Filmmusik für Meryl Streep

MÖRSCHWIL/LONDON. Vor gut zwei Jahren hat der Anwalt Markus Schultz ein eigenes Musiklabel gegründet. Jetzt stellt sich der erste Erfolg ein: Die Firma des Mörschwilers konnte die Musik für den Trailer des Films «Suffragette» mit Meryl Streep produzieren.

Corinne Allenspach
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Seit kurzem ist der Trailer für den Film «Suffragette» mit Meryl Streep im Internet aufgeschaltet. Die Hintergrundmusik kommt von Birdland Records. (Bild: pathé)

Seit kurzem ist der Trailer für den Film «Suffragette» mit Meryl Streep im Internet aufgeschaltet. Die Hintergrundmusik kommt von Birdland Records. (Bild: pathé)

Zuweilen kommt sich Markus Schultz vor wie ein Marathonläufer auf den letzten hundert Metern. Das Ziel bereits vor Augen, es zu erreichen ist aber noch Knochenarbeit. Und manchmal geht selbst ihm, der stets an mehreren Fronten gleichzeitig tätig ist, fast die Energie aus. Im Moment aber strahlt der 50-Jährige wie ein Schuljunge. Mit rosa Hemd und Krawatte sitzt der umtriebige Anwalt in seinem Büro im Osten der Stadt St. Gallen. Und hört nicht mehr auf zu erzählen.

Momente mit Gänsehaut

Im Januar 2013 hat Schultz mit dem amerikanischen Film- und Musikproduzenten Nick Heath, der schon mit Rod Stewart und dem Alan Parsons Project gearbeitet hat, ein eigenes Musiklabel gegründet – birdland records.com. Entstanden ist die Idee zufällig, wie so vieles in Schultz' Leben. Mit Heath am Skilift, in Aspen, Colorado. Der Mörschwiler stellte das Startkapital zur Verfügung, und Heath und er nahmen Robyn Sherwell, «eine geerdete 26jährige britische Songwriterin ohne Allüren, dafür mit eigenem Stil und tiefgründigen Texten», unter Vertrag. Nach der Startphase habe er zudem einige Freunde aus der Region St. Gallen gefunden, die mithelfen, den Aufbau des Musiklabels zu finanzieren. Seither hat es für Schultz zwei Momente mit Birdland gegeben, die sich ihm eingebrannt haben: «Als ich Robyns erste CD gehört habe, bekam ich Gänsehaut.»

Ohne Preisverhandlungen

Ähnlich berührt war er, als er erstmals den Trailer für den Film «Suffragette – Taten statt Worte» mit Meryl Streep, Carey Mulligan und weiterer Starbesetzung sah. «Wir haben seit eineinhalb Monaten gewusst, dass wir mit Robyns Lied <Landslide>, einer Coverversion von Fleetwood Mac, in der Endauswahl sind», sagt Schultz. «Wir dachten aber, wir müssten noch um den Preis verhandeln.» So weit kam es nicht – eines Morgens erhielten sie den fertigen Trailer mit «ihrem» Lied. «Egal, wie es mit Birdland weitergeht, ich kann zumindest sagen, ich habe für einen Film mit Meryl Streep die Musik gemacht», freut sich Schultz.

140 000 Klicks in 14 Tagen

«Suffragette» zeigt die Geschichte der politischen Frauenrechtsbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts in Grossbritannien. Die Frauen setzen mit ihrem Kampf teils nicht nur ihre Familie und ihren Job, sondern auch ihr Leben aufs Spiel. Der Film kommt im Herbst in die Kinos. Ob es der Trailer mit Robyn Sherwells Lied ebenfalls in die Kinos schaffen wird, weiss Schultz nicht. «Es wurden verschiedene Trailer für verschiedene Szenen gemacht.» Vielleicht werde als Vorfilm fürs Kino jener ausgewählt, der im Internet am meisten Klicks erreiche, vermutet Schultz. Da rechnet er sich gute Chancen aus: «<Unser> Trailer wurde in 14 Tagen schon 140 000mal angeschaut.»

Sänger kann keine Noten lesen

Musik spielt in Markus Schultz' Leben seit je eine wichtige Rolle. Zu Kantizeiten hat er mit Michael Millius eine Band gegründet. Sie hat inzwischen 34 Jahre überdauert, mit wechselnden Formationen und Stilrichtungen. Wobei Schultz, der keine Noten lesen kann und nur nach Gehör singt, stets Sänger war. Schon vor der Gründung von Birdland wusste er: Um im Musikbusiness erfolgreich zu sein, reicht es nicht, einfach eine gute Platte rauszubringen. «Es gibt so viel Musik, da musst du es schaffen, aus dem Riesensumpf den Kopf rauszustrecken.» Ohne «relativ heftige finanzielle Vorinvestitionen» gehe da gar nichts.

Ausser in Castingshows. Davon hält Schultz allerdings wenig, da man musikalisch in eine bestimmte Ecke gestellt werde. Ausserdem wolle er kein Dieter Bohlen sein. Er findet es «einfach cool», einer jungen Künstlerin allenfalls eine Weltkarriere zu ermöglichen: «Das ist ein gutes Gefühl.» Bereits hat Birdland eine zweite Sängerin unter Vertrag genommen, die Amerikanerin Britt Margit. «Wir glauben, wir haben ein Ausnahmetalent gefunden», sagt Schultz. Ziel sei es, dass Sherwell und Margit auch mal für ein Open Air in der Schweiz gebucht werden.

Lokremise für Thurgau schaffen

Wer Markus Schultz kennt, weiss, dass er sich längst nicht zufrieden gibt mit einem Projekt. Der dreifache Vater ist nicht nur ein atypischer Anwalt, er hat auch einen schier unerschöpflichen Fundus an Ideen und Interessen. Er ist VR-Präsident der Raiffeisenbank Mörschwil, Vizepräsident der Anklagekammer des Kantons St. Gallen, Jugileiter beim TSV Mörschwil, an mehreren Firmen beteiligt und in zahlreichen Verwaltungsräten. Seit kurzem auch in der Presswerk AG, dem Kulturzentrum, das im Saurer WerkZwei in Arbon entstehen soll. Die Idee sei es, eine Art Lokremise für den Thurgau zu schaffen. Noch suche man aber Aktionäre. Schultz ist es bereits. Das entspreche seinem Naturell, sagt er. «Nicht nur einfach davon reden, was man alles machen könnte, sondern auch eine Vorleistung bringen.»

Filmtrailer unter YouTube: Suffragette official trailer •1

Der Anwalt Markus Schultz singt selber seit 34 Jahren in einer Band. (Bild: Michel Canonica)

Der Anwalt Markus Schultz singt selber seit 34 Jahren in einer Band. (Bild: Michel Canonica)