Fast die Hälfte fällt durch

ST.GALLEN. Minderjährige haben Standbetreiber an der Olma auf den Verkauf von Alkohol getestet. Laut Stiftung Suchthilfe fiel insgesamt ein Drittel durch, auf dem Messegelände sogar fast die Hälfe.

Samuel Koch
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Minderjährige erhalten auf dem Messegelände mehr Alkohol als noch im Vorjahr. (Bild: Ralph Ribi)

Minderjährige erhalten auf dem Messegelände mehr Alkohol als noch im Vorjahr. (Bild: Ralph Ribi)

An der diesjährigen Olma wird nicht nur literweise Alkohol getrunken, sondern auch präventiv für Jugendliche gearbeitet – und das nicht zum ersten Mal. «Seit Jahren machen wir Stichproben hinsichtlich Alkoholausschank im Auftrag der Olma und der Stadt», sagt Jürg Niggli, Geschäftsführer der Stiftung Suchthilfe St.Gallen. «Ohne Ausweis kein Alkohol», heisst dabei die Kernbotschaft.

«Situation gleich vor Ort klären»

So haben sich Jugendliche auf dem Olma-Gelände wie auch auf dem Herbstjahrmarkt unter die Besucher gemischt. Dabei wurden die Standbetreiber auf den Ausschank von Alkohol an Minderjährige getestet. «Das Ziel war, dass sie sich möglichst realitätsnah verhalten», sagt Niggli. Sozialarbeiter beobachteten zeitgleich den Testkauf der geschulten Jugendlichen und informierten umgehend die Standbetreiber. Diese erhalten – ob positiv oder negativ – eine mündliche sowie eine schriftliche Rückmeldung. «Wir wollen die Situation gleich vor Ort klären», sagt Niggli. Entlarvte Betreiber sollen sofort Stellung nehmen können.

«Eine zu hohe Quote»

An zwei Tagen führte die Stiftung Suchthilfe vergangene Woche 24 Stichproben durch. Dabei hielten sich insgesamt acht Verkäufer nicht an die Spielregeln. Auf dem Messegelände der Olma ist die Quote gar noch höher. Dort erhielten fünf von elf Minderjährigen Alkohol. «Das ist sicher eine zu hohe Quote», sagt Niggli. Trotzdem will er die Zahlen relativieren. «Noch im vergangenen Jahr wurde auf dem Messegelände keinem einzigen Minderjährigen Alkohol abgegeben», sagt Niggli. Der Verlauf sei über die Jahre stark schwankend. Viel wichtiger sei allerdings das Gespräch mit den Beteiligten. Dem Fehlverhalten der Standbetreiber könne mit der sofortigen Aufklärung entgegengewirkt werden. Zudem würden sie verwarnt und die Resultate an die Olma-Direktion weitergeleitet.

«Nicht zufriedenstellend»

Bei Katrin Meyerhans von den Olma-Messen sind diese Resultate «nicht zufriedenstellend». Über allfällige Massnahmen, die nun getroffen werden, kann Meyerhans noch nichts sagen. Dennoch hält sie fest: «Wir haben mit der Stiftung Suchthilfe ausnahmslos positive Erfahrungen gemacht.» Zwar habe die Olma-Messeleitung in der Vergangenheit auch schon Verwarnungen ausgesprochen, Wiederholungstäter habe es bisher aber keine gegeben. Für Jürg Niggli und die Stiftung Suchthilfe zielt die Prävention rund um die Olma auf das Gespräch mit den Beteiligten: «Die Akzeptanz für die Testkäufe von Minderjährigen ist bei den Standbetreibern absolut vorhanden.» Zudem sehe er den gegenseitigen Austausch als Coaching-Situation.

Alkoholtestkäufe von Minderjährigen finden nicht nur während der Olma und dem Jahrmarkt statt. «Wir testen beispielsweise auch an der Offa oder am OpenAir St. Gallen», sagt er. Am OpenAir würden sie jedoch nicht selbst durchgeführt.

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