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FLÜCHTLINGE: Neue Strukturen im Asylbereich

Der Trägerverein Integrationsprojekte St.Gallen führt im Auftrag der Gemeinden Projekte für Asylsuchende und betreibt Gruppenunterkünfte. Neu ist er auch für die jungen unbegleiteten Flüchtlinge zuständig.
Christoph Zweili
Neu werden die jungen Flüchtlinge, hier noch im «Thurhof», im Internat Marienburg in Tal betreut. (Bild: Urs Bucher (Oberbüren, 30. Juni 2015))

Neu werden die jungen Flüchtlinge, hier noch im «Thurhof», im Internat Marienburg in Tal betreut. (Bild: Urs Bucher (Oberbüren, 30. Juni 2015))

Christoph Zweili

christoph.zweili@tagblatt.ch

Die Ostschweizer Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht hatte 2015 noch von «unhaltbaren privaten Strukturen im st.gallischen Asylbereich» gesprochen. Seit Oktober sind die politischen Gemeinden mit einer Übergangsfrist bis Ende März 2017 neu zuständig für die Betreuung der vom Bund zugewiesenen Minderjährigen. Bei der Vereinigung der St.Galler Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten (VSGP) hat nun offensichtlich ein Umdenken stattgefunden. Die VSGP unter dem Präsidium von Boris Tschirky, Gemeindepräsident von Gaiserwald, bleibt für die politisch-strategischen Entscheide zuständig. Der private Trägerverein Integrationsprojekte St.Gallen (TISG), dem ausschliesslich die St.Galler Gemeinden angehören, übernimmt neu die operativen Geschäfte.

Der umstrittene Geschäftsführer der VSGP, der Eggersrieter Gemeindepräsident Roger Hochreutener, wird nicht mehr für die VSGP tätig sein – seine Stelle wird per 1. Juni 2017 neu ausgeschrieben. Hochreutener habe sich für die operative Aufgabe als Geschäftsführer beim TISG entschieden. Damit würden die Anforderungen an die interne Aufsicht erfüllt, sagen Tschirky und TISG-Präsident Patrik Müller, bis 2015 Leiter der Sozialen Dienste der Stadt St. Gallen und seit Februar Geschäftsleiter der Gemeinnützigen und Hilfs-Gesellschaft der Stadt St. Gallen.

Mehr Aufgaben, mehr Vorwürfe

Die VSGP überträgt die Betreuung der jungen Flüchtlinge neu an den TISG. «Diese Aufgabe ist eine sensible Sache. Dafür braucht es professionelle Strukturen», sagt Müller, ursprünglich Pfarrer. Er war schon bei der TISG-Gründung dabei gewesen. Der Verein hatte bei seiner Gründung vor sieben Jahren vor allem Integrationsprojekte im Blick gehabt – unter anderem konnten sich anerkannte und vorläufig aufgenommene Flüchtlinge in den beiden Restaurants Leonardo und Rüthihof in St. Gallen und Rüthi qualifizieren, um so später eine Arbeitsstelle in der Gastronomie zu finden. Weitere Aufgaben kamen dazu – 2012 die Führung der Gruppenunterkunft der Gemeinden im ehemaligen Gasthaus Seeben in Ennetbühl, 2013 dann die Traumaklinik Gravita in St. Gallen, seit April 2015 geführt vom Roten Kreuz. «Je mehr wir uns zum operativen Arm der Gemeinden und der VSGP entwickelten, desto mehr Vorwürfe gab es», sagt Müller.

Die folgenden Aufgaben des TISG sind nun über Leistungsvereinbarungen geregelt.

• Für die Betreuung der rund 100 bis 120 minderjährigen Flüchtlinge wenden die St. Galler Gemeinden zehn Franken pro Einwohner auf, was ab 2018 ein Jahresbudget von rund fünf Millionen Franken ergibt. Mit diesem Beitrag werden die Kosten für das Internat Marienburg in Thal sowie das Personal gedeckt. Hier bleiben die jungen Flüchtlinge während der ersten sechs bis neun Monate. Geleitet wird es von Daniel Kaelin, Agoge mit einer zusätzlichen Führungsausbildung und Erfahrung mit jungen Erwachsenen. Für das Internat braucht es eine Betriebsbewilligung des Kantons: Gemäss den Vorschriften des Amts für Soziales müssen zwei Drittel des Personals über eine tertiäre Ausbildung im pädagogischen Bereich verfügen. Ausgebildete Lehrer erteilen den Schulunterricht. Nach dem Internat werden die Jugendlichen in Aussenwohngruppen vorerst in der alten Sprachheilschule hinter dem Bahnhof St. Gallen betreut, später soll es weitere Wohngruppen zum Beispiel in Wil oder in Rapperswil-Jona geben.

• Die sieben regionalen Potenzial abklärungs- und Arbeitsintegrationsstellen (Repas) werden ab 2017 vom neuen Abteilungsleiter Andreas Gutmann zentral geführt. Sie ermöglichen die Integration von anerkannten und vorläufig aufgenommenen Flüchtlingen sowie vorläufig aufgenommenen Personen in den ersten Arbeitsmarkt. Dafür steht ein jährliches Budget von rund 1,3 Millionen Franken zur Verfügung. Es gibt keine Unterverträge mit der Asylservicefirma ABS AG mehr.

• Über Leistungsvereinbarungen ist auch die Führung der Gemeinde-Gruppenunterkünfte in Seeben und Mels geregelt. Dafür werden Gelder eingesetzt, die der TISG vom Bund über den Kanton erhält – rund 2,3 Millionen Franken pro Jahr, je nach Anzahl Personen.

• Auch der neu geplante Betrieb für rund 200 Quartierschulen (wohnortnahe Sprachangebote) fällt in die Zuständigkeit des TISG. Sie sollen ab den Sommerferien 2017 erste sprachliche Grundkompetenzen vermitteln – mit dem Budgetbeitrag von rund einer Million Franken werden die Kosten für die Infrastruktur gedeckt, inbegriffen ist auch ein kleines Entgelt für die Lehrpersonen.

Boris Tschirky und Patrik Müller sind sicher, mit der Umstrukturierung und der konsequenten personellen Trennung den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. «Wir erfüllen nicht nur die kantonalen Auflagen, was die Leitung und das Personal im Internat in Thal angeht. Ab Februar vertreten auch zwei erfahrene Berufsbeistände die Interessen der einzelnen Jugendlichen. Die Anforderungen an uns sind deutlich höher als jene an die kantonalen Zentren.»

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