Flüchtlingskindern besser helfen

Diese Woche hat der Eggersrieter Gemeindepräsident Roger Hochreutener über das Asylwesen im Kanton referiert. Die Gemeinden würden gute Arbeit leisten. Einzig die Versorgung von alleinreisenden Kindern mache noch Sorgen.

Patrick Tobler
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Das Asylzentrum Landegg in Eggersriet, wo unter den 230 Untergebrachten auch rund 35 Kinder ohne Eltern einquartiert sind. (Bild: Urs Bucher)

Das Asylzentrum Landegg in Eggersriet, wo unter den 230 Untergebrachten auch rund 35 Kinder ohne Eltern einquartiert sind. (Bild: Urs Bucher)

EGGERSRIET. Das Thema Asylwesen beherrscht die Schlagzeilen und spaltet die Schweizer Bevölkerung. So auch diese Woche in Eggersriet, beim Vortrag von Gemeindepräsident Roger Hochreutener. Nach dem Referat entfachte eine kurze, aber hitzige Diskussion: Auf der einen Seite fielen Stichworte wie Islamisierung und mangelnder Integrationswillen. Daraufhin wurde dem Redner von der Gegnerseite Hetze vorgeworfen. Ansonsten war die Stimmung im Restaurant Steinernes Haus aber ruhig und gelassen.

Alleinreisende Kinder

Rund 30 bis 40 Interessierte hatten sich bei dem von der Frauengemeinschaft Eggersriet organisierten Anlass eingefunden. Besonderes Interesse zeigte das Publikum am Thema der alleinreisenden, minderjährigen Flüchtlinge. Dies nicht nur, weil es ein äusserst sensibles Thema ist, sondern auch weil im Kanton St. Gallen hierbei nicht alles nach Plan läuft. Laut Hochreutener sind weltweit ungefähr 100 000 Kinder und Jugendliche ohne Familie auf der Flucht. Rund 500 solche Kinder gelangen pro Jahr in die Schweiz. Im Kanton St. Gallen sind momentan 115 unbegleitete Minderjährige untergebracht. «Schulische Angebote und ein Beschäftigungsprogramm fehlen für einen Grossteil der Kinder», sagt Hochreutener. Als Geschäftsführer der Vereinigung der St. Galler Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten kennt er das Problem aus erster Hand.

Betreuung nicht gewährleistet

Vor allem die ungenügende Koordination zwischen dem Kanton und den Gemeinden führe zu solchen Missständen. Die Kinder seien bis zum 18. Lebensjahr in der Obhut des Kantons, danach werden sie in die Integrationsprogramme der Gemeinden übergeführt. Doch gerade bei Kindern und Jugendlichen sei es extrem wichtig, dass sie von früh an unterstützt und begleitet werden, sagt Hochreutener. Nur so könne man eine gute Integration gewährleisten. Bei einen Grossteil der 115 Kinder im Kanton sei dies allerdings momentan nicht der Fall, was dringend einer Änderung bedürfe. Skandalös sei vor allem, dass im Asylzentrum Landegg in Eggersriet 35 solcher Kinder untergebracht seien. Das Zentrum sei für Erwachsene ausgelegt und könne eine kindergerechte Betreuung nicht gewährleisten.

Gutes Zeugnis für Gemeinden

Auf politische Grabenkämpfe will sich Hochreutener nicht einlassen. Er sieht die ganze Sache pragmatisch. «Die Flüchtlinge sind hier und wir haben die Aufgabe ihnen zu helfen», sagt Hochreutener. Vieles funktioniere gut, die Situation der Kinder sei der einzige negative Punkt. Die Gemeinden des Kantons St. Gallen würden eine vorbildliche Arbeit leisten. Der Schlüssel dazu sei die gute Zusammenarbeit zwischen allen 77 St. Galler Gemeinden. Eine rasche Integration in die Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt stehe dabei im Zentrum. So absolvieren Flüchtlinge Ausbildungen im Pflege- oder Gastrobereich. Sprachkenntnisse seien dabei essenziell, weshalb diese Priorität geniessen sollten. Am wichtigsten sei aber die Gesundheit der Flüchtlinge. Oftmals sei diese bei der Ankunft schlecht. «Mit heftigen Zahnschmerzen kann niemand arbeiten oder lernen», ist Hochreutener überzeugt.