Festhalten an einer Fusion

Im Auftrag der Stadt hat Robert Barth von der Fachhochschule Chur eine Analyse der städtischen Bibliothekslandschaft erstellt. Einiges war bekannt. Trotzdem enthält die Studie gute Argumente für eine zentrale Bibliothek in der Hauptpost.

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Robert Barth stellt seine Studie vor. (Bild: Urs Bucher)

Robert Barth stellt seine Studie vor. (Bild: Urs Bucher)

Das wichtigste Fazit von Robert Barth am Schluss der Kurzpräsentation seiner Studie: Festhalten an der Fusion, am Projekt und Gespräche mit dem Kanton führen. Dies entspricht der Haltung, die Stadtpräsident Thomas Scheitlin am Montag am Stadtkultur-Gespräch vertrat, wo die Analyse der städtischen Bibliothekslandschaft vorgestellt wurde.

Einmalig und eigenartig

Robert Barth vom Institut für Informationswissenschaften der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur, hat im Auftrag der Stadt die Analyse erstellt. Als «einmalig und eigenartig» charakterisierte er die «Bibliotheksstadt St. Gallen»: Einerseits «spielt man in der Weltliga», habe mit Stiftsbibliothek, Kantonsbibliothek, Textilbibliothek, Bucharchiv und Wyborada «ausserordentlich reichhaltige, einzigartige historische Bestände». Anderseits seien diese Bestände auf eine Vielzahl von Institutionen mit irritierend vielen Trägerschaften verteilt. Für den Nutzer sei kaum möglich, das zu überblicken. Die Studie hält erneut fest, was bereits der legendäre «KuBi»-Prozess aufzeigte: Die räumliche Situation der Bibliotheken ist prekär.

Zu wenig Platz, zu wenig Geld

Ein besonderes Augenmerk legt die Studie auf die Freihandbibliothek – und zeichnet ein Bild, das für die Beteiligten nicht überraschend ist: Zwar wird die Freihandbibliothek als sehr aktiv und innovativ gelobt, auch was Medienvielfalt, die Kooperation mit Schulen oder die Integrationsbibliothek betrifft. Die Liste der Mängel ist aber bekanntermassen lang: Eine viel zu geringe Medienzahl, deutlich zu kleine Platzverhältnisse sowie finanzielle Mittel, die ein Mehrfaches unter den entsprechenden Ausgaben vergleichbarer Städte liegen, sind die zentralen Kritikpunkte.

Albert Rüesch, Vereinspräsident der Freihandbibliothek, war «sehr zufrieden» mit der Auslegeordnung und hielt fest: «Die desolate Situation zeigt, dass man wirklich etwas machen muss.»

Hauptpost optimaler Standort

Zu den Massnahmen, die Barth für die Freihandbibliothek kurzfristig empfiehlt, gehört eine Verbesserung der räumlichen und finanziellen Situation. Er rät ausserdem dazu, die Organisation und Trägerschaft der Freihandbibliothek zu überdenken oder zumindest die Politik stärker einzubinden.

«Es gibt für die Freihandbibliothek kaum einen optimaleren Standort als das Postgebäude», hält die Studie fest. Kritisch bewertet wird jene Variante, welche die Vadiana, Wyborada und Freihandbibliothek zwar in der Hauptpost unter einem Dach, aber weiter in getrennten Betrieben vorsieht: Das sei «unökonomisch» und «dem Publikum schwer zu vermitteln». Aus fachlicher Sicht gebe es für so eine Variante keine Gründe. (as)