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FAKTEN ZUR ABSTIMMUNG: Arznei gegen den Ärztemangel: Was Sie über den Joint Medical Master im Kanton St.Gallen wissen müssen

In St.Gallen sollen angehende Mediziner in Zukunft ihr Masterstudium absolvieren können – falls das Volk am 10. Juni an der Urne zustimmt. Die wichtigsten Zahlen und Fakten zum neuen Ausbildungsgang, zusammengestellt von Regula Weik und Adrian Vögele.
Im Kanton St.Gallen fehlt es an Hausärzten - dem könnte der neue Ausbildungsgang entgegenwirken. (Bild: CHRISTIAN BEUTLER (KEYSTONE))

Im Kanton St.Gallen fehlt es an Hausärzten - dem könnte der neue Ausbildungsgang entgegenwirken. (Bild: CHRISTIAN BEUTLER (KEYSTONE))

Es fehlt an Hausärzten

Der neue Master-Studiengang soll helfen, die medizinische Grundversorgung sicherzustellen. Dies tut not. Die Hälfte der Hausärzte im Kanton St.Gallen ist heute über 55 Jahre alt. In einzelnen Regionen sind es weit mehr, so im Sarganserland (67 Prozent) oder in Rorschach (60 Prozent). Ein Grossteil der Hausärzte hat Mühe, eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für ihre Praxis zu finden.

Ob der neue Ausbildungsgang gegen den Mangel hilft, wird sich zeigen. Eine Umfrage unter St.Galler Medizinstudierenden ergab: 37 Prozent wollen nach dem Studium in der Grundversorgung tätig sein; das sind deutlich mehr als in anderen Regionen. Schweizweit favorisiert nur jeder zehnte Medizinstudent die Arbeit in der Grundversorgung.

40 Ausbildungsplätze

Die ersten St.Galler Ärztinnen und Ärzte werden ihre Ausbildung im Sommer 2023 abschliessen. Sie haben vergangenen Herbst ihr Bachelorstudium an der Universität Zürich aufgenommen und werden 2020 für das Masterstudium nach St.Gallen wechseln. St.Gallen bietet 40 Ausbildungsplätze an. Der Andrang ist gross: 86 Maturandinnen und Maturanden haben sich dafür interessiert.

Der neue Studiengang verknüpft Wissen aus den Bereichen Medizin, Pflege und Management. Die medizinische Grundversorgung ist einer der besonderen Schwerpunkte des St.Galler Medizinmasters.


Mit im Boot: Die Universität St.Gallen (HSG). (Bild: Ralph Ribi)

Mit im Boot: Die Universität St.Gallen (HSG). (Bild: Ralph Ribi)

Institute vernetzen sich

Die neue Ausbildung ist in ein regionales Ostschweizer Medizin-Netzwerk eingebettet. Diesem gehören neben der Universität St.Gallen, der medizinischen Fakultät der Universität Zürich und dem Kantonsspital St.Gallen auch das Ostschweizer Kinderspital sowie weitere Spitäler in der Region wie auch die Fachhochschule St.Gallen mit ihrem Institut für Pflegewissenschaften an. Ausserdem wird der St.Galler Medizinmaster Teil des nationalen Bildungsnetzwerks Humanmedizin der Universität Zürich.

2,1 Millionen Franken mehr

Das Medizinstudium in St.Gallen kostet ab 2024 – also nach Abschluss der Aufbauphase – 7,4 Millionen Franken pro Jahr. Allerdings geht nicht der gesamte Betrag zu Lasten des Kantons; er erhält für Studierende aus anderen Kantonen, die ihr Hauptstudium in St.Gallen absolvieren, jährliche Beiträge von 1,6 Millionen Franken. Der Staatsbeitrag beläuft sich somit ab 2024 auf jährlich 5,8 Millionen Franken.

Effektiv entstehen dem Kanton durch die eigene Ärzteausbildung «nur» zusätzliche Kosten von 2,1 Millionen Franken pro Jahr. Heute bezahlt der Kanton auswärtigen Universitäten für die Ausbildung von St.Gallerinnen und St.Gallern zur Ärztin oder zum Arzt 3,7 Millionen Franken pro Jahr; dieser Betrag entfällt mit dem eigenen Ausbildungsangebot.


