Festspiele-Dreieck Rorschach

RORSCHACH. Aufgrund schwieriger Rahmenbedingungen wird der Wegzug der Walenseebühne aus Walenstadt diskutiert. Gespräche mit der Rorschacher Stadtführung über eine Seebühne am Bodensee gab es bereits vor drei Jahren.

Rudolf Hirtl/Perrine Woodtli
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Eine Seebühne, wie hier in Walenstadt, wäre zweifellos auch für Rorschach eine Attraktion. (Bild: Andy Mettler)

Eine Seebühne, wie hier in Walenstadt, wäre zweifellos auch für Rorschach eine Attraktion. (Bild: Andy Mettler)

Mitten in der Produktion von «My Fair Lady» haben die Organisatoren darüber informiert, dass Möglichkeiten geprüft werden, wie die Walenseebühne über das Jahr 2014 hinaus existieren kann (im Tagblatt vom 23. April). Deshalb werden zusätzlich zum Standort Walenstadt Partner mit einem Eventgelände gesucht. Zur Diskussion gestellt wird die Durchführung von Musicals und anderer Events. Marco Wyss, Projektleiter der Walenseebühne, betont, dass Walenstadt als Standort nach wie vor Priorität geniesse, man sehe sich aber in der Pflicht, alle Optionen zu prüfen. Thema ist dabei offenbar auch ein Wegzug.

In Rorschach angeklopft

Nicht erst jetzt, sondern bereits vor drei Jahren war Rorschach als zusätzlicher Standort der Walenseebühne im Gespräch. «Wir haben das Thema nach einer Anfrage der Organisatoren im Stadtrat besprochen und waren bezüglich der Option Seebühne in Rorschach schon sehr weit», sagt Stadtpräsident Thomas Müller. Die Nähe zur Seebühne in Bregenz sei bereits damals nicht als Problem betrachtet worden. Während in der Vorarlberger Landeshauptstadt der Fokus auf grosse Opern gelegt werde, würde sich das Programm einer Seebühne in Rorschach vor allem auf Musicals konzentrieren.

Vorstellen kann sich Müller eine Seebühne im Bereich zwischen Seerestaurant und Neubau Würth. Eine Problematik, die vor drei Jahren nicht gelöst werden konnte, ist die Beschallung. Bei einer Bühne, die zum Berg hin stehe, sei die Lärmbelästigung durch ein Musical, das 20mal gespielt werde, für die Bewohner am Berg zu gross.

Nur langfristiges Projekt

Auch wenn das Projekt Seebühne Rorschach vor drei Jahren nicht über das Standort-Casting hinausgekommen ist, so räumt Thomas Müller ein: «Mir persönlich gefällt die Idee nach wie vor. Und aufgrund der aktuellen Entwicklung in Walenstadt ist der Stadtrat Rorschach gerne zu weiteren Gesprächen bereit.» Als geradezu ideal bezeichnet der Rorschacher SVP-Nationalrat die hiesige Verkehrsanbindung. Seien doch Busbahnhof und vor allem der Hauptbahnhof nur wenige Schritte vom Seeufer entfernt. Sollte es mit der TSW Musical AG in Walenstadt tatsächlich Gespräche über eine Seebühne in Rorschach geben, so kommt laut Thomas Müller für den Stadtrat nur ein Projekt mit langfristigen Perspektiven in Frage. Noch nicht geäussert dazu hat sich Marco Wyss, Initiant der Walenseebühne. Er war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Faszinierendes Projekt

Anders Guido Schwalt, Dirigent der Stamuro, der sehr angetan ist von der Idee einer Seebühne. «Ich bin klar dafür. Die Bühne würde einen neuen Anziehungspunkt darstellen». Es wäre jedoch wichtig, ein neues Konzept zu entwickeln. «Es sollten auch andere Events stattfinden. Das Interesse von der Stadtmusik zum Beispiel wäre klar vorhanden», sagt Schwalt. Der Fokus solle aber nach wie vor bei Musicals liegen. Ob sich das mit anderen Projekten vereinbaren liesse, würde sich zeigen. Auch dem Tourismus täte es gut: «Man muss auch an die Restaurants und Hotels hier denken. Auf jeden Fall wäre es eine riesige Aufbesserung für die Stadt Rorschach», so Schwalt.

Auch Astrid Nakhostin, Leiterin Freizeitmarketing vom Bodensee-Tourismus, findet die Idee begrüssenswert. «Aus der Sicht des Tourismus ist es eine tolle Sache, und ich kann mir vorstellen, dass es wie die Walenseebühne gut funktionieren würde.» Natürlich sei dies alles eine Frage des Marketings und der finanziellen Möglichkeiten. Auch sie unterstützt den Gedanken, zusätzlich andere Events zu planen. «Es darf jedoch nicht zur Konkurrenz mit St. Gallen und deren Festspielen und anderen Events kommen. Das müsste man koordinieren können. Mit Bregenz und St. Gallen könnte Rorschach ein internationales Festspiele-Dreieck schaffen», sagt Nakhostin, die eine Zusammenarbeit begrüssen würde.

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