FLEISCHKÖDER: Hundehalter aufgepasst: gefährliche Köder am Bodensee gefunden

An mehreren Orten in der Region sind schädliche Fleischköder gefunden worden. Auf Facebook geht das Gerücht rum, dass zwei Verdächtige verhaftet wurden. Die Polizei hat davon aber keine Kenntnisse.
Perrine Woodtli
Markus Bühler alias «Fischer Joe» mit seiner Hündin Nicky. Hinter der Matratze versteckt lag das erste Stück Fleisch. (Bild: Perrine Woodtli)

Markus Bühler alias «Fischer Joe» mit seiner Hündin Nicky. Hinter der Matratze versteckt lag das erste Stück Fleisch. (Bild: Perrine Woodtli)

Perrine Woodtli

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Werden Köder mit Gift oder spitzigen Gegenständen gefunden, ist der Aufschrei vor allem unter Hundeliebhabern jeweils gross – auch in der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Rorschach wenn…». Am 28. Februar postete ein Mitglied ein Foto, auf dem zwei Wurststücke zu sehen sind, in denen je eine grosse Schraube versteckt ist. Der Mann schrieb, dass die Wurststücke ein paar Wochen zuvor am See in Goldach sowie in Rorschach gefunden wurden und warnte Hundehalter. Der Beitrag wurde seither knapp 2000 Mal auf Facebook geteilt.

Am vergangenen Samstag schrieb der Mann in der Facebook-Gruppe, dass zwei Verdächtige festgenommen wurden. Dabei handelt es sich gemäss seinem Beitrag um einen 17-jährigen Arboner sowie um eine 41-jährige Frau aus dem Raum Mörschwil/St.Fiden. Die Kantonspolizei St.Gallen sowie die Kantonspolizei Thurgau teilen auf Anfrage jedoch mit, dass ihnen nichts über diese Köder und eine Festnahme im Zusammenhang mit präparierten Würsten bekannt ist.

Burgerfleisch mit stechendem Geruch

Überzeugt davon, Fleischköder gefunden zu haben, ist auch Markus Bühler. Der Rorschacher ist als «Fischer Joe» bekannt und züchtet Seepferdchen. Seit acht Monaten besitzt der Tierliebhaber auch einen Rottweiler. Seine grosse Terrasse und der Garten sind ein regelrechter Hundetreff. «In unserem Quartier hat es viele Hunde. Die Halter treffen sich bei mir und die Tiere können zusammen spielen», sagt Bühler.

Gross war dann der Schreck, als an Silvester erstmals ein Burgerfleisch auf der Terrasse versteckt hinter eine Matratze lag. «Zum Glück hatte kein Hund davon gegessen», sagt Bühler. Als er am Burger roch, habe es ihn «in der Nase gebissen». «Es roch ätzend. Ich vermute, dass das Fleisch in Formalin getränkt wurde.» Formaldeyhd – als Lösung mit Methanol als Formalin bekannt – ist ein gesundheitsschädliches Gas, das sich durch stechenden Geruch auszeichnet. Bei grösseren Mengen kann Formalin lebensgefährlich sein. Bühler stellte daraufhin eine Kamera auf seiner Terrasse auf.

Polizei stellt vergiftetes Fleisch sicher

Am vergangenen Freitag dann der nächste Vorfall. Als Bühler mit Nicky das Haus verliess, steuerte diese auf den Hydranten vor dem Haus zu. Dort lag erneut ein Burgerfleisch. «Das Fleisch war auseinandergeschnitten worden und sichtlich präpariert worden», sagt Bühler. Auch dieser Burger habe einen stechenden Geruch aufgewiesen. Bühler meldete den Vorfall der Polizei. Dies bestätigt Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen. «Die Polizei hat die Meldung von einem mutmasslichen Giftköder erhalten», sagt Schneider. Eine Patrouille sei ausgerückt und habe das Fleisch sichergestellt. Der Vorfall wurde der Staatsanwaltschaft gemeldet. «Dort wurde wegen fehlender Hinweise auf einen Verursacher keine Auswertung angeordnet», so Schneider.

Wer verantwortlich für die Köder ist, kann Bühler nur vermuten. «Vielleicht ist es jemand, der die Hunde, die jeden Tag bei mir sind, oder speziell Rottweiler, nicht mag. Viele Leute denken, dass das böse Kampfhunde sind», sagt Bühler. «Völliger Unsinn. Nicky etwa ist total liebesbedürftig.» Er verstehe nicht, wer so etwas tue. «Das ist krank und macht mich sauer. Geht es um Tiere, verstehe ich keinen Spass.»

Florian Schneider empfiehlt, verdächtige Dinge jeweils der Polizei zu melden. «Hat man Hinweise auf eine verantwortliche Person, wird diese bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht – wegen Widerhandlungen gegen das Tierschutzgesetz», sagt der Kapo-Mediensprecher. Die Strafe für jemanden, der vorsätzlich Giftköder ausgelegt hat, legt die zuständige Staatsanwaltschaft fest. Es sei jedoch schwierig, Täter überführen zu können, sagt Schneider. «Da die meistens aus Fleisch bestehenden Köder oft der Witterung ausgesetzt sind, und das Fleisch zu faulen beginnt, ist es nach einigen Tagen oft schwierig noch verwertbare Spuren zu finden.»

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