FC ST.GALLEN: Neue Struktur, neue Investoren?

ST.GALLEN. FCSG-Präsident Michael Hüppi bleibt guter Dinge: Nicht der FC, sondern die Betriebs-AG stecke in Finanznöten. Und die könnten mit der neuen Struktur gelöst werden. Sollte es klappen, stehen angeblich mehrere Investoren bereit.

Marcel Elsener
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Transparenz? Oder wenigstens klare Sicht? Blick aus der Musterloge der AFG Arena, präsentiert 2007. (Archivbild: Hanspeter Schiess)

Transparenz? Oder wenigstens klare Sicht? Blick aus der Musterloge der AFG Arena, präsentiert 2007. (Archivbild: Hanspeter Schiess)

AufTele Ostschweizäussert sich Michael Hüppi zur Situation

«Es werden sehr lange zwei Wochen», stöhnt Markus Scherrer, der langjährige Fussballredaktor des Tagblatts und soeben frisch eingesetzte Kommunikationschef des FC St. Gallen und der Betriebs-AG. Er meint all die Tage, in denen er Journalisten mit «kein Kommentar» abwimmeln muss. Oder mit der Standardformulierung «verschiedene Projekte, aber noch nicht spruchreif».

Zwei Wochen – «10, 14 Tage» laut FCSG-Präsident Michael Hüppi – bis zur Vorstellung der «bereinigten» Strukturen. Und vor allem bis zur Information darüber, wie Stadt und Kanton St. Gallen dem Club finanziell helfen wollen und in welcher Form sie dies den Parlamenten vorlegen.

Seit einem Jahr in Arbeit

Bis dahin sollte nichts an die Öffentlichkeit sickern.

Denn tatsächlich sind die neuen Strukturen schon seit einem Jahr in Arbeit – und alle Beteiligten jetzt vor den Kopf gestossen, dass «so kurz vor der Medienkonferenz bekannt wird, was so lange unter Verschluss gehalten werden konnte». Das sagt, mit wem auch immer man spricht – inoffiziell, oder im Journalistenslang: off the record.

«Wir sind in einer empfindlichen Phase, in der ein falscher Satz vieles kaputt machen könnte», meint etwa Rainer Sigrist, Verwaltungsratspräsident der Betriebs-AG AFG Arena und des Stadionbauers HRS Real Estate AG. Man müsse «einen kühlen Kopf bewahren» im Hinblick auf eine «nachhaltige Stabilisierung». Bei allen Fragen nach der Betriebs-AG verweist er auf – Scherrer.

Kann er denn für die HRS sprechen und deren zukünftiges Engagement? Der Bauherr habe die «Arbeit getan und sich verabschiedet», sagt Sigrist und möchte allfällige HRS-Beteiligungen nicht kommentieren: «Wir haben ein paar Aktien in den AG's, wie ein paar hundert andere Ostschweizer auch.»

Von Insidern als Schlüsselfigur der Neustrukturierung genannt wird Dölf Früh, früherer Hauptsponsor (via sein Internet-Portal Gate24).

Der Teufener Unternehmer ist nach dem Verkauf seiner Firma Media Swiss an Ringier (2007) deren VR-Präsident geblieben und engagiert sich beim FCSG weiterhin als Grossaktionär.

Ostschweizer Investoren

Dies will er nicht an die grosse Glocke hängen. «Selbstverständlich bin ich für Transparenz», sagt er – und hält sich als «Initiant einer komplexen Übung» noch zurück.

Früh bittet jene «Unzufriedenen», die Stimmung gegen die Rettungsaktion machten, um «Respekt für jene, die sich für eine tragfähige Lösung einsetzen». Wenn das aufgegleiste «interessante, gute Projekt» erfolgreich zu Ende geführt sei, könnten auch Investoren angebunden werden.

Deren Namen bleiben vorläufig Spekulation; immerhin bestätigen Beteiligte, dass es sich um «Ostschweizer Persönlichkeiten» und «keine dubiosen Financiers von irgendwoher» handle.

Was ganz im Sinne von Edgar Oehler ist (Ausgabe von gestern): Er verspricht seit längerem, mehr Geld zu investieren, wenn sich «noch einige andere finden» liessen.

Während Finanzchef Urs Lenz gestern just mit der Revision der Rechnung beschäftigt war, betonte VR-Präsident Michael Hüppi gutgelaunt, dass es dem FC «finanziell relativ gut» gehe.

«Viel Unsinn im Umlauf»

Dies entgegen dem «vielen Unsinn, der derzeit verbreitet wird». Statt des budgetierten Defizits von 1,4 Mio. Fr. stehe man mit höchstens 200 000 Franken im Minus. «Und mit Erreichen des Cupfinals hätten wir sogar Gewinn gemacht.» Das Problem liege bei der Betriebs-AG, die ihre «Reiseflughöhe noch nicht erreicht» habe.

Auch hier wehrt Hüppi unter Hinweis auf den Bericht von Price- waterhouseCoopers Vorwürfe ab, wonach «Geld verschwinde». Vielmehr sei die BAG durch ihre zusätzlichen teuren, weil nicht hypothekar-abgesicherten Konditionen getätigten Investitionen belastet und der Apparat zu gross.

«Es war von Anfang an mein Ziel, schlankere Strukturen zu schaffen», betont Hüppi.

Nun liessen sich die Publikums-AG's und die BAG nicht einfach in eine Gesellschaft überführen, zumal der Staat die Auflage machte, der Club dürfe das Stadion nicht selber verwalten. Wenn nun die öffentliche Hand gefragt sei, gehe es «nie um Steuergelder für den Fussballbetrieb». Sondern um die hohen St. Galler Sicherheitskosten: «Wir zahlen jährlich eine Million, Thun hingegen nichts und mit dem neuen Stadion 200 000 Franken.»

Ein altes Thema, genauso wie die mangelnden «Events» in der AFG Arena. Die 15 grössten Konzertveranstalter winkten ab – «zu teuer, zu hohes Risiko.» Bleibt der Fussball – hoffentlich erfolgreich.