Fische mit der Hand aufgespürt

STEINACH. Die Fischerei in Steinach hat Tradition. Der heute 94jährige Josef Klingenstein hat seine Laufbahn als Fischer Mitte der 1930er-Jahre begonnen, sein Sohn Peter führt den Betrieb als einer der letzten Berufsfischer weiter.

Fritz Heinze
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Am frühen Morgen holt Peter Klingenstein die am Abend vorher ausgelegten Netze herein. (Bild: Fritz Heinze)

Am frühen Morgen holt Peter Klingenstein die am Abend vorher ausgelegten Netze herein. (Bild: Fritz Heinze)

STEINACH. Der Fischerei fühlt sich Josef Klingenstein noch immer verbunden, obwohl der heute 94-Jährige seit drei Jahren im Regionalen Pflegeheim Sonnhalden lebt, in einer für ihn neuen Welt. Die Fischerei hat ihn geprägt, Fischer wollte er schon immer werden. Weil seine Mutter auf einer Ausbildung bestand, schloss er eine Lehre als Bäcker-Konditor im Café Maurer in St. Gallen ab, als Jahrgangsbester. Damals war Fischer nämlich kein Lehrberuf, für die Ausübung dieser Arbeit reichte das kantonalen Fischerpatent aus. Sein Übergang vom Bäcker zum Fischer erfolgte nach der Lehre nahtlos, «sozusagen von einer Stunde auf die andere». Schon sein Vater und sein Grossvater haben auf dem See gearbeitet.

Ohne Echolot unterwegs

Mitte der 1930er-Jahre stieg der junge Josef Klingenstein in die Fischerei ein. Mit seinem Boot trug er zum Einkommen des Familienunternehmens bei. Damals brachten Händler, die den Fischern den ganzen Fang abkauften, die Fische auf den Markt. Mit dem Endverbraucher hatten die Berufsfischer nichts zu tun. Ein Echolot, mit dem heute jedes Fischerboot ausgerüstet ist, hat Josef Klingenstein sein Lebtag nie benutzt. «Ich habe die Fischschwärme stets nach dem Gefühl gesucht. Ich hielt die Hand ins Wasser und spürte so die Fische auf», erzählt der rüstige Rentner. Sein Spürsinn für die idealen Fanggründe sei bei den Kollegen bestens bekannt gewesen.

Felchenbestand am grössten

Die Fischerei erfolgte damals noch mit Zug- und nicht mit den heute üblichen Stellnetzen. Was die Fangmenge anbelangt, zeigt sich Klingenstein optimistisch: «Man hatte auch damals gute und schlechte Jahre. Wir arbeiteten schon immer mit der Natur zusammen.» Mengenmässig stand auch damals der Felchen an der Spitze, gefolgt von Barsch, Hecht und Forelle. Der Felchenbestand hat seine Position gehalten. Josef Klingenstein verweist diesbezüglich auf die Anstrengungen der Fischerei, die rund um den Bodensee Fischbrutanstalten betreibt.

Strukturwandel in der Fischerei

Wie in der Landwirtschaft, seien auch in der Fischerei heute Rationalisierung und Betriebsgrössen entscheidend. Mit dem Räuchern von Fischen und dem Filetieren ist das Gewerbe einen Schritt weiter gegangen und hat so weitere Verdienstmöglichkeiten. Der Strukturwandel sei auch in der Fischerei vollzogen worden mit der damit einhergehenden Reduzierung der Betriebe.

Mit Investitionen abwarten

Sohn Peter, der viele Jahre mit ihm zusammengearbeitet hat, führt heute den Betrieb mit seiner Gattin Cornelia. Noch immer fährt Peter Klingenstein zweimal pro Tag auf den See, stellt die Netze und holt sie frühmorgens wieder ein. Seine Ausrüstung sei aktuell und zweckmässig, wenn auch seine Technik nicht auf dem allerneuesten Stand sei. Doch mit Investitionen sei er zurückhaltend. «Innerhalb der Familie konnte ich bis jetzt noch keine Nachfolge regeln», sagt er.

Sein Marketingkonzept hat Peter Klingenstein festgelegt. Höchste Priorität hat der Detailhandel. Sein Betrieb verfüge über eine treue Kundschaft, zu der er eine gute Beziehung habe. Mit dem Verkauf direkt ab Betrieb sieht er sich gut positioniert. Diese Strategie hatte schon seine Mutter Margrit in die Wege geleitet. Ihm ist auch wichtig, dass seine Käuferschaft akzeptiert, dass ein Bodenseefischer nicht täglich alle Fischsorten anbieten kann. «Der Fischfang unterliegt den Naturbedingungen, unsere Fische sind nicht aus der Zucht.» Seine gewählte Selbständigkeit ist ihm viel wert. Die Regelungen in bezug auf das Fischen im Bodensee findet er gut. Die vom Kanton aufgestellten Vorschriften förderten die nachhaltige Fischerei. Deshalb ist er überzeugt, dass auch kommende Generationen Fische aus dem Bodensee holen werden.

Fischerei Klingenstein, Steinach: offen Mo bis Sa 9 bis 11.30 Uhr