«Fischen im Trüben» im Geothermie-Bohrloch in St.Gallen

ST.GALLEN. Im Bohrloch des Geothermie-Projekts der Stadt St.Gallen dauert die Suche nach einer Messsonde in 4000 Metern Tiefe an. Von der Sonde, die vor dem Erdbeben vom 20. Juli gekappt werden musste, erhoffen sich die Fachleute Erkenntnisse über Heisswasser– und Gasvorkommen.

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Die Baustelle der Geothermie Bohrung im Sittertobel. (Bild: Ralph Ribi)

Die Baustelle der Geothermie Bohrung im Sittertobel. (Bild: Ralph Ribi)

Bisher blieben erst einige hundert Meter Kabel der Messsonde an den Fangwerkzeugen im Bohrloch hängen, wie die Stadt am Montag mitteilte. Die Suche laufe einigermassen planmässig, sagte Mediensprecher Urs Weishaupt.

Beim Fangwerkzeug handelt es sich um einen rotierenden Bohrer mit Seitenästen. Die Suche nach der Messsonde ist ein Fischen im Trüben. Die Chancen, die Sonde zu bergen, bezeichnete Weishaupt als «relativ gut». Es könnte aber sein, dass die Sonde beim Verstopfen des Bohrlochs mit Schlamm kaputt ging.
Nach Abschluss der Fangarbeiten soll das Bohrloch freigespült und zur Stabilisierung bis in 4450 Meter Tiefe mit gelochten Stahlrohren ausgebaut werden. Das dazu nötige Material sei bereits auf den Bohrplatz angeliefert worden, heisst es im Communiqué.

Produktionstests ab Oktober
Ab Oktober ist der Einbau einer mobilen Gas-Wasser-Testanlage geplant. Für die Produktionstests braucht es Verhandlungen mit möglichen Anbietern sowie verschiedene Wartungs− und Umbauarbeiten an der Bohranlage.

Die Tests sollen voraussichtlich in der zweiten Oktoberhälfte wichtige Informationen über Heisswasser− und Gasvorkommen in der Tiefe liefern. Danach wird das Bohrloch provisorisch verschlossen. Bei «ausserordentlichen Ereignissen» könne der Stadtrat die Arbeiten jederzeit stoppen, heisst es. Ende August hatte der Stadtrat beschlossen, das Geothermie-Projekt trotz dem herben Rückschlag durch das Erbeben vom 20. Juli weiterzuführen. Das Beben der Stärke 3,5 wurde durch das notfallmässige Verstopfen des Bohrlochs nach einem plötzlichen Gasaustritt in der Tiefe verursacht.

160-Millionen-Projekt mit Risiko
Für die Stadt St. Gallen ist das Geothermie-Projekt eine Chance, aber auch ein Risiko: Die Stimmberechtigten sagten 2010 deutlich Ja zu einem Kredit von 160 Millionen Franken. Im Idealfall könnten mit dem Geothermie-Kraftwerk mehrere tausend Gebäude geheizt und Strom erzeugt werden. Die Bohrarbeiten begannen im vergangenen März. (sda)
www.geothermie.stadt.sg.ch