FEUERALARM: Brände löschen in der Beiz

Der Brand auf der St.Galler Falkenburg weckt Erinnerungen an frühere legendäre Restaurantbrände. 1943 etwa beendete ein Feuer wenige hundert Meter westlich eine kurze, aber gloriose Beizengeschichte.

Beda Hanimann
Drucken
Teilen
Das Ende eines beliebten Vergnügungslokals: Im August 1943 brennt der "Scheffelstein". (Bild: Stadtarchiv)

Das Ende eines beliebten Vergnügungslokals: Im August 1943 brennt der "Scheffelstein". (Bild: Stadtarchiv)

Beda Hanimann

beda.hanimann

@tagblatt.ch

In einer Restaurantküche wird in der Hitze des Gefechts leicht eine Pfanne zu heiss. Oder ein Aschenbecher wandert mit noch mottendem Inhalt in den Kübel.Dass Häuser mit Restaurants häufiger brennen als andere, ist wohl trotzdem nicht mehr als eine These. Eine Bieridee. Ebenso wenig dürfte es verlässliche Zahlen geben, die einen signifikanten Rückgang von Restaurantbränden seit der Einführung des Rauchverbots belegen.

Sicher aber ist: Wenn ein Restaurant Opfer eines Brandfalles wird, dann bewegt es weit mehr. Die Beiz, sie ist ja nicht irgendein Haus, sie ist ein bisschen unser aller Stube. Auch wenn wir nie drin waren. Sie ist öffentlich. Sie geht uns etwas an. Erst recht bei einer «Falkenburg», die man von fast jedem Ort der Stadt sieht. Auch wenn der Restauranttrakt vom samstäglichen Brand nicht tangiert war, machte in den Gassen der Stadt bald die Meldung die Runde: «Die ‹Falkenburg› hat gebrannt.»

Brand in der Falkenburg (Bild: Michel Canonica)
11 Bilder
Brand in der Falkenburg (Bild: Michel Canonica)
Brand in der Falkenburg (Bild: Michel Canonica)
Brand in der Falkenburg (Bild: Michel Canonica)
Brand in der Falkenburg (Bild: Michel Canonica)
Brand in der Falkenburg (Bild: Michel Canonica)
Brand in der Falkenburg (Bild: Michel Canonica)
Brand in der Falkenburg (Bild: Michel Canonica)
Brand in der Falkenburg (Bild: Michel Canonica)
Brand in der Falkenburg (Bild: Michel Canonica)
Brand in der Falkenburg (Bild: Michel Canonica)

Brand in der Falkenburg (Bild: Michel Canonica)

«Scheffelstein» wie eine mächtige Fackel

Und bald auch waren Erinnerungen da an andere legendäre Beizenbrände, an selber erlebte oder an solche, die mannigfach weiter erzählt wurden. Einer der spektakulärsten ereignete sich wenige hundert Meter westlich der «Falkenburg». Am 19. August 1943 brannten der Dachstock und der Turm des Ausflugsrestaurants Scheffelstein lichterloh. Wie eine mächtige Fackel habe es gen Himmel gelodert, schrieb das St.Galler Tagblatt anderntags.

Das 1904 erbaute, schlossähnliche Gebäude an schönster Lage galt als Wahrzeichen. Der Berichterstatter versicherte den Lesern deshalb angesichts seiner Bedeutung, dass die Restauranträume intakt geblieben seien. «Die Terrasse wird sofort freigeräumt werden und steht wohl in kurzer Zeit dem Publikum wieder zur Verfügung.»

Doch daraus wurde nichts. Beim Wiederaufbau wurde «dem ehemals pittoresken, stattlichen Bauwerk gleichsam der Kopf abgeschlagen», es scheine «nur noch ein Schatten dessen zu sein, was es einmal war», schrieb der spätere Stadtarchivar Ernst Ziegler einmal im Riethüsli-Quartierblatt. «Dass man unter diesem Dach keine Wirtschaft mehr führen wollte, ist verständlich.» Das Haus mit dem markanten Sockel fällt zwar bis heute auf, es blüht, anders genutzt, wieder. Aber seine Geschichte als Vergnügungslokal ging 1943 nach nicht einmal vier Jahrzehnten zu Ende.

Zum fixen Termin der Stadtgeschichte gehört auch die Nacht vom 12. auf den 13. Juli 1955. Ein verheerender Brand hatte kurz vor dem 100-Jahr-Jubiläum das Hotel Walhalla so grundlegend zerstört, dass ein Neubau unumgänglich war. Der Brand war kurz nach dem Ende einer Hochzeitsfeier nach Mitternacht ausgebrochen. 15 Hotelgäste konnten aus ihren Zimmern gerettet werden, ein Todesopfer war zu beklagen: Ein italienischer Bankdirektor, der schon in Sicherheit war, hatte sich nochmals ins Haus begeben, weil er seine Frau und seinen Sohn vermisste.

In jüngerer Vergangenheit sorgte ein durch eine überhitzte Frittierpfanne ausgelöster Brand im Gourmetrestaurant Neubad in der Bankgasse für Aufsehen. Siebzig Feuerwehrleute mussten am 29. April 2010 vor allem auch verhindern, dass das Feuer auf die umliegenden Altstadthäuser übergriff. Das Restaurant blieb ein Jahr geschlossen.

Beim «Tivoli» mangelt es an Löschwasser

Die Chronik «Daten zur Baugeschichte der Stadt St.Gallen von den Anfängen bis 2000» oder Fredi Hächlers «St.Galler Wirtshäuser» belegen zahlreiche weitere Brände in Restaurants. Immer wieder traf es Ausflugsrestaurants. «Weil Wasser fehlt, zerstört ein Brand das ‹Tivoli› bis auf die Grundmauern», heisst es in einer Notiz zum 13. März 1876. 1944 brannte das «Tivoli» an der Speicherstrasse erneut.

Das 1810 erbaute «Freudenberg» fiel 1842 einem Feuer zum Opfer, es wurde wieder aufgebaut, 1956 aber im Rahmen einer Übung der Luftschutztruppen niedergebrannt. Feueralarm gab es 1861 in der «Frohen Aussicht», die wieder aufgebaut wurde und als «Peter und Paul» bis heute existiert. 2006 wurde der «Schilt­acker» ein Raub der Flammen.

Aber auch in der Stadt wütete immer wieder der rote Teufel. Ein paar Beispiele: 1911 «Hirschen» am Marktplatz, 1933 «Hörnli», 1966 «St. Leonhard», 1984 Pub in der Brühlgasse, 1985 der alte «Stahl», 1987 «Waffenplatz» beim Zeughaus. Das «Facincani» entging dem Grossbrand vom 14. März 1992 in der südwestlichen Altstadt nur knapp.

Und da ist noch ein Feuer im gastronomischen Umfeld, das bis heute im kollektiven Gedächtnis St.Gallens weiter lodert. In der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober 2000 stand die Olma-Halle 7 in Flammen, wenige Stunden, nachdem die letzten Messebesucher den Heimweg angetreten hatten. Um die Ursache und das unsägliche Glück im Unglück ranken sich bis heute Legenden.