Feiernde Kosovaren verzeigt

Junge Kosovaren haben am Donnerstag gefeiert: Seit drei Jahren ist Kosovo von Serbien unabhängig. Trotz Kälte hat das Fest auf dem Rorschacher Kabisplatz stattgefunden. Es blieb friedlich, doch einige wurden von der Polizei verzeigt.

Dominik Bärlocher
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Doppeladler und weisse Sterne: Die jungen Kosovaren feiern ausgelassen, auch wenn kurz zuvor eine Polizeikontrolle stattgefunden hat. (Bild: Dominik Bärlocher)

Doppeladler und weisse Sterne: Die jungen Kosovaren feiern ausgelassen, auch wenn kurz zuvor eine Polizeikontrolle stattgefunden hat. (Bild: Dominik Bärlocher)

Rorschach. Kabisplatz, Donnerstagabend kurz nach 20.30 Uhr. Auf dem Rorschacher Parkplatz wird gejohlt, getanzt, dann und wann wieder gesungen. Gleichzeitig fahren Autos durch die Strassen, auf die Motorhauben sind Fahnen mit Adlern und mit weissen Sternen und dem Umriss Kosovos abgebildet. Rund 50 junge Männer – alle unter 30 Jahre alt – feiern die Unabhängigkeit des Landes. Sie singen «Oj Kosov oj nena mie» – eine Zeile aus einem albanischen Volkslied, das auf Deutsch so viel wie «O Kosovo, o du meine Mutter» heisst.

«Wir feiern auf den Strassen, weil kein Restaurant und kein Club gross genug wäre», sagt Shaqir Zumberi. Der 17-Jährige spricht für alle Anwesenden, wenn er sagt, dass er nicht hier sei um Ärger zu machen, sondern um zu tanzen, zu singen und der Welt seine Freude über die Unabhängigkeit zum Ausdruck zu bringen. Die Aussage wird von den anderen Feiernden mit Applaus gedankt.

Gefahr an der Barriere

Die Männer fahren im Konvoi vom Rheintal in Richtung St. Gallen, wie sie sagen. Auf der Seestrasse kommt es zum Stau. Eine brenzlige Situation entsteht, als ein Fahrzeug zwischen den geschlossenen Barrieren steckenbleibt, da der Treck auf der kleinen Strasse zu dicht aufeinander auffährt. Doch die Kosovaren wissen sich zu helfen. Schnell wird die Schranke hochgehoben und das Auto aufs Trottoir manövriert, bevor der Zug aus Arbon den Bahnübergang passiert. Bei der Kontrolle durch die Polizei, die den Autos gefolgt ist, verzeigt diese kurz darauf Männer, die während der Fahrt im offenen Fenster der Autos gesessen haben. «Wir wollen niemandem die Freude nehmen, aber wir müssen eingreifen, sobald die Situation gefährlich wird», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei.

Die Feier wird schnell zur neugierigen Runde, und die zwei anwesenden Polizisten, die zwischen Kardelen Bazar und Zürich-Versicherung ihre Kontrolle durchführen, sind schnell umringt. Doch der Abend bleibt friedlich, obwohl bei der Polizei aus der Nachbarschaft eine Klage wegen Lärmbelästigung eingegangen ist.

Wut auf Serben bleibt

Doch bei aller Freude der Männer, die sich mittlerweile vor der Filiale der Zürich-Versicherung versammelt haben, ist die Wut nicht ganz verklungen. Zu frisch seien die Narben, die die serbische Regierung zumindest in den Köpfen der jungen Kosovaren hinterlassen habe. Neben Gesang und Gejohle sind dann und wann wieder Flüche auf die ehemaligen Besetzer zu hören. «Wir feiern lieber, als dass wir fluchen», ruft einer der jungen Männer aus der Menge, die sich für das Interview mit Shaqir Zumberi gebildet hat.

Der Konvoi will weiter in Richtung St. Gallen ziehen. Doch für einige endet der Abend auf dem Kabisplatz «Ich habe kein Auto, daher gehe ich nach Hause», sagt einer der jungen Männer.