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FAN-PROTESTE: «Es brodelt in der Fankurve»

ST.GALLEN. Protestierende St. Galler Fussballfans: Der Fan-Dachverband beklagt Übergriffe und fehlendes Mitspracherecht, die Polizei spricht von «ruhiger Routinekontrolle». Gestern trafen sich alle Parteien zur Aussprache – und heute kommt GC.
Marcel Elsener
Fankurve mit Espenblock: Hier heizt der harte Kern der Fans die Stimmung an – auch für die «Normalos» und «Pläuschler» in den übrigen Sektoren. (Bild: Urs Bucher)

Fankurve mit Espenblock: Hier heizt der harte Kern der Fans die Stimmung an – auch für die «Normalos» und «Pläuschler» in den übrigen Sektoren. (Bild: Urs Bucher)

Wenn heute abend – drei Tage nach dem FCZ – GC zum Heimspiel in der AFG Arena erwartet wird, ist das aufregend genug. Er kämpfe mit der Mannschaft lieber gegen «Verräter Calla» und «Oberfouler Smiljanic» als gegen die Polizei, meinte gestern ein FCSG-Fan: «Politik können wir später wieder machen.»

Die Aussage dürfte für die grosse Mehrheit der aktiven Fanszene gelten, auch wenn gestern Gerüchte von einem Spielboykott die Runde machten.

Es gelte, «kein Öl mehr ins Feuer zu giessen», sagte der Fanverantwortliche Urs Baumgartner, bevor er sich zu einem Treffen von Vertretern von Fans, Polizei und Verein am Abend in St. Gallen aufmachte. Zwar seien die Gespräche «nie abgebrochen», doch nun habe man nicht bis November warten können.

Aufgebrachter Espenblock

Die Fans fühlen sich erhört: Die kurzfristig angesetzten Gespräche zeigten, «dass die Protestaktion wahrgenommen wurde», schreibt der Dachverband 1879 in einem Communiqué zum Sitzstreik.

Er werde seinen «Weg der integrativen Fanarbeit weiterführen», jedoch sich jederzeit gegen die Verunglimpfung der aktiven Szene wehren: «Generell werden momentan von Medien, Politik, Polizei und den Vereinen Fussballfans wie Verbrecher behandelt.»

Kein Wunder, «brodelt es seit einiger Zeit in der Fankurve», wie der Dachverband meint.

Fragen zum Thema Sicherheit würden dort «schon länger diskutiert, obwohl Entscheide ohne jegliche Mitsprache der Fans gefällt werden». Im Vorfeld des FCZ-Spiels sei einiges passiert: «Gruppierungen wurden auf dem Weg zum Stadion kontrolliert und Personalien ohne ersichtlichen Grund aufgenommen. Der Verein wollte der Fankurve verbieten, ihre Meinung kundzutun. Die Unschuldsvermutung wurde umgekehrt und gilt bei Fussballfans grundsätzlich nicht. Der Einbau von Stehplätzen wurde von Verein und Politik als Druckmittel missbraucht.

Ein Nichtabsitzen im Stadion reichte als Grund für einen unverhältnismässigen Delta-Einsatz.» Letzteres betrifft den Wiler Sektor beim Cupspiel in der AFG Arena.

Mit diesem Hintergrund erklärt der Fanverband die Reaktion auf die Kontrolle im Vereinslokal «A.S. San Gallo». Das «massive Polizeiaufgebot» gegen acht Personen, wovon drei Frauen, habe im Espenblock die Fragen gehäuft zur Notwendigkeit und Verhältnismässigkeit des Einsatzes.

«Klares Zeichen setzen»

Und zur rechtlichen Situation: «Ist das Aufnehmen von Personalien in dieser Form erlaubt? Wofür werden diese Informationen verwendet? Gibt es eine Systematik bei der Kontrolle gewisser Fangruppen?» Folglich habe sich die Szene entschieden, «ein klares Zeichen zu setzen» und das Stadion zu verlassen, entgegen ihrer Leidenschaft, die Mannschaft an allen Spielen zu unterstützen.

«Die Fanszene legte es – im Gegensatz zur Polizei – zu keiner Zeit auf eine Eskalation an», heisst es.

Seitens der Polizei bemühte sich gestern Pius Valier, Kommandant der Stadtpolizei, um Klärung. In Absprache mit Stadtrat und Polizeidirektor Nino Cozzio bestätigte Valier, dass die Kontrolle im Rayongebiet «aufgrund von Hinweisen von Drittpersonen der Verdacht, dass sich dort Leute mit Rayonverbot aufhalten könnten», durchgeführt wurde – im Rahmen des Ordnungsdienstes und der entsprechenden Ausrüstung.

«Ruhig und verhältnismässig»

«Die Personenkontrolle erfolgte absolut ruhig und verhältnismässig», schreibt Valier: «Es wurde nicht in das Gebäude eingedrungen, sondern um Einlass gebeten, was auch gewährt wurde. Die kontrollierten Leute verhielten sich jederzeit kooperativ.»

Und weiter: «Es handelte sich um eine Routinekontrolle. Dabei werden auch die Personalien erhoben. Wenn keine strafbaren Tatbestände vorliegen, werden diese anschliessend vernichtet.»

Solche Kontrollen gehörten zur Aufgabe der Polizei, im Umfeld von Fussballspielen für Sicherheit und Ordnung und die Durchsetzung der Rechtsgrundlagen zu sorgen: «Dazu gehört insbesondere die Einhaltung des Rayon- und Stadionverbots durchzusetzen» – mit Personenkontrollen.

Den Vorwurf, die Unschuldsvermutung gelte bei Fussballfans nicht, weist der Polizeichef als «völlig abstrus» zurück. «Wir sind jederzeit zu Gesprächen mit friedfertigen Fans bereit», heisst es schliesslich.

Deshalb habe man auch zur Aussprache eingeladen.

Nichts verlauten lassen hat bislang der FCSG-Verwaltungsrat, der die Fans zuletzt mit dem Verbot von Solidaritäts-Spruchbändern für Ausgesperrte und der Androhung verärgerte, im Falle weiterer Pyro-Aktionen alle Stehplätze aufzuheben.

Dachverband-Stellungnahme im Wortlaut und weitere Artikel im Themendossier auf www.tagblatt.ch

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