FISCHEREIZENTRUM: Wie Fische umziehen

Äscheneier sind die ersten Bewohner des kantonalen Fischereizentrums in Steinach. Auch Tausende Jung- und Elternfische wechseln von Rorschach in den Neubau.

Fritz Bichsel
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Grosser Moment für Jörg Schweizer; mit dem Äschennachwuchs kommen die ersten Gäste in der neuen Fischzucht an. (Bilder: Rudolf Hirtl)

Grosser Moment für Jörg Schweizer; mit dem Äschennachwuchs kommen die ersten Gäste in der neuen Fischzucht an. (Bilder: Rudolf Hirtl)

Fritz Bichsel

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Einige tausend Eier haben in einem kleinen Glas Platz. Sie stammen vom Fischereiverein Thur und sichern Äschennachwuchs auch für den Thurgau, mit dem der Kanton St. Gallen bei dieser bedrohten Fischart eng zusammenarbeitet. Fischereiaufseher Jörg Schweizer kann diesen Laich in einem Eimer Seewasser transportieren von der Zuchtanlage beim ehemaligen Rorschacher Schlachthof ins neue, vom Kanton erbaute Fischereizen­trum in Steinach. Vor dieser seltenen Fischzüglete wurden die neuen Einrichtungen noch ohne Tiere intensiv getestet. Denn Fischzucht ist hochtechnisiert, vom Filtern des gepumpten Seewassers über Rohre, Temperaturregler und Steuerungen zu Gläsern, Wannen und Becken. Die Grundlage bleibt jedoch natürlich: Bodenseewasser als Lebenselement, Plankton aus dem See als Hauptnahrung. Diese holen Mitarbeiter täglich mit dem Boot an Land. In Steinach, wo das Zentrum nicht ganz am See steht, können sie Plankton durch eine Leitung vom Boot zu den Fischen transportieren. Diesen Weg nehmen pro Jahr auch Millionen winzige Felchen, die sehr jung in die Natur entlassen werden. Auf den Wegzug aus der Anlage Rorschach in den nächsten drei Wochen warten in Wannen Zehntausende winzige Äschen – für die der Frühling Brutzeit ist –, Tausende junge Seesaiblinge sowie mehre Hundert Äschen- und Forellen-Eltern – die über Jahre Laich liefern, in Steinach neu in Becken im Freien. Dafür braucht es Fahrzeuge mit Spezialaufbau. Solche hat die Zuchtanlage, weil sie erbrütete Fische auch in Flüsse liefert, in alle Bodenseezuflüsse auf St. Galler Boden und bis ins Toggenburg. Die Anlage Rorschach ist nach 35 Jahren am Ende der Lebenszeit. Die Rohre gehen ins Altmetall, die Becken und Wannen aus Kunststoff müssen entsorgt werden.

Die Stadt als Grundeigentümerin will das seit 56 Jahren im Baurecht zur Verfügung gestellte Areal neu überbauen.