disziplin. Die vier schnappen sich einen Baumstamm. Er wiegt 25 Kilogramm und ist 3,8 Meter lang. Die Amateure an den Wettkämpfen müssen die Baumstämme nicht alleine hochheben. «Zwei Personen helfen jeweils, den Stamm der Werferin zu übergeben», sagt Geisser. Für die richtige Technik erhält der Shamrock-Clan Unterstützung von Franz Ritter, besser bekannt als der starke Franz, der zum Training dazustösst. «Obwohl sie das nur alle zwei Jahre machen, sind die Frauen wirklich gut», sagt er. Kein Fehler entgeht dem Profi. «Aufheben, Bauchnabel einziehen und laufen, los!» Natürlich hat er auch so manche Geheimtips auf Lager. «Das merkt man schon, wenn ein Profi einem hilft. Bei Franz sieht alles immer so leicht aus», sagt Geisser. Tatsächlich macht es keinen angestrengten Eindruck, wenn Ritter den Baumstamm wie ein Zündhölzli wirft. Ziel beim Baumstammwerfen ist es, dass der Stamm sich überschlägt und danach auf 12 Uhr nach vorne fällt. «Je gerader der Stamm liegt, desto mehr Punkte gibt es. Für jeden abweichenden Winkel gibt es Abzug», sagt Ritter.

Baumstamm statt Staubsauger

Der Frauen-Clan nimmt bereits das dritte Mal an den Abtwiler Highland Games teil. «Wir machen das aus reiner Freude. Wir sind eine richtige Hausfrauen-Truppe. Wir werfen Bäume und Kugeln nur an den Highland Games. Ansonsten düsen wir mit dem Staubsauger durch unsere Wohnungen», sagt Geisser und lacht. Das Wichtigste sei für sie definitiv der Spass und das Mitmachen, sagt auch Steiger. Die Wettkämpfe seien zudem sehr abwechslungsreich. Man benötige Kraft, Technik und das Team sei sehr wichtig. «Für uns ist klar: Wir sind ein Team und keine Einzelkämpferinnen.»

Müde Arme nach Training

Die vier Frauen bedauern, dass nur wenige aus dem Dorf an den Wettkämpfen teilnehmen. «Das ist schon schade. Ich fände es sehr schön, wenn sich mehr trauen würden», sagt Geisser. Allgemein hinke die Schweiz in Sachen Highland Games anderen Ländern hinterher. «Diese Spiele stehen bei uns noch in den Kinderschuhen. Gerade das Baumstammwerfen ist nicht verbreitet. In anderen Ländern ist das eine offizielle Sportart», sagt Ritter.

Frauen, die Baumstämme werfen, seien nochmals seltener. «Die Leute reagieren schon speziell, wenn sie erfahren, dass ich das mache», sagt Geisser und ergänzt: «Aber Hauptsache, wir haben unseren Plausch.» Den hat der Frauen-Clan auf jeden Fall. «Irgendwann spüren wir das Training schon in den Armen. Manchmal schwatzen wir dann mehr, als dass wir trainieren.»