Fischers Stift mit Note 5,8

An der Fischereischule in Starnberg in Bayern hat Timon Görtz aus Altenrhein im Juli die Lehre als Berufsfischer mit der besten praktischen Prüfung seiner Klasse abgeschlossen. Noch wartet er aber auf das Patent.

Hansruedi Wieser
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Timon Görtz richtet die Felchennetze, welche am Abend im Bodensee gesetzt werden, hinter ihm Vater Claudio mit den Eglinetzen. (Bild: Hansruedi Wieser)

Timon Görtz richtet die Felchennetze, welche am Abend im Bodensee gesetzt werden, hinter ihm Vater Claudio mit den Eglinetzen. (Bild: Hansruedi Wieser)

ALTENRHEIN. Einen Berufsberater brauchte Timon Görtz nicht. «Schon als Kind wusste ich, dass ich Berufsfischer werde», sagt der inzwischen 19jährige Altenrheiner. Er tritt damit in die Fussstapfen seines Vaters Claudio und seiner Mutter Cornelia.

Timon Görtz hat die Lehre als «Fischwirt» (Berufsfischer) absolviert und diesen Sommer bestanden. Eine Urkunde, unterschrieben von Helmut Brunner, dem bayrischen Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, bestätigt das.

Timon Görtz hat in seiner Klasse im Einsatzbereich Fluss-/Seenfischerei die praktische Prüfung als bester mit der Note 5,8 bestanden. Gemäss schweizerischem Berufsprofil für Berufsfischerinnen und -fischer können Interessierte die Lehrgänge für auszubildende Fischwirte an der Staatlichen Berufsschule Starnberg und der überbetrieblichen Ausbildung am Institut für Fischerei in Starnberg und Nonnenhorn besuchen.

Der junge Berufsfischer aus Altenrhein lobt die Ausbildungsstätte in Bayern: «Besser geht es nicht. Die Fachleute nehmen sich viel Zeit für die Ausbildung der Lernenden», sagt er. «Bei meinem Vorwissen aus dem Elternhaus dachte ich, der Schulbesuch sei eigentlich nicht nötig. Aber ich wurde eines Besseren belehrt.»

Zu den geprüften Fächern gehören das Arbeiten auf dem See, die Verarbeitung und Vermarktung des Fanges und der Unterhalt von Fischerei-Gerätschaften. An Fachkenntnissen werden Fischereigrundlagen, Gewässerbewirtschaftung und Hegemassnahmen vermittelt.

Weitere Unterrichtsthemen sind Fischkrankheiten, Fangtechnik, Vermarktung, Geschäftskenntnisse sowie Rechts- und Teichwirtschaftskunde.

Drei Eidgenossen in Bayern

Die Fischereischule in Starnberg feiert dieses Jahr ihr 100jähriges Bestehen. Nebst Görtz liessen sich noch zwei weitere angehende Berufsfischer aus der Schweiz in Starnberg unterrichten. Einer dieser beiden schloss mit der insgesamt drittbesten Prüfung ab. Die Lehre dauert drei Jahre. Der Schulstoff wird in Blockkursen vermittelt.

«Ich war in den letzten drei Jahren während insgesamt 39 Wochen in der Schule», erklärt Görtz. Dazu kamen überbetriebliche Kurse – jeweils je eine Woche lang.

Die ersten auf dem Wasser

«Wir gehören zu den ersten, die am Morgen mit der Arbeit beginnen – ausser den Sportfischern», schildert Timon Görtz den Start in den beruflichen Alltag. Das heisst im Hochsommer: Aufstehen bereits vor vier Uhr.

Was anscheinend kein Nachteil sein muss: «Es gibt nichts Schöneres, als bei Sonnenaufgang auf dem See der Arbeit nachzugehen», erzählt Görtz. Und im Winter, wenn es bitterkalt ist? «Dann ist es am allerschönsten. Weil man dann praktisch allein auf dem See ist.» Selbst bei Schneeschauern und im dichten Nebel habe der Bodensee einen besonderen Reiz, sagt er. «Zudem können die Berufsfischer im Winter die Zeit besser einteilen.

Wenn es am Morgen früh minus 18 Grad hat, fahren wir erst gegen Mittag auf den See hinaus, um die Netze einzuholen.» Das sei möglich, weil die Bodennetze für Egli wie für Felchen bedeutend tiefer gesetzt würden als im Sommer und weil das Wasser viel kälter sei.

Moderne Technik

Des Berufsfischers Alltag wird nie leicht sein. Denn gearbeitet wird in und mit der Natur. Doch bringt auch in diesem Metier die technische Entwicklung Erleichterungen. «Auch wir nutzen die moderne Technik», sagt Timon Görtz.

«Wir versehen eine Boje über dem Netz mit einem Peilsender. Wenn wir am Morgen früh hinausfahren, senden wir eine SMS auf dieses Gerät, das uns dann die Koordinaten meldet.» Bei stürmischem Wetter und in starken Strömungen werden die Netze in der Nacht kilometerweit abgetrieben. Dank des Peilsenders fällt das lange Suchen nach den Netzen weg. Das bedeutet eine enorme Zeit- und Treibstoffeinsparung. «Unangenehm ist es, wenn der Peilsender versagt…», ergänzt Görtz.

Erst im kommenden Januar wird Timon Görtz vermutlich das Patent für die Berufsfischerei im Bodensee bekommen. «Das verstehe ich nicht, ich habe ja alle Voraussetzungen, um bereits jetzt eigenständig der Berufsfischerei nachgehen zu können», sagt er und schüttelt den Kopf. «Jeder andere kann nach abgeschlossener Lehre sofort seinen Beruf ausüben. Durch diese Massnahme werde ich gezwungen, stempeln zu gehen, obwohl Berufsfischer-Patente frei wären.

Ab kommendem Jahr wird er zwar selbständig, aber weiterhin in Zusammenarbeit mit seinem Vater tätig sein. Die Infrastruktur der Berufsfischerei Görtz an der Dorfstrasse 45 wird gemeinsam genutzt.

Fischer und Instruktor

Im Juni hatte Timon Görtz in Bern erfolgreich einen Kurs als Sachkunde-Ausweis-Instruktor absolviert. Am 21. August wird er im «Ochsen» in Thal erstmals als Instruktor für die «IG Dä neu Fischer» im Einsatz stehen.

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