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Familie Robin Hood

Bürkles haben eine gemeinsame Leidenschaft: Das Bogenschiessen. Sie sind nicht nur begeistert, sondern auch erfolgreich. Erst kürzlich wurden die Söhne wieder Schweizer Meister. Manchmal schockieren sie auch Spaziergänger.
Corinne Allenspach
Manuela, Jan, Lars und Jürg Bürkle: «Ein Leben ohne Bogenschiessen können wir uns kaum vorstellen.» Im Visier ein Rehböckli aus Kunststoff. (Bild: Hanspeter Schiess)

Manuela, Jan, Lars und Jürg Bürkle: «Ein Leben ohne Bogenschiessen können wir uns kaum vorstellen.» Im Visier ein Rehböckli aus Kunststoff. (Bild: Hanspeter Schiess)

MÖRSCHWIL. Wenn Winnetou mit seinen wehenden schwarzen Haaren durch die Prärie ritt und einem Abenteuer nach dem anderen trotzte, war Klein-Manuela jeweils ganz happy. «Ich war so Karl-May-Fan», sagt die heute 42-Jährige. «Und ich wollte immer einen Indianerhäuptling heiraten.» Nun, ein waschechter Indianerhäuptling ist der gebürtige Goldacher Jürg Bürkle, den sie 1991 kennengelernt hat, zwar nicht. Aber bereits als Kind hatte der heute 47jährige technische Modellbauer eine grosse Leidenschaft: «Indianerlis» spielen mit Pfeil und Bogen – wie in den Winnetou-Büchern.

Pfeile über 200 km/h schnell

Inzwischen sind nicht nur die Eltern, sondern auch beide Söhne längst begeisterte Bogenschützen und Mitglied bei den Ostschweizer Bogenschützen St. Gallen (OBSG) im Gründenmoos – und Manuela Bürkle ist immer noch happy. Denn Bogenschiessen ist für sie «der schönste Familiensport, den es gibt». «Man erlebt viel zusammen, ist in der Natur und kämpft nicht gegeneinander, weil jeder in seiner Kategorie antritt.» Zudem seien Bogenschützen «ein total friedliches <Völkli>». Trotzdem kennt die Mörschwilerin kaum andere Bogenschützen-Familien, und auch als Frau gehört sie zur Minderheit. Für sie als Handarbeitslehrerin und Bewegungsmensch war aber immer klar: «Ich wollte nie ein Mami sein, das den Männern an Turnieren nur den Zmittag nachträgt.»

Und an Turnieren – manchmal über mehrere Tage – sind Bürkles häufig. Dieses Jahr bereits neunmal. Während in der Halle auf Zielscheiben geschossen wird, sind es im Freien meist Kunststofftiere. Für das sogenannte 3D-Schiessen werden auf einem Parcours 28 Tiere aufgestellt, vom Bison übers Krokodil bis zum Waldkauz. Diese gilt es aus bis zu 54 Metern Distanz zu treffen.

Jürg Bürkle startet den Laptop auf. Er führt Buch über jedes Turnier und jeden Rang. «Okay, sich den Rang zu merken, ist nicht so schwierig», sagt Sohn Lars und grinst. Sein Vater knufft ihn in die Seite: «Er meint, er sei sowieso der Beste.» Womit der 16jährige Polymechaniker-Lehrling gar nicht so Unrecht hat. Bereits als Drittklässler nahm er an seiner ersten WM teil und vor zwei Wochen wurde er Schweizer Meister bei den Erwachsenen. Obwohl er noch bei den Junioren antreten könnte. Dort gewann dafür sein 14jähriger Bruder Jan – bereits zum sechstenmal. Und auch die Eltern konnten seit 1993 verschiedene Meistertitel feiern. Kein Wunder also, ist ihr Haus voll von Pokalen und Medaillen.

Jan schiesst als einziger der Familie mit einem «Robin-Hood»-Langbogen und Holzpfeilen. Lars mit Compound-Bogen, einem High-Tech-Gerät mit Kraftübersetzung und Carbon-Pfeilen, die bis zu 50 Franken kosten und 400 Meter weit fliegen. Die Eltern mit Recurve-Bögen, deren Pfeile Geschwindigkeiten von über 200 km/h erreichen.

Kunststoffluchs angepirscht

Dass Bürkles im Mörschwiler Weiler Enggwil wohnen, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, ist kein Zufall. «Wir haben das Haus nach unserem Hobby ausgesucht», sagt der Vater augenzwinkernd. Die Lage am Waldrand, umgeben von grossen Wiesen, ist tatsächlich ideal zum Trainieren. Trainiert wird jeweils, «wenn wir Lust haben», wie Jan sagt. Und das haben Bürkles mindestens dreimal die Woche. Dann wühlen sie in ihrer Kiste voller Kunststofftiere und plazieren Kauz, Falke, Wildschwein, Rehböckli oder Luchs in der Landschaft. Wobei ihnen die Aufmerksamkeit von Spaziergängern sicher ist, die nicht selten schockiert sagen: «Schau, die schiessen ein Reh.» Einmal, da vergassen Bürkles, den Luchs wegzuräumen. Bis sie bemerkten, wie jemand das Tier fasziniert anpirschte. Um schliesslich enttäuscht von dannen zu ziehen, als er den Irrtum bemerkte.

«Jagd heisst nicht nur schiessen»

Langsam wird's dunkel und Zeit, die Leuchtpfeile aus dem Köcher zu holen. Pfeile fliegen zu lassen, das ist für Jürg Bürkle etwas «unheimlich Schönes». «Mit dieser Kraft, mit der er wegschiesst, ohne Lärm, das ist ruhiges und schönes Schiessen.» Jürg Bürkle mag es aber auch laut. Seit sieben Jahren ist er eifriger Jäger im Gebiet Eggersriet. Mit dabei als Treiber sind auch Jan und Lars, die später ebenfalls Jäger werden wollen. Für die Mutter kein Problem. «Jürg hat grosse Ehrfurcht vor der Natur und er hat Tiere sehr gerne. Er ist kein Trophäenjäger, darum kann ich das gut vertreten.» Und Jürg Bürkle, der auch in der Jägerausbildung tätig und Mitglied im Verein Hubertus ist, ergänzt: «Es schaut mich niemand komisch an. Die Jagd hat heute bei vielen Leuten eine hohe Akzeptanz.» Denn Jagd sei ja nicht nur, verletzte und überzählige Tiere zu schiessen, sondern beispielsweise auch Rehkitze zu retten, bevor die Bauern mit Heuen beginnen.

Und welche Pläne haben Bürkles für die Zukunft? Da müssen sie nicht lange überlegen. Ziel ist es, 2015 an der Bogenschützen-WM in Ungarn teilzunehmen. Und von dort wieder einige neue Pokale und Medaillen nach Mörschwil zu bringen.

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