FC ST.GALLEN: FCSG-Businessplan hat gravierende Mängel

Der Businessplan für das Stadion des FC St. Gallen geht nicht auf. Im Jahr 2003 wird vorgerechnet, dass der Betrieb mit 12 000 Zuschauern im Schnitt selbsttragend sei. Nun sind es 14 000 – und die Betriebs AG in grossen Nöten.

Daniel Klingenberg
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Bau der AFG Arena im Jahr 2007: Das Stadion steht zwar, doch die Betriebsfinanzen sind wacklig. (Archivbild: Sam Thomas)

Bau der AFG Arena im Jahr 2007: Das Stadion steht zwar, doch die Betriebsfinanzen sind wacklig. (Archivbild: Sam Thomas)

Der FC St. Gallen will sich aufgrund von Finanzschwierigkeiten der Betriebs AG (BAG) neue Strukturen geben. Die Rede ist von neuen Investoren, aber auch von einem weiteren Engagement der öffentlichen Hand. Bis in 14 Tagen soll das Geheimnis gelüftet werden (Ausgabe von gestern).

Dies dürfte bei Politikern aus Kanton und Stadt St. Gallen Irritationen auslösen.

Denn deren Legislativen haben im Jahr 2003 finanziellen Beiträgen von rund 14 Millionen Franken an den Bau des neuen Stadions zugestimmt. Damit wollte man einerseits den Bau des Stadions ermöglichen. Anderseits sollte aber der Stadionbetrieb auf eigenen Füssen stehen können und der FC St. Gallen einer finanziell soliden Zukunft entgegenblicken.

Politischer Konsens war auch, dass in den kommenden Jahren keine weiteren Gelder der öffentlichen Hand an das Stadion zu leisten seien.

Landabgabe über 14 Millionen

Dies könnte sich nun bereits in der dritten Saison des FC St. Gallen ändern. Der Grund: Der Businessplan der damaligen Crew des FC St. Gallen hat schwere Mängel und geht offensichtlich nicht auf.

Der Businessplan findet sich in den Vorlagen an Kantonsrat und Grossen Gemeinderat der Stadt St. Gallen. Darin geht es im wesentlichen um Gratis-Landabtretungen. Der Kanton hat dabei Boden im Wert von 9,5 Millionen Franken gratis der Stadion St. Gallen AG abgegeben, die Stadt ein Grundstück im Wert von 4,4 Millionen. In den Vorlagen wird der Betrieb des Stadions ausdrücklich mit den unentgeltlichen Bodenabgaben verknüpft.

Kanton und Stadt hätten nach einer ersten Prüfung des Gesuchs über die Schenkung Auskunft über «Organisation und Finanzierung des Stadionbetriebs» im Sinne eines Businessplans verlangt, heisst es.

Trennung soll «Risiko mindern»

Im Businessplan ist einerseits die bekannte Organisationsstruktur mit der heutigen BAG, der Stadion FCSG AG und FC St. Gallen AG.

In einer Beurteilung heisst es, dass die «Trennung der verschiedenen Funktionen» von Eigentümer, Betreiber und Benutzer des Stadions das Risiko mindere. Finanzielle Probleme des Clubs würden sich nicht automatisch auf das Stadion auswirken.

Ob man das Stadion selber finanzieren könne, hänge weitgehend vom sportlichen Erfolg des FCSG ab, heisst es weiter (siehe Kasten). Dieser wird mit der Anzahl Zuschauer verknüpft.

Klare Aussage des damaligen Businessplans ist: Mit durchschnittlich 12 000 Zuschauern «können die laufenden Ausgaben gedeckt werden und auch die erforderlichen Reserven gebildet werden».

Würde der Businessplan aufgehen, stünde die BAG demnach gut da. Denn der FC St. Gallen hatte in der vergangenen Saison einen Zuschauerschnitt von 14 000 Personen.

Dass die BAG in höchsten finanziellen Nöten steckt, lässt nur den Schluss zu, dass der Businessplan gravierende Fehler aufweist.

Neben den Zuschauern sind auch weitere Zahlen genannt. So gibt es Posten über die geschätzten Einnahmen von Tickets, Werbung und Catering. Bei den Ausgaben werden Betriebsaufwand sowie Abgaben aus den Ticket-Einnahmen an den FC und die Stadion AG genannt. Zudem sind auch die Szenarien mit einer Zuschauerzahl von 10 000 und 8000 Personen durchgerechnet.

«Projekt auf Sand gebaut»

Kommt das Grounding des Businessplans der damaligen Verantwortlichen überraschend? Wer das Protokoll der entscheidenden Kantonsratssitzung durchblättert, muss dies verneinen. Unter den Rednern gab es mehrere Warner. So hiess es: «Wenn wir den Businessplan näher betrachten, bestehen eigentlich nur Fragezeichen. Das ganze Projekt ist auf Sand gebaut.

» Kritisiert wird auch, dass der Businessplan lediglich «in rudimentärer Form vorliege». Oder dass man geforderte Zahlen nicht bekomme: «Wir haben uns in der vorberatenden Kommission nach dem Businessplan der Stadion Betriebs AG erkundigt. Man wollte uns diese Pläne nicht abgeben, weil sie vertraulich seien und hat uns lediglich ein paar Zahlen daraus genannt.»

Zu diesen Nebengeräuschen kommt, dass die effektiven Beiträge der Stadt deutlich höher waren. Nach Aussagen der städtischen Direktion Bau und Planung beläuft sich der gesamte Beitrag der Stadt an das neue Stadion – inklusive etwa Espenmoos-Abbruch und verkehrlicher Erschliessungsarbeiten des Stadions – auf über zehn Millionen.

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