FAHRDIENST SUCHT FREIWILLIGE: Das Tixi-Taxi ist gefährdet

Täglich sind die Tixi-Autos in Stadt und Region unterwegs. Doch der Fahrdienst für Personen mit einer Behinderung ist gefährdet. Es fehlt an Freiwilligen im Büro und hinter dem Steuer.

Marlen Hämmerli
Drucken
Teilen
Dieter Zerndt (links) und René Metzger blicken auf den Stadtplan. (Bild: Marlen Hämmerli)

Dieter Zerndt (links) und René Metzger blicken auf den Stadtplan. (Bild: Marlen Hämmerli)

Marlen Hämmerli

marlen.haemmerli@tagblatt.ch

Das Tixi-Taxi fährt pro Jahr 20'000 Mal Bedürftige von A nach B, zum Arzt, in die Therapie oder zu anderen Terminen. Doch dieser Dienst ist bedroht. Der Verein Tixi St.Gallen findet nicht mehr genügend freiwillige Fahrer. «Dank einiger Leute, die mit Herzblut dabei sind, geht es derzeit noch», sagt René Metzger, Geschäftsführer des Vereins. «Doch an einigen Tagen ist die Situation prekär.»

Insgesamt zählt der Verein etwa 1500 Mitglieder. Nur diese können das Tixi nutzen. Dem gegenüber stehen laut Metzger 40 Freiwillige, die mehr oder ­­weniger regelmässig im Einsatz stehen. «Die Wochenenden und Abende sind sehr unpopulär,» sagt Metzger. «Auch kommt es vor, dass am Mittwochmorgen zehn Personen fahren möchten und am Nachmittag nur zwei.»

Hinzu komme, dass die meisten Fahrer schon älter sind. ­Vorstandsmitglied Dieter Zerndt besorgt diese Entwicklung: «Irgendwann wollen, können oder sollten die Leute nicht mehr fahren.» Der Fahrdienst sei deshalb nicht so gut, wie er sein könnte. Metzger erklärt: «Tixi fahren ist eine anspruchsvolle Tätigkeit.» Ein Chauffeur müsse einfühlsam und kräftig sein: «Die Fahrer sollten einen Rollstuhl problemlos schieben können.» In der Ebene sei das einfach. Doch sobald der Boden uneben ist, werde es schwerer. «Ein Hindernis ist vor allem die steile Rampe, über die der Kunde ins Tixi-Auto geschoben wird.»
 

Die Suche nach Freiwilligen ist bisher erfolglos

Der Tixi-Verein sucht deshalb schon seit längerem Freiwillige. An den sechs Fahrzeugen kleben entsprechende Hinweise, und auch auf der Webseite ist ein Aufruf geschaltet. Mit wenig Erfolg: «In den letzten Monaten haben sich etwa fünf Personen gemeldet», sagt Metzger. «Geblieben sind zwei.» Mit Interessierten führt Metzger zunächst ein Gespräch. «So lerne ich die Person kennen und kann den Verein vorstellen.» Danach folgen Schnupper- und Lernfahrten mit einem erfahrenen Chauffeur. «Das dauert dann so lange, bis sich der angehende Fahrer bereit fühlt.»

Die Chauffeure fahren nach Tourenplänen, die eine Disponentin zusammenstellt. «Wegen der schweren Rollstühle ­haben wir nur wenige Fahrerinnen. Dafür arbeiten im Büro ­engagierte Frauen», sagt Zerndt. Jedoch fehlen laut Metzger auch hier die Helfer: «Mehr Disponenten wären gut, falls jemand in den Ferien ist oder krank wird.» Disponenten sollten laut Zerndt ­bereit sein, Computer und Funk zu bedienen und mit Büroarbeit vertraut sein. Zudem müssen sie unter Druck arbeiten können: «Wenn ein Fahrer anruft, weil er im Stau steht, muss der Disponent die Ruhe bewahren.»
 

Der öffentliche Verkehr ist keine Alternative

Die Anforderungen für Fahrer und Disponenten sind also recht hoch. Trotzdem hoffen Metzger und Zerndt, dass sich genügend Personen melden. Bezahlte Stellen können sie nicht schaffen: «Wir leben von Spenden, Sponsoren und den Fahreinnahmen und kommen nur knapp über ­die Runden», sagt Zerndt. Denn die Fahrpreise sollen moderat bleiben, sagt er: «Damit die ­Bedürftigen ein günstiges Transportmittel haben.» Der öffentliche Verkehr sei für die Mit­glieder des Tixi-Vereins keine Option: «Manche kommen ohne Hilfe nicht mal aus dem Haus, geschweige denn bis zur Bus­haltestelle.»

www.tixi-sg.ch