«Feuerteufel von Lömmenschwil» vor Gericht

ST.GALLEN/LÖMMENSCHWIL. Der mutmassliche Feuerteufel von Lömmenschwil kommt vor Gericht: Dem Bauernsohn wird vorgeworfen, auf dem Hof seiner Eltern und dem Nachbarbetrieb mehrere Brände gelegt zu haben. 2009 brannte es bei den beiden Bauernfamilien innerhalb von sechs Wochen fünf Mal.

Nathalie Grand, sda
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Die abgebrannte Scheune eines Bauern von Lömmenschwil. (Bild: Hannes Thalmann/Archiv)

Die abgebrannte Scheune eines Bauern von Lömmenschwil. (Bild: Hannes Thalmann/Archiv)

Der erste Brand auf dem Hof seiner Eltern liegt Jahre zurück: Im November 2000 brach in einer Scheune des Bauernbetriebs in Lömmenschwil ein Feuer aus. Nachbarn trieben Kühe, Rinder und Kälber ins Freie. Die Brandursache ist bis heute nicht geklärt. Der Angeklagte war damals erst elf Jahre alt.

Dieser Fall ist seit langer Zeit eingestellt und wird am 25. August vor dem Kreisgericht St.Gallen auch nicht verhandelt. Es bestehe kein Grund, diesen Fall unter neuem Licht zu beurteilen, sagte der zuständige St.Galler Staatsanwalt Stefan Kühne auf Anfrage.

Die Anklage wirft dem Angeschuldigten mehrfache vollendete und mehrfache versuchte Brandstiftung vor. Der damals 20-Jährige soll im Herbst 2009 in Lömmenschwil Angst und Schrecken verbreitet haben - auch im eigenen Elternhaus, wo niemand etwas vom nächtlichen Treiben des jungen Mannes ahnte.

Fünf Brände in sechs Wochen
Am 27. September 2009 brannte es nach neun Jahren wieder auf dem Bauernhof seiner Eltern. Gäste einer Geburtstagsparty konnten gegen 4 Uhr früh rund 20 Tiere und einen Teil des Maschinenparks retten, bevor die Feuerwehr zur Stelle war. Die freistehende Scheune brannte vollständig nieder.

Zehn Tage später stand kurz vor Mitternacht erneut eine Scheune auf demselben Hof in Flammen. 70 Feuerwehrleute rückten an und verhinderten, dass sich das Feuer auf weitere Gebäude ausbreitete. Es entstand Sachschaden von mehreren zehntausend Franken.

Auch in einem Nachbarbetrieb wütete der Feuerteufel. Anwohner entdeckten Anfang November das Feuer im Keller des Wohnhauses. Die Bewohner konnten unverletzt evakuiert werden. Insgesamt brannte es zwischen Ende September und Anfang November 2009 fünf Mal bei den beiden benachbarten Bauernfamilien.

Landwirte verunsichert
Die Brandserie schreckte die Bevölkerung und Behörden der beschaulichen Gemeinde auf, Landwirte und ihre Familien konnten nachts nicht mehr schlafen, aus Angst, der Brandstifter schlage auch bei ihnen zu.

Dann brach die Brandserie plötzlich ab. Zwei Tage nach der letzten Brand nahm die Polizei den 20-jährigen Bauernsohn auf Antrag der Staatsanwaltschaft in Untersuchungshaft. Drei Monate später wurde er wieder freigelassen, weil der Verdacht gegen ihn nicht erhärtet werden konnte.

Dann herrscht für einige Monate Ruhe in Lömmenschwil. In der Nacht auf den 21. August 2010 bemerkte eine Bauernfamilie, dass Flammen aus ihrem Scheunendach schlugen. Auch dieses Feuer ist vermutlich absichtlich gelegt worden: Am Brandort wurden Brandbeschleuniger gefunden. Dem Bauernsohn wird dieser Fall laut Staatsanwaltschaft aber nicht angelastet.