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FLÜCHTLINGE: Mörschwil macht sich

Wurde Mörschwil im vergangenen Jahr noch kritisiert, ist die Gemeinde heute punkto Flüchtlingsbetreuung sehr gut unterwegs. Nun fehlt nur noch eine Wohnung.
Sebastian Schneider
Veränderung an der Poststrasse: Die Post hat das Erdgeschoss geräumt, in eine Wohnung ziehen bald Flüchtlinge ein. (Bild: Urs Bucher)

Veränderung an der Poststrasse: Die Post hat das Erdgeschoss geräumt, in eine Wohnung ziehen bald Flüchtlinge ein. (Bild: Urs Bucher)

Sebastian Schneider

sebastian.schneider@tagblatt.ch

«Bonzen enteignen, Flüchtlinge bleiben!» Sprüche wie diese skandierten junge und alte Linke vor einem Jahr in Mörschwil, um auf das Flüchtlingsproblem in der Gemeinde aufmerksam zu machen. Circa 50 Demonstranten nahmen an der Kundgebung vom Bahnhof bis zum Asylheim Edelweiss am Dorfrand teil. Damit ­solidarisierten sie sich mit den Flüchtlingen, die angeblich unter widrigen Umständen im Asylheim leben mussten. Rasch aber verstummte die Kritik. Sowohl die Gemeinde als auch Bürgerinnen und Bürger haben ihr Engagement für die Flüchtlinge derart verstärkt, dass es heute schwer fällt, einen negativen Punkt zu finden. Vielmehr hat sich das Dorf zu einer Vorzeigegemeinde gemausert. Und nun hat sich auch die Wohnsituation für die Flüchtlinge entspannt, wie der Gemeinderat im Mitteilungsblatt berichtet.

Militärunterkunft wieder geschlossen

In wenigen Tagen werden in der Wohnung oberhalb der geschlossenen Poststelle Flüchtlinge einziehen. Während zu Spitzenzeiten rund 30 Flüchtlinge im «Edelweiss» leben mussten, wurde die Zahl nach der kompletten Haussanierung auf 16 begrenzt. Derzeit leben 15 Flüchtlinge im «Edelweiss», vier in einer Wohnung an der Bahnhofstrasse, und sechs werden in der Wohnung im alten Postgebäude wohnen. Zwei weitere konnten in Einzelzimmern untergebracht werden. Mörschwils Gemeindepräsident Paul Bühler ist mit der Situation zwar zufrieden, dennoch sei man noch immer auf der Suche nach einer weiteren Wohnung. «Mit derzeit 27 Flüchtlingen erfüllen wir unser Soll noch nicht ganz», sagt Bühler. Um bis fünf weitere Flüchtlinge aufnehmen zu können, ist eine weitere Wohnung nötig. Gut sei indessen, dass man die Notlösung mit Wohncontainern vorerst ruhen lassen kann. Im vergangenen Jahr prüfte Bühler diese Möglichkeit genau, da lange Zeit keine Wohnung in Aussicht stand.

Da im Moment alle Flüchtlinge eine angemessene Unterkunft haben, kann die Gemeinde auch die Militärunterkunft ALST gegenüber der Sporthalle als Asylunterkunft schliessen. Falls bei einer nächsten Flüchtlingswelle Not herrschen würde, kann man laut Bühler wieder auf diese Lösung zurückgreifen. «Obwohl die Militärunterkunft nicht die gewünschte Lösung ist.»

Unterdessen, und vor allem dank des Einsatzes zahlreicher freiwilliger Helfer, lebt Mörsch­wil gut mit den Flüchtlingen, die sich mehr und mehr ins Dorfleben integrieren: Sie sagen auf der Strasse Grüezi, sie nehmen am «schnellsten Mörschwiler» teil (und gewinnen den Wettbewerb auch), sie kochen an Begegnungsfesten für die Einheimischen. Die Eritreer, Afghanen und Syrer sind keine Fremden mehr. In unregelmässigen Abständen werden sie im Mitteilungsblatt vorgestellt und ihre schweren Lebensgeschichten erzählt. «Es gibt so gut wie keine Probleme mit den Flüchtlingen», sagt auch Paul Bühler. Der Umstand ist bemerkenswert, da es sich ausschliesslich um junge Männer handelt. Grund dafür ist das Asylheim Edelweiss: «Wir könnten einen Geschlechtermix in der Liegenschaft Edelweiss nicht verantworten», sagt Paul Bühler. Sollte man weitere Wohnungen finden, könne man später vielleicht auch Familien aufnehmen.

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