Finnischer Ruhepol in St. Gallen

Petri Väänänen spielt seit dieser Saison für den UHC Waldkirch-St. Gallen. Auf dem Platz überzeugt er regelmässig durch souveräne Auftritte. Auch neben dem Platz zeigt sich der Finne ruhig – und erzählt offen von sich und seiner Welt.

Andy Sager
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Petri Väänänen spielt für Waldkirch Unihockey in der NLA, arbeitet nebenbei und hat eine Familie mit zwei Kindern. (Bild: Ralph Ribi)

Petri Väänänen spielt für Waldkirch Unihockey in der NLA, arbeitet nebenbei und hat eine Familie mit zwei Kindern. (Bild: Ralph Ribi)

UNIHOCKEY. Wenn Petri Väänänen für Waldkirch-St. Gallen auf dem Platz steht, wirkt seine Gelassenheit beinahe übertrieben. In aller Ruhe bringt sich der Finne in das Spiel ein. Erst neben dem Unihockeyfeld stellt sich heraus, dass Väänänen tatsächlich so ruhig und gelassen ist. Der 29-Jährige beschreibt sich denn auch als «ziemlich entspannt».

«Eine sehr glückliche Kindheit»

Der Regisseur, der diesen Sommer zu den St. Gallern kam, wuchs im beschaulichen Dorf Uimaharju in Finnland auf. Zusammen mit seinen drei Brüdern und einer Schwester, die alle jünger sind, verbrachte er seine Jugendjahre in Verhältnissen, die weder luxuriös noch arm waren. «Ich hatte eine sehr glückliche Kindheit», sagt Väänänen lächelnd. Er und sein Bruder fanden in der Schulzeit gefallen am Unihockey. In Uimaharju begann ein Mann, ein paar Spieler um sich zu scharen. Im Sommer spielten sie Fussball, im Winter Unihockey. Dass Väänänen nicht Fussballer wurde, hat einfache Gründe: «Darin war ich auch nicht schlecht. Aber wir hatten zu wenig Spieler für Fussball.» So begannen sie in der Unihockeymeisterschaft mitzuspielen. Der Wahl-St. Galler zählt mittlerweile zum erweiterten Kreis der finnischen Nationalmannschaft.

Auch seine Familie ist hier

Väänänen ist nicht alleine in die Schweiz gereist. Mit ihm kamen seine Frau und die beiden Kleinkinder. Seine Gattin, die er vor drei Jahren geheiratet hat, kümmert sich um den Nachwuchs. Der Unihockeyprofi arbeitet zusätzlich in einem Elektrobetrieb. «So muss ich nicht jeden Rappen umdrehen», so der Nordländer. Er hat für sein Engagement bei Waldkirch-St. Gallen extra sein Studium unterbrochen.

Die Familie Väänänen unternimmt gerne Ausflüge in der Schweiz, «wenn wir dann mal Zeit haben». Die vier waren schon in der Zentralschweiz, aber auch in der Region St. Gallen unterwegs. Sie wundern sich immer wieder, wenn sie mit dem Auto unterwegs sind, wie hier ein Ort gleich dem anderen folgt. Solch enge Dimensionen ist man in Finnland nicht gewohnt. Uimaharju hat nur rund 1400 Einwohner. Die nächste grössere Stadt Joensuu – diese ist etwa so gross wie St. Gallen – ist 48 Kilometer entfernt.

Der Finne vermisst in der Schweiz eigentlich nichts. Er «hätte nur ab und zu gerne etwas mehr Zeit». In den «kleinen Momenten» für ihn – wie er sie nennt – entspannt er gerne oder spielt ein Online-Fussballspiel.

Finnische Unterstützung

Ab und an treffen sich Väänänens mit anderen finnischen Familien. «Das ist wie eine Buschtrommel», sagt der 29-Jährige. Man erfahre sofort, wenn eine neue Familie hier sei. Das mache das Leben in der Schweiz einfacher, «obwohl es eigentlich gar nicht schwierig ist».

Zukunft ist noch offen

Väänänen könnte sich sogar vorstellen, nach einer Rückkehr nach Finnland allenfalls dereinst in die Schweiz zurückzukehren. Oder gleich hier zu bleiben. Er macht das nicht einmal unbedingt vom Unihockey abhängig. Viel eher spielt dabei die Meinung seiner Frau eine Rolle. Eine Entscheidung eilt aber nicht. Er will sich Zeit lassen, bis die Kinder eingeschult werden. «Aber auch das kann sich noch ändern», sagt Väänänen mit seiner gewohnt nordischen Gelassenheit.