Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Flüchtlinge machen Schule

ST.GALLEN. Seit drei Tagen läuft in St. Fiden die autonome Schule «Integra – Bildung für alle». Unterrichtet wird fast täglich – von Einheimischen und von Flüchtlingen. Das Solidaritätsnetz Ostschweiz möchte mit dem Gratisangebot Integration fördern.
Ralf Streule
Lehrer, Schulleiter und Flüchtling Charles Dalo unterrichtet seine internationale Schülerschar. (Bild: Reto Martin)

Lehrer, Schulleiter und Flüchtling Charles Dalo unterrichtet seine internationale Schülerschar. (Bild: Reto Martin)

Viel Engagement, aber wenige Mittel: In der ersten Französischlektion am Mittwochnachmittag offenbaren sich Stärken und Schwächen der autonomen Schule «Integra» auf den ersten Blick. Der Lehrer Charles Dalo, ein Flüchtling aus der Elfenbeinküste, schreibt nicht auf einer Wandtafel, sondern auf aufgeklebtem Packpapier, die Schülerinnen und Schüler kritzeln in leere Hefte – Französischlehrmittel oder -wörterbücher fehlen.

An Motivation hingegen fehlt es nicht. Zehn Leute aus fast ebenso vielen Ländern sind zum kostenlosen Unterricht gekommen und machen engagiert mit.

Idee kam von Flüchtlingen

«Das mit den Lehrmitteln kommt noch», sagt Andreas Nufer, Pfarrer in der ökumenischen Haldengemeinde. Er ist Mitinitiant der autonomen Schule. Entstanden ist die Idee im Herbst, laut Nufer an einem «Mittagstisch» des Ostschweizer Solidaritätsnetzes, das sich für die Belange der Migranten einsetzt. Die treibende Kraft hinter der Idee seien die Flüchtlinge selber gewesen.

Am vergangenen Montag begann der Unterricht im ehemaligen Schulhaus der Scuola Italiana an der Oststrasse in St. Fiden. Dort stehen der Schule für eine tiefe Miete zwei Schulzimmer zur Verfügung.

Kulturaustausch im Zentrum

Die Vision der Schule zeigt sich in ihrem Namen: «Integra – Bildung für alle». Flüchtlinge und Einheimische sollen in einer Schule zusammenkommen, voneinander lernen und «Integration leben».

Jegliche Unterrichtskombinationen seien möglich, sagt Nufer. Schweizer unterrichten Dialektsprache, Migranten mit guten Deutschkenntnissen geben diese an Anfänger weiter, ein junger Schweizer gibt Breakdance-Stunden. Später sei denkbar, dass Arabisch sprechende Flüchtlinge Arabischlektionen für Schweizer geben oder dass Migranten ihr Wissen im Schneidern weitergeben. Im Zentrum stehe dabei immer die Integration und der «Kulturaustausch», sagt Nufer.

Wichtig sei aber sicher der auch fast tägliche Deutschkurs, der bisher vom Solidaritätsnetz höchstens wöchentlich angeboten wurde. Viele Migrantinnen und Migranten hätten im Gespräch intensiveren Deutschunterricht gewünscht.

Migranten in der Schulleitung

Vier Personen bilden die Schulleitung von «Integra». Zum einen die Flüchtlinge Charles Dalo und Ahmeed Ibrahem. Dazu kommen eine St. Gallerin und ein St. Galler: Die Lehrerin Anna Heule und Felix Rütsche, der in Nepal ein Schulprogramm aufgebaut hat.

Die Aufgabe der Integra-Schulleitung wird es unter anderem sein, neue Angebote ins Programm aufzunehmen. Noch stehen erst sechs Lektionen auf dem Stundenplan (siehe Kasten). Dies sei aber erst der Anfang, ist sich Rütsche sicher.

Die Herausforderung für die Schulleitung sei es auch, die Schule langfristig zu sichern, sagt Anna Heule. Sie hoffe auf viel Mund-zu-Mund-Propaganda.

Um das Angebot bekannter zu machen, würden im Umfeld des Solidaritätsnetzes zudem Flyer mit den Lektionentafeln verteilt.

Gestartet ist die Schule mit Sponsorengeldern eines Privaten und der Caritas sowie mit Geld, welches das Solidaritätsnetz im Zusammenhang mit der 50-Franken-Gutscheinaktion der Stadt erhalten hat.

Bald schon ein neues Zuhause?

Geht es nach Pfarrer Andreas Nufer, könnte der Integra-Unterricht in einiger Zeit auch in einem St. Galler «Haus der Völker» stattfinden. Es sehe gut aus, dass der Wunsch eines eigenen Hauses für das Solidaritätsnetz schon bald in Erfüllung gehe. Dort könnten dann Beratungszimmer, der Mittagstisch und Ähnliches untergebracht werden. Und eben: Vielleicht auch die Integra-Schule.

Solidaritätsnetz Ostschweiz, Telefon 071 220 17 45 admin@solidaritaetsnetz.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.