Fotofinish bei Marktplatz

Am Sonntag entscheiden die Stadtsanktgaller über die Neugestaltung ihres Marktplatzes. Ob Befürworter oder Gegner das Rennen machen, ist offen. Wahrscheinlich wird es knapp.

Reto Voneschen
Drucken
Teilen
Ob der Stadtrat mit diesen Tafeln und seinen Argumenten überzeugt? Am Sonntag fällt die Entscheidung. (Bild: Hanspeter Schiess)

Ob der Stadtrat mit diesen Tafeln und seinen Argumenten überzeugt? Am Sonntag fällt die Entscheidung. (Bild: Hanspeter Schiess)

Am Sonntag entscheidet das städtische Stimmvolk über den zweiten Anlauf zur Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt, wie die Vorlage offiziell heisst. Das erste Projekt dafür wurde 2011 abgelehnt. Es scheiterte an seinem Umfang: Das Riesenpaket sah unter anderem den Abbruch der Calatrava-Wartehalle, eine Parkgarage am Schibenertor und eine Markthalle anstelle der heutigen Rondelle vor. Eine Realisierung hätte 40 Millionen Franken gekostet.

Der zweite Anlauf gibt sich bescheidener: Am Sonntag geht es noch um Gesamtkosten von 21 Millionen Franken. Die Calatrava-Wartehalle bleibt stehen, die Parkgarage wird vollumfänglich privat finanziert und als separates Projekt realisiert, auf die Markthalle wird verzichtet. Und die Befreiung der zentralen Freifläche der Altstadt vom motorisierten Individualverkehr findet ebenfalls ausserhalb der Umgestaltungsvorlage statt. Und obwohl damit die grössten Stolpersteine der ersten Abstimmung entfernt wurden, ist auch die zweite Vorlage heftig umstritten.

Opposition im letzten Moment

Dass dem so ist, kam überraschend. Der Stadtrat prüfte das erste Abstimmungsresultat von vorne nach hinten und gleiste aufgrund der Erkenntnisse aus einer Vox-Analyse eine neue, reduzierte Vorlage auf. Ihr Grundkonzept wurde im Stadtparlament quer durch die Fraktionen fast schon euphorisch aufgenommen. Auf seiner Basis wurde die Parlamentsvorlage verfasst, die lange Zeit unbestritten schien. Die Baukommission des Stadtparlaments empfahl sie einstimmig bei einer Absenz zur Annahme. Und bis einen Tag vor der Parlamentssitzung deutete nichts darauf hin, dass es ernsthafte Opposition geben könnte.

Diese Opposition meldet sich erst an der Sitzung selber zu Wort. FDP und SVP beantragten Rückweisung und Überarbeitung, scheiterten aber an der CVP und Rotgrün, die sich durch die plötzliche Kehrtwende auf der rechten Parlamentsseite ziemlich düpiert fühlten. Die SP fürchtete zudem um die Umsetzung ihrer vom Parlament inzwischen gutgeheissenen, also bindenden Initiative zur Befreiung des Marktplatzes vom motorisierten Individualverkehr. Das Ratsreferendum, also die freiwillige Unterstellung der Vorlage unter die Volksabstimmung durch das Parlament, kam nicht zustande. FDP und SVP sowie Wirtschaftsverbände sammelten dann die Unterschriften fürs fakultative Referendum, darum wird am Sonntag ein zweites Mal das Volk zum Marktplatz befragt.

Wenig wirklich umstritten

An der abgespeckten Vorlage sind relativ wenige Punkte umstritten. Für die Opposition hat die Vorlage ein schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis. Sie lehnt den Bau einer zentralen Toilettenanlage für knapp zwei Millionen unter dem Blumenmarkt sowie die Herrichtung des Taubenlochs als Eventraum ohne Nutzungskonzept, aber für nochmals rund zwei Millionen Franken ab. Und heftig umstritten ist auch, dass mit der Neugestaltung des Marktplatzes der ständige Markt mit fixer Infrastruktur verschwinden soll. Der Stadtrat begründet das mit dem heutigen Zustand des Marktes, der längerfristig keine Chance haben soll. Dem widersprechen die Gegner und insbesondere die Marktfahrer: Sie argumentieren, dass der Markt sehr wohl einem Bedürfnis entspreche und auch Anbieter anziehen werde, wenn seine Infrastruktur saniert werde.

Markthändler punkteten

Der Abstimmungskampf über die zweite Marktplatz-Vorlage ist weniger heftig und emotional ausgefallen, als von vielen erwartet. In den letzten sechs Wochen tauschten das Ja- und das Nein-Komitee ihre Argumente aus. Dazu gab's eine Lawine von Leserbriefen. Ein Auftritt der Markthändler des ständigen Marktes vor den Medien hinterliess den stärksten Eindruck. Er löste auch einen Streit um den Markt aus: Der Stadtrat begründete in einer ausführlichen Mitteilung seine Sicht der Dinge, das Komitee «Nein zum Marktplatz ohne Markt» hielt dagegen, was wiederum eine geharnischte Reaktion des Komitees «Marktplatz: Ja!» auslöste.

Wer am Sonntag als Sieger hervorgeht, ist zwei Tage vor dem Urnengang schwer abzuschätzen. Da öffentliche Veranstaltungen in der Schlussphase des Abstimmungskampfes fehlten, gibt es keine konkreten Hinweise «zur Stimmung im Volk».

Aktuelle Nachrichten