FILMDREH: Rorschacher filmt im Iran

Niklaus Reichle will diesen Herbst einen Dokumentarfilm im Iran drehen. Das Filmteam steckt mitten in den Vorbereitungen. Eine Drehbewilligung hat er jedoch noch nicht.

Lisa Wickart
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Niklaus Reichle ist fasziniert vom Iran. Im Herbst sollen die Dreharbeiten im nahöstlichen Land beginnen. (Bild: PD)

Niklaus Reichle ist fasziniert vom Iran. Im Herbst sollen die Dreharbeiten im nahöstlichen Land beginnen. (Bild: PD)

Lisa Wickart

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@tagblatt.ch

«Eigentlich bin ich da einfach hin­eingerutscht», sagt Niklaus Reichle. Die Rede ist von der iranischen Filmwelt, die den 30-Jährigen schon seit Jahren fasziniert. In der Region ist Niklaus Reichle als Konzertveranstalter, unter anderem im «Treppenhaus», und Initiant des Musiklabels «La Suisse Primitive» bekannt. Nun ist er in der Organisation des diesjährigen iranischen Filmfestivals in Zürich involviert, welches heute beginnt. Hereingerutscht ist der gebürtige Rorschacher sogar noch tiefer: Er erfüllt sich den Traum vom eigenen Dokumentarfilm. «Diesen Herbst sollen die Dreharbeiten im Iran voraussichtlich beginnen», sagt er.

Entstanden ist die Idee schon vor drei Jahren. Im Mai 2014 ist Reichle zusammen mit seinem Freund Philipp Grob in den Iran gereist. Ihnen sprang ein besonderes Fahrzeug ins Auge: der Paykan. «Das iranische Auto wurde seit den 1960er-Jahren bis 2005 beinahe unverändert gebaut», sagt Reichle. Es sei auch heute noch überall zu sehen. Der Paykan symbolisiere die jüngere Geschichte des Landes. Tradition und Moderne mischen sich immer mehr. Der Dokumentarfilm soll einen Einblick in den Alltag und die Gesellschaft des Landes geben. Ohne iranische Kontakte liess sich das Projekt bis jetzt aber nicht umsetzen.

Die nötigen Kontakte hat er seit seiner Mitarbeit im Film «Padideh», der vergangenes Jahr gedreht wurde. Regisseur Ali Ahmadzadeh suchte nach einem Co-Produzenten in Europa. Er fand ihn in Reichle und der in Zürich lebenden Shirin Dabirzadeh. Der 30-Jährige kannte den Regisseur schon vom iranischen Filmfestival. Sein Debüt als Co-Produzent gab er mit «Padideh».

«Wir wollen nicht für zu viel Irritation sorgen»

Im geplanten Dokumentarfilm fungiert er nun zum ersten Mal als Produzent. Zum Produktionsteam gehören neben ihm lediglich drei Personen: die österreichische Regisseurin Leonie Krachler, der Schweizer Kameramann Daniel Rutz und sein Kollege Philipp Grob. Eine iranische Filmschaffende unterstützt das Team zusätzlich und kümmert sich um das Einholen von Bewilligungen. Ein grosses Team diene nicht dem Zweck: «Wir wollen nicht für zu viel Irritation sorgen.» Denn die Hauptfigur ist die iranische Bevölkerung. Das Team sei gut vorbereitet, trotzdem «ist es nicht ein Projekt, dass von A bis Z durchgeplant ist, und deshalb Raum für Spontaneität lässt», sagt Reichle. Es gehe darum, das Zufällige einzufangen und das gängige Bild vom Iran unter die Lupe zu nehmen.

Berät und unterstützt Organisatoren

Das Budget des Films ist tief: «Wir erhalten eine gewisse Förderung vom Kanton und der Stadt St. Gallen, wir arbeiten jedoch mit beschränkten Mitteln.» Das sei in diesem Projekt auch nicht nötig. Vorerst beschäftigt sich der Filmproduzent aber noch in Zürich. Am iranischen Filmfestival berät und unterstützt er die Organisatoren bezüglich der Finanzierung, des Programms und der Jury. Der Film «Padideh», in dem er als Co-Produzent mitgearbeitet hat, wird in Zürich noch nicht gezeigt: «Der Film wird gerade fertiggestellt.» Lediglich einige technische Anpassungen wie Farbkorrekturen müssten noch gemacht werden. Noch sei nicht klar, wann «Padideh» seine Premiere feiere. Reichles persönliches Highlight am Festival ist der Auftritt von Dariush Mehrjuj, einem international bekannten Regisseur: «Er ist einer der wichtigsten Regisseure der iranischen Filmgeschichte.»