FASNACHT: Abtwiler schränzen weiter

Die Guggenmusik Abtwiler Schränzer hat sich nach dreissig Jahren aufgelöst. Ganz Schluss soll aber nicht sein. Statt als Verein wollen einige Fasnächtler nun als Gruppe weitermachen.

Perrine Woodtli
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Perrine Woodtli

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@tagblatt.ch

Dreissig Jahre lang haben die Abtwiler Schränzer an der Fasnacht gefestet und musiziert. Nun hat sich der Verein vor rund einem Monat aufgelöst. Der Grund: Für den siebenköpfigen Vorstand konnten nicht genügend Mitglieder gefunden werden. Ganz aufgelöst aber haben sich die Fasnächtler nicht. Die Fasnachtsherzen schlagen weiter. Die Mitglieder wollen neu als Gruppe die Fasnacht unsicher machen.

Laut der ehemaligen Vereinspräsidentin Julia Menet war die Suche nach Vorstandsmitgliedern schon länger ein Problem. «Aber ohne Vorstand geht’s in einem Verein nun mal nicht», sagt sie. Der Entscheid, den Verein aufzulösen, sei dann mehr oder weniger spontan gewesen. «Wir sind nach der diesjährigen Fasnachtssaison wie immer zusammengesessen», sagt Menet. Weil dann klar wurde, dass man die Vorstandsmitglieder nicht zusammenbringen würde, wurde die Auflösung konkret. Dadurch, dass die Idee, den Verein in eine Gruppe umzuwandeln, schon damals bestand, sei der Auflösung klar mehrheitlich zugestimmt worden. «Natürlich war auch Wehmut dabei. Wir hatten schliesslich eine tolle Zeit und auch die letzte Fasnacht war wirklich super», sagt Menet. «Wir hatten tolle Auftritte und wurden auch im Dorf dafür gerühmt.» Dennoch war dieser Schritt unumgänglich.

Kleine Gugge kämpft mit Mitgliederschwund

Ein weiterer Grund für die Auflösung war auch der Mitgliederschwund. «In den vergangenen Jahren gab es einen Abwärtstrend und zuletzt waren wir nicht mal mehr 20 Leute», sagt Menet. «Und teilweise kamen nicht mal mehr diese Leute alle an die Anlässe, womit mir jeweils noch weniger waren.» Vor allem an jungen Personen habe es gefehlt. «Für viele Jugendliche oder für jene Anfang 20 war die Guggenmusik nicht sonderlich attraktiv.» Gerade die jüngere Generation trete einer Guggenmusik bei wegen der Feste. Bei einem Verein, der vor allem viele ältere Mitglieder hat, sei das dann aber oft nicht der Fall. «An den grossen Fasnachtsanlässen konnten wir wegen unserer Grösse zudem gar nicht auftreten. Und genau an diesen Veranstaltungen ist halt jeweils richtig was los», sagt Julia Menet.

Je kleiner der Verein sei, desto schwieriger sei es zudem, jemanden zu ersetzen, der fehlt. Und das mit dem Fehlen sei so eine Sache. «Ich habe das Gefühl, dass sich die Leute heute immer weniger binden und verpflichten wollen», sagt Menet. «Das ist dann natürlich schwierig, wenn immer wieder jemand bei Proben und Auftritten fehlt.»

Mit neuen Strukturen neue Mitglieder finden

Als Gruppe soll nun alles einfacher und unverbindlicher werden. Anders als ein Verein ist die Gruppe nicht an bestimmte Statuten gebunden. Laut Menet will man mit der Gruppe und deren neuen Strukturen versuchen, neue Mitglieder zu finden. Aufgrund der Grösse der Gruppe würde auch das Programm kürzer werden. «Der Aufwand wäre während der Hauptfasnachtszeit somit nicht so zeitintensiv. Das spricht einige Leute vielleicht mehr an», sagt Menet. Sie selbst wird in der neuen Konstruktion nicht mehr dabei sein.

Ansonsten seien aber die meisten Vereinsmitglieder mit an Bord. Wie genau diese Gruppe und deren Programm aussehen soll und ob sie sich weiterhin die Abtwiler Schränzer nennt, ist laut Menet noch unklar. Geleitet wird die Fasnachtsgruppe wie bereits vorher von der Oberguggerin Stefanie Dörig. Sie war für eine Auskunft jedoch nicht erreichbar.

Das Jahr der Vereinsauflösung ist auch das 30-Jahr-Jubiläum der Abtwiler Schränzer. Weil man nicht gewusst habe, wie es um den Verein steht, habe man bewusst noch mit einem Fest gewartet, sagt Menet. Sie könne sich aber vorstellen, dass man trotzdem noch dieses Jahr ein kleines Fest veranstalten werde. «So können wir einerseits das ­Jubiläum doch noch feiern», sagt Menet. «Andererseits könnte sich dann gleich die neue Fasnachtsgruppe vorstellen und so für neue Mitglieder werben.» Denn neue Mitglieder braucht es nicht bloss in einem Verein.