44 Prozent sind Ausländer

In der Ostschweiz sind überdurchschnittlich viele Ärztinnen und Ärzte mit einem ausländischen Diplom tätig. Ihr Anteil beträgt 44 Prozent – damit belegt die Ostschweiz im landesweiten Vergleich einen Spitzenplatz. Streitig macht ihr diesen einzig das Tessin. In beiden Regionen gibt es bis heute keine Ausbildungsmöglichkeiten für angehende Mediziner. Die Rekrutierung von Ärzten aus dem Ausland war lange Zeit relativ einfach. Heute ist dies schwieriger, da die Nachbarländer die Arbeitsbedingungen und Einkommen für Ärzte verbessert haben.

Der Bund zahlt mit

Der Bund will die Zahl der Master-Abschlüsse in Humanmedizin bis ins Jahr 2025 von heute knapp 900 auf über 1300 steigern. Als Anschubfinanzierung für zusätzliche Ausbildungsplätze hat er 100 Millionen Franken parat gestellt. Davon profitiert auch St.Gallen. 7,7 Millionen Franken fliessen von Bern in die Ostschweiz; so versprach es der Bund Ende 2016. In der St.Galler Staatskasse verbleibt allerdings deutlich weniger Geld. So muss der Kanton allein zwei Fünftel des Betrags der Universität Zürich rückvergüten – für die Ausbildung der späteren St.Galler Studenten bis zum Bachelor.

In der Abstimmungsbotschaft ist die Rede davon, dass sich der Bund von 2017 bis 2020 mit insgesamt 3,6 Millionen Franken an den Aufbaukosten beteilige. Bereits ausbezahlt sind 445'000 Franken; schickt das Stimmvolk die Vorlage an der Urne bachab, muss der Kanton diesen Betrag dem Bund zurückzahlen.


Auch die Universität Zürich macht mit. (Bild: Keystone)

Auch die Universität Zürich macht mit. (Bild: Keystone)

Zürich als Partner

St.Gallen ist nicht der einzige Kanton, der neu einen Master-Studiengang für Ärzte anbietet. Auch Luzern und das Tessin tun es künftig. Die Bezeichnung «Joint Medical Master» verrät es: Die Universitäten St.Gallen und Zürich haben dafür eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen. Das ganze sechsjährige Studium in Humanmedizin – Bachelor und Master – kann heute an den Universitäten Zürich, Bern, Basel, Lausanne und Genf absolviert werden. Den Aufbau eines eigenen Vollstudiums mit einer selbstständigen medizinischen Fakultät hat die St.Galler Regierung verworfen – aus Kostengründen.


Parteien sind dafür

Das Kantonsparlament steht hinter der Vorlage; es hat sie in zwei Sessionen beraten und schliesslich im Februar mit 114:0 Stimmen bei 6 Abwesenheiten gutgeheissen. Auch die St.Galler Parteien stehen geschlossen hinter dem neuen medizinischen Master-Studiengang. Damit werde eine Lücke im Ostschweizer Bildungsangebot geschlossen, beteuern SVP, FDP, CVP, SP, Grüne, Grünliberale und EVP. Auch die Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell und der kantonale Gewerbeverband St.Gallen haben einstimmig die Ja-Parole beschlossen.


Drei neue Lehrstühle

Für den neuen Master-Studiengang wird an der Universität St.Gallen eine «School of Medicine» aufgebaut. Diese koordiniert unter anderem das Lehrangebot, vergibt Lehraufträge, organisiert Lern- und Arbeitsräume und betreut die Studierenden. Es sind drei neue Lehrstühle vorgesehen, zwei mit medizinischem und einer mit ökonomischem Fokus. Die beiden Medizinlehrstühle richtet die Universität Zürich in Absprache mit den Ostschweizer Partnern ein, die Lehrstuhlinhaber arbeiten in St.Gallen und werden vom Kanton St.Gallen finanziert.

Zudem schafft die HSG einen Lehrstuhl im Bereich Management und Governance. Abgesehen von den Professuren und der Geschäftsstelle ist an der «School of Medicine» kein eigenes, festangestelltes Personal vorgesehen.

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