«Femmes-Tische» sind vom Tisch

Die Stadt St. Gallen hat keine Möglichkeit, die Förderprojekte «Femmes-Tische» und «Schrittweise» finanziell zu fördern. Bereits vor drei Jahren war das klar, der Stadtrat liess aber ein Hintertürchen offen, das er jetzt geschlossen hat.

Elisabeth Reisp
Drucken
Teilen
Nicht immer passt es: Die Stadt kann keine Mittel für die «Femmes-Tische» und die integrative Kleinkinder-Förderung «Schrittweise» aufbringen. (Symbolbild: Reto Martin)

Nicht immer passt es: Die Stadt kann keine Mittel für die «Femmes-Tische» und die integrative Kleinkinder-Förderung «Schrittweise» aufbringen. (Symbolbild: Reto Martin)

Lange lag es im Pendenzenstapel, das von der GPK eingereichte Postulat «Migrantenvorstoss zum Elternbildungsprojekt Femmes-Tisch St. Gallen». Der Hintergrund für das Zustandekommen des Postulats war das Ende des Pilotprojekts «Femmes-Tische».

Drei Jahre lang hatte die Caritas St. Gallen-Appenzell in St. Gallen «Femmes-Tische» angeboten. Der Kanton hatte das Projekt während der dreijährigen Pilotphase finanziert. Danach war die Finanzierung ungewiss; Stadt und Caritas konnten sich nicht über Fortführung und Finanzierung einigen. Daher reichte die Frauengruppe im Januar 2012 einen Migrantenvorstoss ein, der durch die GPK geprüft wurde. Die GPK ihrerseits reichte in der Folge das eingangs erwähnte Postulat ein. Sie bat den Stadtrat um eine Aufstellung der städtischen Elternbildungs- und Integrationsprojekte sowie um Subventionsbeiträge. Des weiteren bat die GPK den Stadtrat zu prüfen, ob «Femmes-Tische» in das städtische Elternbildungs- und Integrationsprojekt passen und ob das Projekt längerfristig finanziell gesichert werden kann.

Nun, drei Jahre später, hat der Stadtrat das Postulat beantwortet: Und zeigt sich zurückhaltend.

Keine Finanzspritze möglich

Auf 32 Seiten erläutert der Stadtrat, welche Projekte existieren und wie er sie unterstützt. Aufgrund der finanziellen Situation sieht er aber keine Möglichkeit einer Finanzierung der «Femmes-Tische» und auch nicht für das Angebot «Schrittweise» (siehe Kasten).

Im Bewusstsein um die Wichtigkeit der Frühförderung wurde das Konzept «Ein guter Start für alle» gegründet, schreibt der Stadtrat in seiner Postulats-Antwort. Das Konzept enthält drei Module zur frühen Förderung: Das Modul A dient dem Ausbau des Angebots der Mütter- und Väterberatung. Im Modul B soll über die Spielgruppe (Spiki) die Erreichbarkeit der Familien verbessert werden. Das Modul C umfasst die individuelle Begleitung von psychosozial hoch belasteten Familien.

Allenfalls Mithilfe im Modul A

Die Stadt hätte am ehesten eine Zusammenarbeit der «Femmes-Tische» mit den Akteuren innerhalb des Moduls A vorgesehen. Aber bereits die Regelangebote des Ostschweizerischen Vereins für das Kind (OVK) könne nicht ausgebaut, beziehungsweise das Modul A nicht umgesetzt werden, schreibt der Stadtrat in seiner Antwort. Gemäss fachlicher Einschätzung können die Fachpersonen der Projekte «Femmes-Tische» und «Schrittweise» den OKV lediglich bei einem in der Zukunft allfälligen Ausbau des Angebots und im Modul A durch ihr Fachwissen unterstützen.

Der Stadtrat beantragt daher dem Stadtparlament das Postulat als erledigt abzuschreiben.

Aktuelle Nachrichten