Förderlektionen für Sporttalente

GOSSAU. Gossau wird keine spezielle Sportklasse führen. Dafür sollen aber für Sporttalente Förderlektionen eingeführt werden. Die Gossauer Vereine haben 18 Oberstufenschüler gemeldet, die von diesen Lektionen profitieren könnten.

Rita Bolt
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Fussballtalente, wie auch andere Sporttalente, sollen in der Gossauer Oberstufe mit speziellen Lektionen gefördert werden. (Bild: ky/Martin Ruetschi)

Fussballtalente, wie auch andere Sporttalente, sollen in der Gossauer Oberstufe mit speziellen Lektionen gefördert werden. (Bild: ky/Martin Ruetschi)

13 Buben und 5 Mädchen aus dem FC Gossau, der Fortitudo-Handballabteilung, der Fortitudo-Turner, des Judoclubs St. Gallen-Gossau sowie der Leichtathletikgruppe (LAG) Gossau werden von den Gossauer Vereinen als Sporttalente gemeldet. Sie alle besuchen die Oberstufe. «20 Talente pro Jahrgang müssen es mindestens sein, damit über sogenannte Sportklassen nachgedacht wird», sagte Schulpräsident Urs Blaser an der Delegiertenversammlung der IG Sport Region Gossau im vergangenen Jahr. Peter Streuli als Chef Leistungsbereich Handball und Vertreter der Junioren beim Gesamtverein TSV Fortitudo hat angeregt, die Einführung einer Sportklasse zu prüfen. Aus seiner langjährigen Erfahrung weiss er, dass, wer neben der Schule den Sport leistungsmässig betreiben möchte, an seine Grenzen stösst.

Gemäss einer Umfrage interessieren sich weitere Sportvereine dafür, dass sportliche Talente in der Oberstufe besonders gefördert werden. Es sind dies der Badmintonclub, der VBC Andwil Arnegg, der Schwimmclub Flipper, die Sportschützen, der Skiclub und das TZ Fürstenland Frauen.

Zu grosser Aufwand

Es sind von den Sportvereinen zwar nur 18 Talente gemeldet worden. Trotzdem wurde über eine Sportklasse nachgedacht. Als «sportliche Talente» werden bezeichnet, wer drei bis vier wöchentliche Trainings in einem Verein absolviert und an regionalen und nationalen Wettkämpfen teilnimmt. In einer Arbeitsgruppe, in der auch Norbert Thaler von der IG Sport Einsitz hatte, wurde schliesslich entschieden, auf eine Sportklasse zu verzichten. «Der Aufwand wäre zu gross und die Organisation zu kompliziert», sagt Urs Blaser. Wobei er darauf hinweist, dass die Einführung einer sogenannten Talentschule nie zur Diskussion stand. Mit 18 Schülern könnte zwar von der Anzahl her noch knapp eine separate Oberstufenklasse geführt werden. Man müsse aber immer mit Schulabgängen rechnen. Zudem zeige die Erfahrung, dass beim Eintritt in die Oberstufe bei Eltern die schulischen Leistungen ihrer Schützlinge im Vordergrund stehen, sagt Thaler. Ausser wenn es sich um Sportler handle, die auf nationaler Ebene bereits grossen Erfolg hätten. Auch Thaler betont, dass die Arbeitsgruppe nicht über die Schaffung einer Sportschule, sondern über eine Sportklasse diskutiert habe. Und zwar für junge Sportler, die leistungsorientiert in Vereinen trainierten. Grosse Talente würden in anerkannten Talentschulen gefördert (siehe Kasten).

Drei Lektionen wöchentlich

Mit dem Nein zur Sportklasse war aber das Thema im Schulrat nicht vom Tisch. Die Arbeitsgruppe suchte weiter nach einer Lösung und wurde fündig – der Schulrat muss das Vorhaben allerdings noch bewilligen: «Wir wollen Sportförderlektionen anbieten», sagt Urs Blaser. Die Umsetzung sei zwar noch etwas mit Aufwand verbunden, trotzdem könnte bereits auf das Schuljahr 2011/2012 gestartet werden. Geplant ist, dass es im Turnunterricht der ersten Oberstufe Leistungsgruppen geben soll, die spezifisch gefördert werden. Dieser leistungsorientierte Unterricht kann von den bisherigen Sportlehrern Roland Steinemann und Olivier Bosshart erteilt werden. «Sie würden sich betreffend Unterrichtsinhalt mit den jeweiligen Vereinstrainern absprechen», erklärt der Schulpräsident. Es seien keine zusätzliche Stunden, sondern betreffe nur jene drei Lektionen, die im Lehrplan für Sport aufgeführt seien. «Aber sie werden mit anderem Inhalt gefüllt», sagt der Schulpräsident. Beispielsweise absolvieren die Sporttalente ein zusätzliches Ausdauertraining, erhalten Einblick in die Ernährungslehre oder eine andere Sportart. «Es soll eine Ergänzung zum wöchentlichen Training in den Vereinen sein.» Und was für den Schulpräsidenten ebenso wichtig ist: «Es fallen keine zusätzlichen Kosten an.» Wichtig sei ihm auch, dass dieses Angebot Real- und Sekundarschülern offenstehen würde. Die IG Sport und die Sportvereine würden diese Lösung befürworten. Die Details könnten aber erst ausgearbeitet werden, wenn der Schulrat grünes Licht gegeben habe.