Fasnachtsehren für Bärenmutter

Die 39. Stadtsanktgaller Ehrenfödlebürgerin ist Corinne Bromundt. Die Zeichnerin und Karikaturistin wurde am Samstagabend beim Vadiandenkmal mit einer geballten Konfettiladung «verschossen». Hunderte Schaulustige wohnten dem Fasnachtsspektakel bei.

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Kurz vor dem Verschuss: Malcolm XXVII. Green gibt der neuen Ehrenfödlebürgerin Corinne Bromundt ein fetziges Solo mit auf den Weg in den Föbü-Himmel. (Bilder: Luca Linder)

Kurz vor dem Verschuss: Malcolm XXVII. Green gibt der neuen Ehrenfödlebürgerin Corinne Bromundt ein fetziges Solo mit auf den Weg in den Föbü-Himmel. (Bilder: Luca Linder)

Schon auf dem Weg zum Richtplatz dürften die ersten erraten haben, welche Frau am Samstagabend vor die Konfettikanone musste. Auf dem von Guggen und befrackten Ehrenfödlebürgern begleiteten Wagen winkte ein zottiger Bär ins Publikum. Um ihn herum tanzten Hexen. In ihren Händen aber keine Besen, sondern grosse Farbstifte.

«Frech und mit Biss»

Am neuen Standort vor dem Vadiandenkmal wartete bereits die rauchende und knatternde Kanone. Vor ihr hatten sich Hunderte Schaulustige versammelt, die den Höhepunkt der städtischen Fasnacht nicht verpassen wollten. Jedes Jahr wird ein verdienstvoller Städter per Kanonenschuss in den Kreis der Ehrenfödlebürger (kurz Föbüs) aufgenommen. Den wohl schrägsten St. Galler Ehrentitel erhält aber nur, wer «Födle, Herz und Humor» bewiesen hat.

Zeremonienmeister Michael XXXV. Hüppi verkündete die Anklagepunkte: Die neue Föbine, so das Kürzel für die Trägerinnen des Ehrentitels, habe keine Hemmungen und keinen Respekt vor dem Establishment der Stadt. Mit Biss spiegle sie im «St. Galler Bären» jeden Samstag das Stadtgeschehen und bringe mit ihrem feinen Stift Leserinnen und Leser des Tagblatts zum Schmunzeln.

Über 500 Bären gezeichnet

Die grösste und schönste Hexe auf der Bühne zog daraufhin ihren Hut und verbeugte sich tief. Mit einem grossen Pfeifkonzert begrüsste das Publikum die neue Föbine Corinne Bromundt. Bekannt ist die Karikaturistin und Zeichnerin den meisten als «Bärenmutter»: Seit über zehn Jahren zeichnet sie für den Stadtteil des St. Galler Tagblatts die samstägliche Bären-Karikatur. Im vergangenen Sommer erschien bereits die 500. dieser Zeichnungen. Die gebürtige Rheintalerin gewann 2010 den Swiss Cartoon Award.

Die Föbüs riefen ihre «Karikaturen-Corinne» dazu auf, weiter das «Födle» zu haben, kein Blatt vor den Mund respektive vor den Stift zu nehmen. Um der 39. Ehrentitel-Trägerin auch den letzten Rest von Kleinbürgerlichkeit auszutreiben, wurde sie am Samstagabend mit einer geballten Konfettiladung «verschossen».

Mehr Phantasie und Zauber

Vor der Hinrichtung durfte die Geehrte, so will es die Tradition, drei Wünsche äussern. Die neue Föbine wünschte sich erstens, dass die Konfettikanone vor dem Vadiandenkmal stehenbleibt – «als Waffe gegen die Phantasielosigkeit». Schlecht für die Phantasie sind ihrer Meinung nach auch zu viel Ordnung und Sauberkeit. Die Cartoonistin plädierte deshalb für ein weniger «klinisch sauberes» St. Gallen mit mehr Zauber. Und drittens wünscht sie sich, dass der Esprit des Föbü-Spektakels in die Entscheidungen einfliesst, die das Jahr hindurch gefällt werden.

Nach Probeschüssen ins Publikum zündete die von René Engeler gewartete und von roten Teufeln bediente Konfettikanone einwandfrei: Föbine Corinne XXXIX. Bromundt wurde von einer gelben Konfettiwolke eingehüllt. Auf Lebzeiten trägt sie nun den Titel einer Ehrenfödlebürgerin.

Immer noch ein Männerclub

Mit Bromundt wurde eine Nichtpolitikerin und seit längerem wieder eine Frau in den erlauchten Föbü-Kreis aufgenommen. 13 Jahre ist es her, seit mit Schauspielerin Regine Weingart letztmals eine Frau geehrt wurde. 32 Ehrentitel gingen an Männer, sieben an Frauen. Der Föbü-Kreis ist somit noch immer ein eigentlicher Männerclub. Lea Müller

09.02.13; St. Gallen: Im Bild: Als Teufel verkleidete Helfer bedienen die Konfettikanone. Die St. Galler Fasnacht-Tradition des Foedlebuergerverschusses findet beim Vadian statt. Die Karikaturistin Corinne Bromundt ist seit 13 Jahren die erste Foedlebuergerin. (TAGBLATT/Luca Linder) (Bild: Luca Linder (Luca Linder))

09.02.13; St. Gallen: Im Bild: Als Teufel verkleidete Helfer bedienen die Konfettikanone. Die St. Galler Fasnacht-Tradition des Foedlebuergerverschusses findet beim Vadian statt. Die Karikaturistin Corinne Bromundt ist seit 13 Jahren die erste Foedlebuergerin. (TAGBLATT/Luca Linder) (Bild: Luca Linder (Luca Linder))

09.02.13; St. Gallen: Im Bild: Als Teufel verkleidete Helfer bedienen die Konfettikanone. Die St. Galler Fasnacht-Tradition des Foedlebuergerverschusses findet beim Vadian statt. Die Karikaturistin Corinne Bromundt ist seit 13 Jahren die erste Foedlebuergerin. (TAGBLATT/Luca Linder) (Bild: Luca Linder (Luca Linder))

09.02.13; St. Gallen: Im Bild: Als Teufel verkleidete Helfer bedienen die Konfettikanone. Die St. Galler Fasnacht-Tradition des Foedlebuergerverschusses findet beim Vadian statt. Die Karikaturistin Corinne Bromundt ist seit 13 Jahren die erste Foedlebuergerin. (TAGBLATT/Luca Linder) (Bild: Luca Linder (Luca Linder))

09.02.13; St. Gallen: Im Bild: Ein Probeschuss der Konfettikanone. Die St. Galler Fasnacht-Tradition des Foedlebuergerverschusses findet beim Vadian statt. Die Karikaturistin Corinne Bromundt ist seit 13 Jahren die erste Foedlebuergerin. (TAGBLATT/Luca Linder) (Bild: Luca Linder (Luca Linder))

09.02.13; St. Gallen: Im Bild: Ein Probeschuss der Konfettikanone. Die St. Galler Fasnacht-Tradition des Foedlebuergerverschusses findet beim Vadian statt. Die Karikaturistin Corinne Bromundt ist seit 13 Jahren die erste Foedlebuergerin. (TAGBLATT/Luca Linder) (Bild: Luca Linder (Luca Linder))