Fahrleitungen für Busse bleiben

ST.GALLEN. Auf dem Bahnhofplatz wird es auch nach der Neugestaltung Fahrleitungen für Trolleybusse geben. Der Versuch, die Busse mit Batterien auszurüsten und automatisch ab- und wieder aufzubügeln, hat sich als nicht praktikabel erwiesen.

David Gadze
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Ein VBSG-Trolleybus wird dank dem Trichter an der Fahrleitung an der St. Leonhard-Strasse automatisch aufgebügelt. (Archivbild: Michel Canonica)

Ein VBSG-Trolleybus wird dank dem Trichter an der Fahrleitung an der St. Leonhard-Strasse automatisch aufgebügelt. (Archivbild: Michel Canonica)

Die Idee schien bestechend: Auf dem neugestalteten Bahnhofplatz hätte es keine Oberleitungen für die Trolleybusse mehr geben sollen. Diese wären mit sogenannten «Energy-Packs» ausgerüstet worden, einer Art Batterie, die sich durch die Bremsenergie auflädt und mit der sie ohne Strom von oben hätten fahren können. So hätten die Busse eine Haltestelle vor dem Hauptbahnhof automatisch ab- und nachher wieder aufgebügelt werden sollen. Seit Mai 2014 testeten die Verkehrsbetriebe St. Gallen (VBSG) dieses System. Doch nun ist klar, dass es nicht eingeführt wird. «Es hat noch Kinderkrankheiten und befriedigt deshalb nicht», sagt VBSG-Unternehmensleiter Ralf Eigenmann. Das Risiko «betrieblicher Probleme», also vor allem von Verspätungen, sei zu gross.

Immer wieder entgleist

Unbefriedigend sei vor allem das automatische Auf- und Abbügeln, sagt Eigenmann. Es ist zu wenig schnell und zu unzuverlässig. Im Testbetrieb mussten immer wieder «Entgleisungen» hingenommen werden. Ausserdem müsse der Bus beim Aufbügeln genau unter den Trichtern halten können, welche den Gleitschuh wieder mit der Oberleitung verbinden. An Haltestellen, an denen mehrere Linien und dadurch oft mehrere Busse gleichzeitig halten – beispielsweise an der Poststrasse –, sei das ein Problem. Denn in einem solchen Fall müssten die Trolleybusse zweimal halten: Einmal für den Fahrgastwechsel und ein weiteres Mal, um am richtigen Ort aufzubügeln. «Das Problem könnte mit zusätzlichen Trichtern an bestimmten Haltestellen teilweise gelöst werden – wäre da nicht die Unzuverlässigkeit», sagt Eigenmann.

Kein Problem hingegen ist die Leistung der «Energy-Packs». «Sie reicht aus, um von jedem Punkt des Liniennetzes ins Depot zu fahren.»

Investition hätte sich gelohnt

Auch die Kosten für die Umrüstung sämtlicher Trolleybusse wären kein Hindernis gewesen. Zwar sei die Busflotte bereits bei knapp der Hälfte ihrer Lebensdauer angelangt, sagt Eigenmann. Aber durch die Einsparung für die Oberleitungen auf dem Bahnhofplatz, die im Zuge der Neugestaltung ausgewechselt werden müssen und fast 4,5 Millionen Franken kosten sollen, hätte sich die Umrüstung dennoch gelohnt. Diese wurde auf rund 5 Millionen geschätzt.

Noch nicht ganz vom Tisch

Ganz aufgeben wollen die VBSG die neue Technik aber noch nicht. «Es ist denkbar, dass wir einen weiteren Bus mit einem Energy-Pack ausrüsten, um weitere Erfahrungen zu sammeln», sagt Ralf Eigenmann. Denn dank des technischen Fortschritts könnte das System bereits in wenigen Jahren wieder zum Thema werden, «spätestens dann, wenn die Busflotte wieder erneuert wird». Und gerade wenn wegen Baustellen die Fahrleitungen verlegt werden müssen oder etwa ein mehrjähriger Versuchsbetrieb für die Verlängerung einer Trolleybuslinie anstehen sollte, sei es nach wie vor eine interessante Alternative.

Ralf Eigenmann Unternehmensleiter Verkehrsbetriebe St. Gallen (Bild: pd)

Ralf Eigenmann Unternehmensleiter Verkehrsbetriebe St. Gallen (Bild: pd)

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