«Forschungsgruppe interessiert sich für das Bohrloch»

Nachgefragt

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Mit einem Geothermie-Kraftwerk wollte die Stadt eine weitere Quelle für die Wärmeversorgung anzapfen. Gasvorkommen führten jedoch zu einem Erdbeben und schliesslich zum Abbruch des Projekts. Wie es mit dem Bohrloch weitergeht, sagt Marco Huwiler, Leiter Innovation bei den Stadtwerken.

Seit dem Abbruch des Geothermieprojekts 2013 ist das Bohrloch im Sittertobel provisorisch verschlossen. Entsprechend ruhig ist es seither geworden. Trügt diese Ruhe?

Jein. Die Bewilligung des Kantons für den jetzigen Zustand läuft im November 2019 aus. Derzeit sieht es aber ganz danach aus, als würden wir das Bohrloch noch nicht definitiv verschliessen. Uns liegt eine Anfrage einer Forschungsgruppe vor, die an verschiedenen Standorten in Europa geologische Untersuchungen vornehmen will, unter anderem in St. Gallen. Dabei würden neue Messdaten erfasst sowie die bestehenden Daten der Geothermie-Bohrungen nochmals evaluiert. Das Projekt dauert mehrere Jahre und würde uns sogar etwas Geld in die Kasse spülen.

Worum geht es dabei konkret?

Ein Konsortium aus 20 europäischen Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und der öffentlichen Hand beabsichtigt, unter der Leitung des University College London am Geothermie-Bohrloch zu forschen. Mit dem auf drei Jahre ausgelegten Projekt werden Umwelteinflüsse von Geoenergien auf den Untergrund berechnet, neue Messtechnologien erprobt und umweltrelevante Daten gesammelt. Ein Eingriff in die Gas-Wasser-Vorkommen im Sittertobel würde dabei nicht stattfinden.

Wann klärt sich, ob dieser Forschungsversuch durchgeführt wird?

Wir gehen davon aus, dass wir in den kommenden Monaten bekannt geben können, wie es mit dem Forschungsprojekt weitergeht. Ob wir das Bohrloch ­irgendwann definitiv verschliessen, also mit Beton auffüllen, oder aufgrund neuer Erkenntnisse den provisorischen Verschluss nochmals verlängern, hängt auch von den Forschungsergebnissen ab.

Und wie ruhig ist es im Innern des Bohrlochs?

Wir haben seit rund drei Jahren keine Bewegungen im Untergrund registriert. Das Bohrloch ist auch mit dem provisorischen Verschluss sicher. Es gibt eine mechanische Schutzvorrichtung in 4000 Metern Tiefe und eine weitere an der Oberfläche. Zudem ist das Loch mit einer Bohrspülung gefüllt. Das Ganze wird mit Druckmessern überwacht, die wöchentlich kontrolliert werden. (dag)

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