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FASNACHT: In Rorschach sind die Schnitzelbänkler noch sehr aktiv

Mit Humor beleben Cliquen die Fasnacht in Rorschach und Goldach seit bald 60 Jahren. Sie traten 1960 erstmals auf, in Rorschacherberg ab 1990. Sie berichteten von Episoden und Skandälchen aus der Region.
Otmar Elsener
Die Rorschacher Cliquen «Ständerlämps» und «Hagediese» sowie die Goldacher «d’Lehrer» (von oben). (Bilder: D-J Stieger (1988/1987))

Die Rorschacher Cliquen «Ständerlämps» und «Hagediese» sowie die Goldacher «d’Lehrer» (von oben). (Bilder: D-J Stieger (1988/1987))

Otmar Elsener

redaktionot@tagblatt.ch

«Oh mia bella, bella Pizzeria, wohne dir gerade vis à via, wiit und breit häsch du de beschti Wii, blibsch no es bitzeli offä, oder gosch grad wieder ii?» Wer sang und lachte nicht schon mit bei den Vorträgen von Fasnachtscliquen, wie bei diesem Lied zur Melodie von «I bin än Italiano», mit dem die «Nörgeler vom Löliplatz» in den 1980er Jahren die ständig wechselnden Pizzarien in Rorschach besangen.

Basel ist die Heimat der Fasnacht-Schnitzelbänkler, aber seit die Rorschacher Werner Meisel, Erwin Maurer und Karl Haaga nach ihrem Auftritt an der Rorschacher Maskenparade 1959 beschlossen, eine Fasnachtsclique nach Basler Art zu gründen, gibt es auch hier witzige gereimte Sprüche. Angeregt dazu wurden Meisel und seine Freunde vom Goldacher Dahinden, der gleichzeitig eine Cliquenfasnacht in Goldach ins Leben rief. Die 1960 mit der allerersten Clique «d’Bräseler vom Löliplatz» belebt...

Bereits zwei Jahre später berichtete Nebelspalter Redaktor Franz Mächler, dass in Rorschach «neue Cliquen wie Pilze aus dem Boden schiessen». Er war selber mit Markus Meier und Hans Tobler Gründer der «Schisssssbrüeder» und schrieb deren witzige Schnitzelbanktexte. Zur dieser Clique gesellten sich im gleichen Jahr die «Blööterlitanten» und die «Güllefilter».

Spitze Zungen mit Geist, Witz und Charme

Aus den Schnitzelbänken jener Zeiten ein Beispiel, in denen der Abstieg des Fussballclubs mehr interessierte als heutige Champions-League Spiele: «Was isch au mit dem Fussballclub, so frogt me do und dai / all Sonntig chunnt dä mit’emene Sack vom Fussballschpiele hai / und trotzdem hät das Wunderteam ä gwüssi Selteheit / als riifi Frucht im Herbscht, wo erscht im Früelig abekeit.»

Man sprach 1963 noch nicht von einem Multikulti-Rorschach, doch die Pointe einer Schnitzelbank der «Schissssbrüder» zielte auf den Anteil der Ausländer in der Stadtbevölkerung: «Das gute Städtchen Rorschach ist ein polyglotter Ort / mit Griechen,Türken, Ungarn und so fort und fort und fort / Ich denke mir von Zeit zu Zeit was Rorschach nötig hat / das ist, wenn es so weitergeht, ein Schweizer Konsulat.» Als Neuling in Rorschach schrieb Albert Egger als Redaktor der Rorschacher Zeitung: «Rorschach hat Fasnächtler, die nicht nur über spitzige Zungen, sondern auch über Geist, Witz und Charme verfügen».

Ihre Auftritte hielten die Cliquen in den ersten Jahren jeweils am Schmutzigen Donnerstag und am Samstagabend ab, in den Lokalen Cafe Jud, Café Schnell, Kornhausstube, Hotel Anker und Hafenbuffet. Die Zuschauer waren damals noch festlich gekleidet, die Damen in eleganten Röcken oder Kostümen, die Herren in dunklen Anzügen und Kravatten. Die Lokale stets vollbesetzt: Niemand wollte die Skandälchen des Jahres verpassen. Neue Cliquen formierten sich: 1970 «Die Putzwiiber vom Chabisplatz» mit ihrem Slogan: «Frau Burri, Frau Schnurri, diä fäged mit Schmiss, sie rätsched nöd alles, hend nume kei Schisss», sowie «Die Nörgeler vom Löliplatz», die Stadttambouren als «Ohrefällchrümmer», später «Die Gassehauer».

Toblers Postleitzahl

Bis 1989 war am Berg jeweils am Fasnachtsmontag im Koblen und am Lumpenball gefestet worden. Nun organisierte der Höfler-Musig-Präsident Peter Hochreutener, assistiert von «Steig» Wirtin Silvia Meerkämper einen ersten Anlass unter dem Motto «Mach mit – mach den ersten Schritt». Am Fasnachtsmontag 1990 zirkulierten die Cliquen «Hasengüsler» (Hasenhus-Bewohner), «Giftsprütze» (Höfler), «Sandbüchel-Zitig», «Tolggechörli» (Männerchor), und «Dä Beamti» in den Gasthäusern Lerche, Sulzberg, Steig und Rebstock und begeisterten mit ihren Schnitzelbänken und Sprüchen. Ein Beispiel der «Hasengüsler» aus jenem Jahr: «Dä Gmeindeamme Tobler seit, es isch e Schand, dass mer do obe nöd emol en eigni Postleitzahl hand. Jo alles hätt er bi de PTT scho probiert, und derbi Chopf und Chrage risgiert. Mir wüssed nöd wieso das Gschrei, d’Nummere 9401 wär doch frei».

Obwohl es Jahre gab, in denen man um mangelndem Nachwuchs für das Fortsetzen der Tradition bangte, formten sich stets neue Cliquen. Ab 1977 traten viele neue Masken auf: Die «Wolketeiler», die «Kornhuus Stacheln», ein «Nachtwächter», der auf seinen Rundgängen alles erspähte, die «Troubadours», «d’Heiweh Rorschacher» und die «Stadtvagabunden». Viele bildeten lange einen festen Bestandteil der Cliquenfasnacht, so die «Maartflöh», die ihr Motto «stäche, kritisiere, stichle, spintisiere» mit Witz und feinem Schalk interpretierten. Die zwei «Grüchtlifischer» angelten für die Zuschauer lustige Begebenheiten aus dem Kleinstadt-Biotop. Die «Schnäbel» mit ihrem mehrstimmigen Gesang halten sich in veränderten Formationen als «Schnabelnur» und «Müllers» bis heute. Das «Kurorchester» spielte Musik, ihr «Nixli» brachte die Sprüche an. Die «Ständerlämps» sind schon dank ihrer Aufmachung unvergesslich; die «Hagediese» Hexen holten sich Stadt- und Gemeinderäte für ihre Spässe auf die Bühne.

Frischer im Gedächtnis sind die Auftritte der «Nais Gais», des «Dream Team» und der «Halsfeger», die anfangs der 1990er Jahre einen neuen Cliquenstil pflegten. Dass sich die Cliquenfasnacht nach Phasen mit wenigen Gruppen auch ins 21. Jahrhundert «rettete», ist das Verdienst von Bea Mauchle vom Verein Netzwerk Rorschach. Es gelang ihr, jedes Jahr wieder Cliquen zu animieren, im vergangenen Jahr so viele wie schon lange nicht mehr. Am 12. Februar beginnt die 58. Cliquenfasnacht.

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