Fans und Clubs sollen zahlen

Die SBB wollen Fussballclubs für demolierte Extrazüge zur Kasse bitten und Fans mit Stadionverbot nicht mehr befördern. Die Betriebs AG AFG Arena erhöht die Preise für Stehplätze wegen der gestiegenen Sicherheitskosten.

René Rödiger
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ST. GALLEN. Die Betriebs AG AFG Arena und die SBB berufen sich auf das Verursacherprinzip. «Wir hatten grosse Investitionen in die Infrastruktur in den Stehplatzsektoren», sagt Samuel Fitzi, Mediensprecher der Betriebs AG. Weiter gab es hohe Ausgaben im Sicherheitsbereich durch Personalkosten und Bussen. Die Preise im Heim- und Gästesektor werden um sechs Franken erhöht.

«Angemessener Preis»

Als Strafe will Fitzi die Massnahme nicht sehen: «360 Franken für 18 Spiele ist noch immer ein angemessener Preis.»

Die Mehreinnahmen durch die höheren Ticketpreise gehen vorerst in die Kassen der Betriebs AG. Die Abgaben an den FC St. Gallen sind vertraglich geregelt. «Überschüsse werden jedoch an den Club weitergegeben», sagt Fitzi.

Fussballvereine schweigen

Auch die SBB wollen mehr Geld sehen. In der vergangenen Saison verursachten Chaoten in den Fanzügen Kosten von rund drei Millionen Franken. «Nicht eingerechnet sind die Folgekosten durch Verspätungen oder Zugsausfälle», sagt Reto Kormann, Mediensprecher der SBB. Kormann wünscht sich, dass die Fussballvereine einen Teil dieser Kosten übernehmen.

Der Schweizerische Fussballverband wollte sich nicht zu diesem Anliegen äussern. Ebenfalls verschwiegen gibt sich Michael Hüppi, der Präsident des FC St. Gallen: «Diese Forderung müssen wir erst intern besprechen. Aber wenn es nach dem Verursacherprinzip gehen sollte, dann müssten die SBB das Geld von den Fans zurückfordern, da der Club mit den SBB keinen Transportvertrag hat.»

Politik gefordert

Kormann fordert Massnahmen von der Politik: «Wir wollen von der Transportpflicht befreit werden, damit wir zum Beispiel Leute mit Stadionverbot nicht mehr befördern müssen.»

Andererseits hebt der SBB-Mediensprecher hervor, dass die grosse Mehrheit der Fans ganz normal in den Zügen mitfahre und es im weiteren noch nie Übergriffe von Seiten der Fans auf das Zugpersonal gegeben habe.

Warten, umherirren, sich orientieren: Für zwei Stunden erlebte der St. Galler Hauptbahnhof gestern den Ausnahmezustand. (Bilder: Ralph Ribi, Urs Bucher, Michel Canonica)

Warten, umherirren, sich orientieren: Für zwei Stunden erlebte der St. Galler Hauptbahnhof gestern den Ausnahmezustand. (Bilder: Ralph Ribi, Urs Bucher, Michel Canonica)