Forschung für das Klassenzimmer

Die Pädagogische Hochschule St. Gallen versucht, mit Forschungsprojekten Fachkräfte in der Ostschweiz zu halten. Dabei kooperiert sie mit anderen Hochschulen – aktuell bei einer Studie über die Zusammenarbeit von Lehrpersonen.

Jolanda Riedener
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Wenn Lehrer zusammenarbeiten, beeinflussen sie das Lernverhalten der Schüler. Eine Studie der PHSG untersucht diesen Zusammenhang. (Bild: Urs Bucher)

Wenn Lehrer zusammenarbeiten, beeinflussen sie das Lernverhalten der Schüler. Eine Studie der PHSG untersucht diesen Zusammenhang. (Bild: Urs Bucher)

ST. GALLEN. Wie arbeiten Lehrpersonen zusammen? Welchen Einfluss hat ihre Zusammenarbeit auf die Primarschüler und ihr Arbeitsverhalten? Mit diesen Fragen beschäftigt sich ein neues Forschungsprojekt der Pädagogischen Hochschule St. Gallen (PHSG) und der Fachhochschule Nordwestschweiz. Für eine Primarschulklasse sind heute oft mehrere Lehrpersonen zuständig – Klassenlehrer, Fachlehrer oder schulische Heilpädagogen. Welchen Einfluss das Zusammenspiel von Lehrpersonen mit unterschiedlichen Funktionen auf das Lernverhalten der Kinder hat, darüber soll die Studie Klarheit schaffen.

Aus der Forschung ist schon länger bekannt: Wenn Schüler sich im Unterricht intensiv und ungestört mit dem Schulstoff befassen, lernen sie mehr. Weitgehend unerforscht ist dagegen, welche Form der Zusammenarbeit zwischen den Lehrpersonen den Schülerinnen und Schülern den grössten Nutzen bringt. Noch kaum Antworten hat die Forschung auch auf die Frage, ob Schülerinnen und Schüler konzentrierter arbeiten, wenn sich Lehrpersonen vorgängig gemeinsam überlegen, wie die einzelnen Kinder gefördert werden können.

Resultate frühestens 2019

Das Forschungsprojekt wird vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützt. Durchgeführt wird es von Doris Kunz Heim von der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz und Franziska Vogt, Leiterin des Instituts Lehr- und Lernforschung der PHSG. Während über drei Jahren sollen 60 Klassenteams mit Interviews, Fragebögen und systematischer Beobachtung untersucht werden. Auch erhofft sich das Forschungsteam Erkenntnisse für die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen sowie für die Schulberatung. Resultate werden frühestens im Jahr 2019 erwartet. Die Kooperation mit einer anderen Fachhochschule ist für die PHSG kein Novum. Forschungsprojekte werden laut Rektor Erwin Beck meist in Zusammenarbeit mit befreundeten schweizerischen oder internationalen Hochschulen durchgeführt. Dadurch werde die Qualität der Forschung erhöht. «Die PHSG hat sich ein Netz von über 40 Hochschulen aufgebaut, mit denen sie zusammen Projekte durchführt», sagt Beck.

40 Prozent fremdfinanziert

Finanziert wird die Forschung an der PHSG etwa zu 40 Prozent durch Drittmittel, zum Beispiel mit Geldern des Bundes, einer Stiftung oder – wie im aktuellen Fall – des Schweizer Nationalfonds. Im Unterschied zu den Universitäten forscht die PHSG immer berufsfeldbezogen, wie Beck sagt. «Das heisst, es werden Studien zu Schlüsselfragen durchgeführt, die für die Lehre und die Ausbildung relevant sind.» Die Forschung bietet den angehenden Lehrpersonen wichtige Erkenntnisse. Beck gibt ein Beispiel: «Untersucht wird etwa, wie Synergien zwischen dem Erlernen von zwei Fremdsprachen, etwa Englisch und Französisch, genutzt werden können. Das würde letztlich zum leichteren Erwerb mehrerer Fremdsprachen verhelfen.»

Den Nachwuchs sichern

Die PHSG schafft auch Stellen für Nachwuchsforscher. «Für die Ostschweiz bedeutet das, dass ein Teil des akademischen Nachwuchses bis zum Doktorat in der Region bleibt», sagt Beck. Dem Phänomen des sogenannten Brain-Drain, dem Wegzug von wissenschaftlich arbeitendem Personal, könne so entgegengewirkt werden.

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