FASNACHT: Guggen trotzen Widerständen

Die «Vereinigten Guggen St.Gallen» standen 2015 vor der Auflösung. Der Dachverband konnte gerettet werden und versucht seither trotz Guggensterben, die Fasnacht in der Stadt wieder attraktiver zu gestalten.

Luca Ghiselli
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Bald machen zahlreiche Guggenmusiken in den St. Galler Gassen und dem Waaghaus wieder Stimmung. (Bild: Urs Bucher)

Bald machen zahlreiche Guggenmusiken in den St. Galler Gassen und dem Waaghaus wieder Stimmung. (Bild: Urs Bucher)

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

Eigentlich hätte es die «Vereinigten Guggen St.Gallen» (VGS) gar nicht mehr geben sollen. Der Vorstand der Dachorganisation der St. Galler Guggen gab an der Hauptversammlung im Sommer 2015 die Auflösung des Verbands bekannt. Das, weil Nachfolgerinnen und Nachfolger für die amtierenden Vorstandsmitglieder fehlten. Auf Initiative der Guggen, welche die Auflösung der seit 1990 bestehenden Dachorganisation nicht einfach hinnehmen wollten, konnte an einer ausserordentlichen Hauptversammlung nach den Sommer­ferien dann doch ein neuer Vorstand präsentiert werden.

Nicht nur Organisator, sondern auch Anlaufstelle

Andreas Jakob, seither Präsident der VGS, ist es wichtig, dass ­ der Dachverband fortbesteht. «Unser Ziel ist es, den Guggen Arbeit abzunehmen», sagt Jakob, der selbst bei den «Adlerbrüeter» aus Mörschwil aktiv ist. Das gehe vom Aufbau der drei Bühnen in der Innenstadt über das Festlegen des Auftrittsplans bis hin zur Koordination mit der Fasnachtsgesellschaft und der Stadtpolizei. Jedes Jahr lädt der Verband ausserdem einige Gastguggen ein. Dieses Jahr kommen Formationen aus dem Tessin, dem Baselbiet und dem Aargau.

Dabei wollen die «Vereinigten Guggen» aber nicht nur als Organisatoren fungieren, sondern auch Anlaufstelle für die Basis sein. Als Dachorganisation sei die VGS auf Feedback aus den Guggen angewiesen. «Lange galt das Vorurteil: Wenn eine Gugge eine gute Spielzeit will, muss sie bei uns Mitglied sein», sagt Jakob. Das sei aber nicht so. Die VGS sei auf aktive Mitglieder ­angewiesen, die sich einbringen und mitgestalten. Zu diesem Zweck hat der Dachverband im Sommer zu einem Zusammenschluss geladen. Rund 30 Interessierte folgten der Einladung. «Dieser Meinungsaustausch hilft uns, die unterschiedlichen Perspektiven der Mitglieder-Guggen besser zu berücksichtigen», sagt Jakob. So sei es zum Beispiel klar, dass eine ältere Gugge wie «Ad Hogg» nicht die gleichen Interessen habe wie eine junge Spasstruppe wie die «Chaosknaller» aus Speicher. Im Grundsatz verfolgten aber alle das gleiche Ziel: die St. Galler Fasnacht wieder attraktiver zu gestalten.

Schon im jungen Alter für die Guggen begeistern

Rund 30 Guggen aus Stadt und Region sind den «Vereinigten Guggen St. Gallen» angeschlossen. Nicht nur der Dachverband kämpfte in der jüngeren Vergangenheit mit Auflösungserscheinungen, auch die einzelnen Guggen haben zunehmend Mühe, genügend Leute zu rekrutieren. «In der Stadt ist das, wie bei vielen Vereinen, ein grösseres Problem als in ländlichen Gemeinden», sagt Jakob. Ein möglicher Ansatz, um dem Guggensterben entgegenzuwirken, ist Kinder bereits im jungen Alter für die Fasnacht zu begeistern. Deshalb suche man auch regelmässig den Austausch mit Schulen. «Ist man schon früh mit dem Fasnacht-­Virus infiziert, steigen die Chancen, später einmal in einer Gugge aktiv zu werden», sagt Jakob. Nicht überall schwinden aber die ­Guggenmitglieder. «Bei uns in ­Mörschwil sind dieses Jahr sogar sechs neue Gugger hinzugekommen», sagt Jakob. Es sei eine Kettenreaktion: Je mehr Guggenmusiker, desto mehr Guggen, desto mehr Zuschauer. Nur so könne die St. Galler Fasnacht auf Dauer attraktiv bleiben.