FAIRER HANDEL: Einkaufen im Hofladen in Indien

Mit dem «Crowd Container» kauft die St. Gallerin Sonja Bloch bei indischen Bauernfamilien ein. Damit das Projekt gelingt, müssen genug Personen eine Bestellung aufgeben, um einen Schiffscontainer zu füllen.

Nina Rudnicki
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Cashew-Nüsse aus Kerala: Unreif am Strauch (links), unreif an der grünen Frucht (rechts oben) und dann bei der Verarbeitung durch geschickte Frauenhände nach der Ernte (rechts unten). (Bilder: PD)

Cashew-Nüsse aus Kerala: Unreif am Strauch (links), unreif an der grünen Frucht (rechts oben) und dann bei der Verarbeitung durch geschickte Frauenhände nach der Ernte (rechts unten). (Bilder: PD)

Nina Rudnicki

stadtredaktion@tagblatt.ch

Im südindischen Bundesstaat Kerala ist gerade Cashew-Ernte: Die apfelförmigen Früchte fallen von den Bäumen, Bäuerinnen und Bauern trennen die ausserhalb der Früchte wachsenden Kerne schnellstmöglich ab. Anschliessend erhitzen sie die Nüsse im Wasserdampf, bis sich die ungeniessbare Flüssigkeit in der Schale verfestigt hat. Nun lassen sich die Cashew-Nüsse schälen und sind essbereit.

Direktimport zu fairen Preisen

Einen Teil ihrer Ernte können die indischen Bäuerinnen und Bauern dank der St. Gallerin Sonja Bloch und des Zürchers Tobias Joos neuerdings direkt und zu fairen Preisen an Konsumentinnen und Konsumenten in die Schweiz liefern. Vor eineinhalb Jahren hat Joos das Projekt «Crowd Container» gestartet. Die beiden kaufen derzeit abwechselnd bei indischen und sizilianischen Bauernfamilien ein. Diese organisieren sich in der Kooperative Fair Trade Alliance Kerala und in den sizilianischen Kooperativen Valdibella und L’Arcolaio. Für ihre Bio-Produkte bekommen die Bauern von Bloch und Joos das Zwei- bis Dreifache des durchschnittlichen Weltmarktpreises.

Nebst Cashew-Nüssen beziehen die beiden aus Indien noch Reis, Gewürze, Kokosöl und Kaffee. Aus diesen Lebensmitteln stellen sie Pakete im Wert von rund 150 Franken zusammen und füllen einen Schiffscontainer. Kommt die Ware schliesslich in der Schweiz an, gibt es ein Ankunftsfest mit Musik, Speis und Trank. Dort können alle, die im Vorfeld auf der Crowdfunding-Website www.wemakeit.ch eine Bestellung aufgegeben haben, ihr Paket abholen. In Zürich hat es bereits zwei solche Feste gegeben, nun expandiert das Start-up nach St. Gallen. Es gibt allerdings eine Voraussetzung dafür, dass die Aktion im September wieder zu Stande kommt: Mindestens 400 Personen aus der ganzen Schweiz müssen bis zum 8. Juni Lebensmittelpakete bestellen. Vom Kauf zurücktreten kann man nicht. «Damit schaffen wir Sicherheit in der ganzen Wertschöpfungskette und verhindern die Spekulation mit diesen Agarprodukten», sagt Sonja Bloch.

In St. Gallen sieht die 33-Jährige für den «Crowd Container» grosses Absatzpotenzial. Nur schon der gut besuchte Ökomarkt zeige, dass hier eine Nachfrage nach authentischen Produkten und Lebensmitteln bestehe. «Die Stadt St. Gallen wird diesbezüglich oft unterschätzt», sagt Sonja Bloch, die aus dem Bereich Online-Marketing kommt. Tobias Joos hat in der Lebensmittelbranche im Import gearbeitet und lebte während eines Jahres in Kerala. Dort hatte er dann auch die Idee, mit dem «Crowd Container» ein eigenes Start-up zu gründen.

Sonja Bloch ist ebenfalls viel gereist. Dabei wuchs ihr Interesse an nachhaltig produzierten Lebensmitteln und an den verschiedenen Esskulturen. Einmal ass sie in Bali am Strand frisch gepflückte, sonnengereifte Bananen. «Die schmeckten so gut, dass ich es kaum glauben konnte. Bis zu diesem Moment wusste ich gar nicht, dass Bananen so aromatisch sein können», sagt sie.

So ursprünglich im Geschmack wie nur möglich

All jene St. Gallerinnen und St. Galler, die jetzt ein Lebensmittelpaket bestellten, sollten dieses Gefühl auch erleben können, findet Sonja Bloch. Zwar lassen sich keinen sonnengereiften Früchte übers Meer transportieren. Die Gewürze aus Kerala beispielsweise sind aber so ursprünglich im Geschmack wie nur möglich. «Da wir direkt importieren, werden die Produkte nicht weiterverarbeitet und standardisiert, wie es im Grosshandel üblich ist. Dadurch behalten sie ihre originalen Aromen», sagt Sonja Bloch und ergänzt: «Konsequent wäre natürlich, wenn sich jeder Mensch nur saisonal und regional ernähren würde.» Nur würde es wohl sehr vielen in Europa sehr schwer fallen, auf Produkte wie roten Reis, Kaffee und exotische Lebensmittel zu verzichten.

Mit den Lebensmittelpaketen des «Crowd Container» erreiche man immerhin, dass Bäuerinnen und Bauern aus den Exportländern fair für ihre Arbeit entlohnt würden. «Und Schweizerinnen und Schweizer kommen auf diesem Weg in den Genuss wirklich einzigartiger Bio-Zutaten aus dem Süden», sagt Sonja Bloch.

crowdcontainer.ch

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