Fernwärme rentiert nicht überall

Die Planungen für den Wärmeverbund in Abtwil werden vorläufig nicht weitergeführt. Die Rentabilität konnte nicht gewährleistet werden. Auch in Häggenschwil fehlte es an Interessenten. Nicht so in Wittenbach und Engelburg.

Andreina Thoma
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Die Heizzentrale der Schnider AG versorgt Engelburg mit Wärme. (Bild: Ralph Ribi)

Die Heizzentrale der Schnider AG versorgt Engelburg mit Wärme. (Bild: Ralph Ribi)

In Abtwil hätte rund um die Schulanlagen Ebnet und das Oberstufenzentrum Mühlizelg ein Wärmeverbund entstehen sollen. Der Gemeinderat hat im vergangenen Jahr den Auftrag für die Ausarbeitung eines Vorprojektes erteilt, nachdem eine Machbarkeitsstudie positiv ausfiel. Die Projektierungsarbeiten mussten aber jetzt unterbrochen werden, wie dem «Gaiserwalderblatt» zu entnehmen ist. Mit den vorhandenen Interessenten sei die Rentabilität im Moment nicht gewährleistet.

«Risiko wäre zu gross gewesen»

Abtwil ist nicht die einzige Gemeinde in der Region, der es an Interessenten fehlt. In Häggenschwil wurde das Wärmeverbundprojekt deswegen schon im vergangenen Frühling abgebrochen. «Das Risiko wäre einfach zu gross gewesen», sagt der Häggenschwiler Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring: «Um einen Wärmeverbund längerfristig finanzieren zu können, hätten fast alle Besitzer von grösseren Liegenschaften mitmachen müssen.» Ein Grund sei auch, dass in Häggenschwil wenig Industrie vorhanden sei und damit grosse Wärmeabnehmer fehlen würden. «Aber auch der derzeit tiefe Ölpreis macht es schwierig, Abnehmer zu finden», sagt Eisenring. Das Heizöl sei im Moment zu günstig. «Es hätte passieren können, dass deswegen Interessenten auch im nachhinein abgesprungen wären», sagt Eisenring.

Ganz anders ist die Situation in Engelburg. Dort wurde der Wärmeverbund im Herbst 2012 eingeweiht. Er startete den Betrieb mit 22 angeschlossenen Liegenschaften. Seither sind drei weitere dazugekommen. «Es ist von Anfang an alles gut gelaufen», sagt Thomas Meyer, Leiter des Gaiserwalder Bauamts. Grössere Probleme habe es bisher keine gegeben. «Natürlich mussten einige technische Feinheiten geklärt werden, und bis die neuen Installationen richtig angelaufen waren, brauchte es seine Zeit», sagt Meyer. Im tiefen Ölpreis sieht er keine Gefahr für potenzielle Abnehmer: «Fernwärme bringt andere Vorteile mit sich. So braucht man keinen Kaminfeger, Tankrevisionen oder zusätzliche Räumlichkeiten für den Öltank.»

Auf weitere Abnehmer hoffen

Auch in Wittenbach wird seit Oktober vergangenen Jahres mit Holz geheizt. Das Holzkraftwerk Hofen wird von der St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke AG (SAK) betrieben. In einer ersten Bauetappe wurden das Gebäude, der erste Teil der Wärmeerzeugung und ein Teil des Fernwärmenetzes realisiert. Mit dem Abschluss der zweiten Bauetappe soll das Holzkraftwerk Hofen dann ab 2015 nicht nur Fernwärme, sondern auch Strom produzieren (Ausgabe vom 17. Oktober). In einer dritten Etappe soll nächstes Jahr das Fernwärmenetz noch weiter ausgebaut werden, wie die SAK auf ihrer Internetseite schreibt.

Als «Energiestadt» hoffe auch Engelburg auf weitere Wärmeabnehmer, sagt Meyer: «Weitere Anschlüsse im Jahr 2015 sind geplant, und im Jahr 2016 sollen auch die Schulanlage und die Gebäude der Stiftung Alter und Gesundheit angeschlossen werden.» Potenzial sei auch an der Tannenbergstrasse vorhanden. «Das Baugesuch für ein Wohn- und Gewerbehaus wurde eingereicht. Auch dieses soll dereinst an das Wärmeverbundnetz angeschlossen werden», sagt Meyer. Zukünftiges Potenzial aufgrund nichtüberbauter Flächen in der Nähe der Schulanlagen sei zwar auch in Abtwil vorhanden, bis diese überbaut würden, dauere es aber noch einige Jahre, wie das «Gaiserwalderblatt» schreibt. Bis dahin würden die Planungen ruhen. «Definitiv keine neuen Pläne» gebe es in Häggenschwil, sagt Eisenring. Jetzt werden Alternativen für die zu ersetzenden Heizungen gesucht. «Ein Wärmeverbund wäre eine sympathische Art gewesen, Wärme zu liefern», sagt Eisenring: «Ein solches Projekt macht aber nur Sinn, wenn man es wirtschaftlich betreiben kann.»