Familiengärtner sind bedroht

ST.GALLEN. Auf dem Gebiet des Familiengartens Grossacker sollen Parkplätze für das Kinderspital entstehen. Auch die Zukunft anderer Gartenareale ist ungewiss. Die Familiengärtner befürchten, an den Stadtrand verdrängt zu werden.

Nina Rudnicki
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Der Familiengarten Grossacker soll einem Parkplatz für das Kinderspital weichen und an den Stadtrand verlegt werden. (Bild: Ralph Ribi)

Der Familiengarten Grossacker soll einem Parkplatz für das Kinderspital weichen und an den Stadtrand verlegt werden. (Bild: Ralph Ribi)

Wie kleine Ruheoasen ziehen sich 18 Familiengärten quer durch die ganze Stadt. Doch zunehmend geraten die Gartenareale in Bedrängnis. Aktuellstes Beispiel ist der Familiengarten Grossacker, der 100 neuen Parkplätzen des Kinderspitals weichen soll. Gestern beriet sich eine Arbeitsgruppe von Vertretern aus dem städtischen Planungsamt, dem Gartenbauamt, dem Liegenschaftenamt und der städtischen Familiengärtnervereine, wo für die Grossacker Familiengärtner ein Ersatzareal gefunden werden soll.

Angst vor Vereinsende

Viel Hoffnung, im Grossacker bleiben zu können, sieht Niklaus Lötscher, Präsident des Zentralverbandes der Familiengärtner-Vereine SG, nicht. «Rechtlich besteht da keine Hoffnung», sagt er. Denn der Familiengarten Grossacker liegt in einer Zone für öffentliche Bauten und Anlagen und ist damit als Baulandreserve vorgesehen. Zudem gelten die Pachtverträge in Zonen für öffentliche Bauten und Anlagen für Familiengärten immer nur während eines Jahres. «Im Prinzip muss man immer damit rechnen, dass einem gekündigt wird», sagt Lötscher. Die Familiengärtner sollen nun ein Ausweichareal im Osten St. Gallens bekommen. Wo genau sich dieses befindet, will weder Lötscher noch die Stadt verraten, da man sich noch in den Verhandlungen befinde. «Fakt ist, dass wohl die meisten der älteren Mitglieder den Umzug nicht mitmachen werden, da die Distanz zum Quartier schlicht zu weit ist», sagt Lötscher. Dieser Verlust an Mitgliedern könne durchaus auch das Ende des Vereins bedeuten.

«Eine emotionale Sache»

Doch wieso müssen die Familiengärten überhaupt aus den Zentren verdrängt werden? «Es war schon immer so, dass Familiengärten eher am Rande einer Stadt liegen», sagt Dirk Ruggaber vom Stadtplanungsamt. Wächst die Bevölkerung in einer Stadt, müsse verdichtet gebaut werden. Das betreffe dann eben auch jene Familiengärten, die als Baulandreserven gedacht seien. «Für die Familiengärtner ist das meist eine emotionale Sache», sagt er. Die Gartenareale gebe es meist schon so lange, dass sie historisch mit einem Quartier verwurzelt seien. «Auch wenn wir den Familiengärtnern ein Ersatzareal anbieten, werden wir deren Bedürfnissen nur selten gerecht», sagt er.

Zukunft ungewiss

Von den Bauprojekten bedroht sind all jene Familiengärten, die wie das Areal im Grossacker in einer Zonen für öffentliche Bauten und Anlagen liegen. Der Familiengarten Wienerberg in Rotmonten etwa gehört dem Kanton. «Die Befürchtung ist also naheliegend, dass das Gebiet einmal für einen Neubau der Universität genutzt wird», sagt Lötscher. Auch wie die Zukunft des Schrebergartens Blumenwies aussehe, sei offen. Je nachdem, ob das städtische Bäderkonzept einen Ausbau des Hallenbades vorsehe. Wenn der Tunnel der Appenzeller Bahnen in der Ruckhalde gebaut werde, müssen auch diese Familiengärten weichen. In St. Georgen diskutieren die Gärtner mit den Schützen über eine geplante Überbauung mit unterirdischem Schiesskanal.

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