Fortuna ist eine Familie

Die 3.-Liga-Mannschaft Fortuna tritt am Sonntag als Aussenseiter am eigenen Hallenturnier Regiomasters in der Kreuzbleiche an. Eine Überraschung wäre dennoch möglich.

Raya Badraun
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Pascal Vollmeier kehrte vor zweieinhalb Jahren zu Fortuna zurück: «Es war eine Herzensentscheidung.» (Bild: Ralph Ribi)

Pascal Vollmeier kehrte vor zweieinhalb Jahren zu Fortuna zurück: «Es war eine Herzensentscheidung.» (Bild: Ralph Ribi)

FUSSBALL. Das Regiomasters fand im vergangenen Jahr genau im richtigen Moment statt. Fortuna war damals in der 2. Liga in einer Abwärtsspirale gefangen, erzielte kaum Tore und wurde im Gegenzug für die kleinsten Fehler hart bestraft. Vier Punkte aus elf Spielen war schliesslich die enttäuschende Bilanz nach der Vorrunde. Am Regiomasters hat deshalb kaum jemand mit dem FC Fortuna gerechnet. Umso überraschender war sein Auftritt. Zum ersten Mal in der 24jährigen Geschichte des Hallenturniers erreichte das Team von Trainer Pascal Vollmeier den Halbfinal. Am Ende belegte Fortuna den starken, vierten Rang. «Das Turnier hat jedem Spieler gezeigt, dass er guten Fussball spielen kann», sagt Vollmeier.

Trotz dieses Erfolgs stieg Fortuna Ende Saison in die 3. Liga ab. Einer der Gründe war das schmale Kader, welches durch Verletzungen und Abwesenheiten zusätzlich minimiert war und zum Teil noch immer ist. So musste Vollmeier immer wieder selbst in die Fussballschuhe steigen und dem Ball nachhetzen. Da der Verein weder Löhne noch Spesen bezahlt, ist es schwierig, neue Akteure anzulocken. «Diejenigen, die kommen, bleiben dafür», sagt Assistenztrainer Philipp Käppeli, der zehn Jahre bei Fortuna gespielt hat. Denn für den Verein steht die Integration der Spieler im Vordergrund. Statt nur zu spielen, übernehmen sie Aufgaben im Club. So richtet etwa die erste Mannschaft heute Abend die Kreuzbleiche für das Regiomasters ein.

Beim Aufstieg 1992/93 dabei

Dieser Zusammenhalt hat Vollmeier in seiner Jugend beeindruckt. Nach seinen Anfängen beim FC St. Gallen wechselte er zu den A-Junioren des FC Fortuna. Dass die Wahl auf diesen Club fiel, war naheliegend. Vollmeier wuchs in St. Gallen gegenüber der Reithalle auf, wenige 100 Meter vom Fussballplatz entfernt. Rasch kam der heute 43jährige Primarlehrer zu Einsätzen mit der ersten Mannschaft. In der Saison 1992/93 stieg er mit Fortuna nach 14 Jahren wieder in die 2. Liga auf. Daneben trainierte er die jüngsten Fussballer. «Aktiv im Verein dabei zu sein, war ein schönes Gefühl», erinnert sich Vollmeier und beschreibt die Stimmung als familiär. Dennoch wechselte er später aus schulischen und beruflichen Gründen mehrmals den Club. Vor zweieinhalb Jahren kehrte er schliesslich als Trainer der ersten Mannschaft zu Fortuna zurück. «Lange Gespräche brauchte es nicht», sagt Vollmeier. «Es war eine Herzensentscheidung.» Trotz der schwierigen Situation dachte er nie an einen Rücktritt. «Aufgeben wäre das Letzte, was ich tun würde», sagt Vollmeier. Stattdessen möchte er den Abstand zu den Abstiegsplätzen so rasch wie möglich vergrössern. «So ist der Kopf wieder frei für neue Ziele.»

Eine Überraschung als Ziel

Bevor jedoch die Vorbereitung auf die Rückrunde beginnt, findet an diesem Wochenende das Regiomasters in der Sporthalle Kreuzbleiche statt. Dabei tritt der FC Fortuna am Sonntag ab 8.30 Uhr gegen Teams aus der 1. und 2. Liga an. «Jede Mannschaft ist auf dem Papier stärker einzuschätzen als unsere», sagt Vollmeier, «doch wir werden unser Bestes versuchen, um überraschen zu können.» Dass dies auch in schwierigen Zeiten möglich ist, hat Fortuna vor einem Jahr eindrücklich bewiesen.