Franz Müller tritt 2016 zurück

Der Waldkircher Gemeindepräsident hat gestern seinen Rücktritt auf Ende der laufenden Legislatur bekanntgegeben. Nach 26 Jahren wird ein Neuer ins Gemeindehaus einziehen, das während Franz Müllers (CVP) Amtszeit entstanden ist.

Johannes Wey
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Franz Müller wird sein Büro im Waldkircher Gemeindehaus im kommenden Jahr räumen. (Bild: Ralph Ribi)

Franz Müller wird sein Büro im Waldkircher Gemeindehaus im kommenden Jahr räumen. (Bild: Ralph Ribi)

WALDKIRCH. Sein ganzes Berufsleben hat Franz Müller auf Gemeindeverwaltungen verbracht. Nach der Lehre in Waldkirch zog es ihn ins Toggenburg. Nach zehn Jahren als Gemeindepräsident von Lütisburg übernahm er 1990 das gleiche Amt in seinem Heimatdorf. Nun hat sich der 61-Jährige entschieden, für die nächste Amtsdauer nicht mehr anzutreten. Stattdessen möchte er sich in der Privatwirtschaft versuchen. «Aber ich werde sicher weniger Termine haben. Ich will auch die Freizeit geniessen und mich meiner Familie widmen», sagt Müller. Der Entschluss zum Rücktritt sei lange gereift. Definitiv gefällt habe er ihn am Sonntag, am Dienstag informierte er seine Ratskollegen.

Viel investiert…

Müller hat in Waldkirch bleibende Spuren hinterlassen. Der Bau des Gemeindehauses, das er Ende des kommenden Jahres verlassen wird, fiel beispielsweise in seine Amtszeit. Ebenso die Gründung der Stiftung Wiborada und der Neubau des Alterszentrums, genauso wie zahlreiche weitere Infrastrukturprojekte: Der Werkhof, die Erweiterung des Kanalisationsnetzes auf die Weiler, der Anschluss an die ARA Niederbüren. Auch im Strassennetz hat sich einiges getan, obwohl beispielsweise mit der Sanierung der Dorfstrasse noch mehr zu tun ist. Müller hofft, dass dieses Projekt noch in seiner Amtszeit ausgeführt und auch für das Schulhaus eine gute Lösung gefunden wird. Ein weiterer grosser Posten war die Sanierung des Laufenbachs für 3,5 Millionen Franken.

…und die Schulden bezahlt

All diese Projekte trieben die Verschuldung der Gemeinde Waldkirch in die Höhe. Der Abbau zog sich über die vergangenen Jahre hin, verbunden mit einer kontinuierlichen Senkung des Steuerfusses. 150 Prozent betrug dieser bei Müllers Amtsantritt, heute sind es 135. Und statt Schulden hat die Gemeinde heute ein kleines Vermögen.

Schade findet Müller hingegen, dass der Bau einer Sportstätte 2008 abgelehnt wurde. Und dass der Kanton die Verlängerung des Radwegs Waldkirch–Edlischwil nach Bernhardzell nicht als dringlich erachtet.

Die Suche kann beginnen

Mit seiner Rücktrittsankündigung macht Müller auch den Weg frei für das überparteiliche Komitee, das Kandidaten für die Wahlen 2016 finden will. Nachdem die CVP im Wahlkampf 2012 angekündigt hatte, es werde Müllers letzte Amtsdauer, fühlte sich das Komitee blockiert, weil sich Müller mit dem Entscheid bis heute Zeit gelassen hat. «Das Komitee kann nun aktiv werden», sagt er. Und: «Ich bin der Meinung, dass ich meinen Rücktritt damit früh genug ankündige.» Sogar Regierungsratswahlen müssten oft in wesentlich kürzerer Frist aufgegleist werden. Er habe sich nicht zum Rücktritt gedrängt gefühlt dadurch, dass sich das Komitee bereits auf die Suche nach einem Nachfolger machen wollte.

Franz Müllers Erfahrungen mit Findungskommissionen reichen noch viel weiter zurück. Als Gemeindeammann von Lütisburg wurde er ebenfalls von einer solchen angefragt, ob er in seiner Heimatgemeinde zur Wahl antreten wolle. «Ich habe mich in meinem Leben noch nie um eine Stelle beworben», sagt er nicht ohne Stolz. Und als Selbständiger im Teilpensum wird er das auch nach der politischen Laufbahn nicht tun müssen.

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