Fortschritt nur mit Risiko

Was sagen Passanten zum Entscheid des Stadtrates, das Geothermieprojekt weiterzuführen? Ein mutiger Entschluss, doch für Erfolg muss man Risiken eingehen, finden einige. Die Angst vor einem weiteren Beben ist klein.

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Marcel Looser, 32, Filialleiter Baubedarf, Salmsach

Wenn die Stadt das Projekt verantworten kann, soll sie es weiterführen. Ein gewisses Risiko gibt es immer. Vor einem weiteren Beben habe ich keine Angst, aber ich bin auch nicht von hier. Und vielleicht wird das Thema Erdbeben auch aufgebauscht, wobei man es natürlich ernst nehmen sollte.

Urs Baumgartner, 47, Unternehmensberater, Altstätten

Ich finde den Entscheid gut. Es ist mutig, einen Schritt weiter zu gehen. Und es ist die richtige Entscheidung. Die Vorsicht und das Bewusstsein des Stadtrates sind da, dem Projekt muss man eine Chance geben. Angst vor einem weiteren Beben habe ich nicht. So etwas lässt sich halt nicht voraussagen. Falsch wäre, wenn man, nur weil einmal etwas passiert ist, gleich wieder aufhört. Früher hatten die Leute auch Angst vor der Eisenbahn und hielten ein Tempo von über 30 Stundenkilometern für gefährlich. Die Auswirkung eines Atom-GAUs ist um einiges schlimmer als ein Erdbeben der Stärke 3,5 in St. Gallen.

Jennifer Richardson, 19, Schülerin, St. Gallen

Der Entscheid hat positive und negative Aspekte. Das Erdbebenrisiko ist vielleicht ein wenig beängstigend. Aber es könnte ja sein, dass es beim Beben einfach blöd gelaufen ist. Deswegen muss das Projekt ja nicht schlecht sein. Ich persönlich habe keine Angst vor einem weiteren Beben, da in der Schweiz die meisten Beben nicht so schlimme Auswirkungen haben wie im Ausland.

Remo Eccher, 48,

Marketingexperte, Speicher

Wir brauchen immer mehr Energie, deshalb ist die Suche nach neuen Quellen gerechtfertigt. Wenn wir alle konsumieren, müssen wir auch bereit sein, Risiken einzugehen. Ein Erdbeben der Stärke 3,5 ist nicht stark. Im Vergleich zu den Fachleuten sind wir Amateure: Sie werden schon wissen, welche Risiken sie eingehen.

Sophie Willener, 57,

Lehrerin, St. Gallen

Ich finde es sehr mutig, dass der Stadtrat dranbleibt. Dass man bei der Suche nach erneuerbaren Energien gewisse Hürden nehmen muss, ist klar. Es gibt auch Sachen, vor denen man mehr Angst haben könnte, als vor Erdbeben. Deshalb finde ich die Richtung, die St. Gallen eingeschlagen hat, gut. Die Bevölkerung sollte den Entscheid mittragen. AKW sind ein viel grösseres Risiko, das ein Grossteil der Bevölkerung stumm gutheisst.

Amanda Casadio, 16,

Lehrling, Winterthur

Mich kümmert der Entscheid ehrlich gesagt wenig. Es ist schon gut, dass die Stadt St. Gallen versucht, neue Energiequellen zu erschliessen. Man weiss ja nicht, wodurch das Erdbeben wirklich ausgelöst worden ist. Und ich habe auch keine Angst vor einem weiteren Beben.

Benjamin Schindler, 42,

Jurist, Speicher

Ich finde den Entscheid des Stadtrats gut, weil er eine konsequente Weiterführung der städtischen Energiepolitik ist. Von einem solchen Grossprojekt sollte man sich nicht gleich abbringen lassen, denn schliesslich wurde auch viel investiert. Ein Abbruch hätte auch gesamtschweizerisch eine negative Signalwirkung gehabt. Das wäre schade, denn es braucht neue Lösungen. Angst vor einem zweiten Beben habe ich nicht, ich habe beim ersten Beben geschlafen und nichts gespürt. Ausserdem ist Atomstromenergie gefährlicher als Geothermie.

Milo Schuler, 26, Zimmermann, St. Gallen

Es ist ein guter Entscheid. Wenn sie ein solches Projekt schon angefangen haben, dann sollen sie auch weitermachen. Aber irgendwie finde ich das Ganze ein bisschen fragwürdig. Es gibt viele alternative Möglichkeiten, Energie zu produzieren, zum Beispiel mit Wasser- oder Sonnenkraft. Diese Energiequellen kennt man auch besser, es gibt bereits erprobte Technologien. Wieso also diese Quellen nicht zuerst anzapfen? Aber am besten sollte man sowieso ein Perpetuum mobile erfinden. Dennoch: Angst vor einem weiteren Beben habe ich nicht, Erdbeben stören mich nicht weiter.

Monika Meier, 63,

Lehrerin, Rorschacherberg

Ich bin geteilter Meinung, aber ich verstehe auch nicht so viel von Geothermie. Ich denke, dass die Forschung in diesem Bereich noch Fortschritte machen muss, und hätte das Projekt vorübergehend stillgelegt. Wenn sie weitermachen, gibt es vielleicht wieder ein Beben. Aber der Stadtrat ist sicher froh, wenn das Projekt weiterläuft. Und wenn man etwas probiert, muss man mit Unvorhergesehenem rechnen.

Anni Messmer, 83,

Pensionärin, Winterthur

Ich finde den Entscheid gut. Wenn man vom Atomstrom weg will, muss man etwas machen. Dass es ein weiteres Erdbeben geben wird, glaube ich nicht. Nach dem ersten gehen die Projektverantwortlichen ja nun vorsichtiger vor.

Dragica Nedeljkovic, 63, Pflegefachfrau, St. Gallen

Ich bin studierte Chemikerin und habe viel über dieses Projekt gelesen. Meiner Meinung nach gehen die Verantwortlichen mit weiteren Bohrungen ein zu grosses Risiko ein. Sie tragen schliesslich auch die Verantwortung für alle Arbeiter im Sittertobel. Läge die Entscheidung bei mir, würde ich das Projekt stoppen. Aber vermutlich wurde schon so viel investiert, dass ein Abbruch nicht in Frage kommt. Text: Simone Buff

Bilder: Sarah Schmalz

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