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FAHRDIENST: Ein Rollstuhl-Taxi für Gossau

Wenn ein Rollstuhlfahrer eine Fahrt benötigt, ist Romano Boscardin mit seinem Taxi zur Stelle. Das Geschäft ist keine Goldgrube, für Boscardin zählt nicht nur das Geld.
Sebastian Schneider
Romano Boscardin und Cecile Egli fahren neuerdings Rollstuhlfahrer durch die Gegend. (Bild: Urs Bucher)

Romano Boscardin und Cecile Egli fahren neuerdings Rollstuhlfahrer durch die Gegend. (Bild: Urs Bucher)

Sebastian Schneider

sebastian.schneider@tagblatt.ch

Romano Boscardin ist leidenschaftlicher Chauffeur. Sein ganzes Berufsleben lang hat der gelernte Lastwagenfahrer auf der Strasse verbracht. Zuerst in Lastwagen, dann im Postauto und jetzt im Taxi. Allerdings in einem seltenen Gefährt. Es ist höher als ein gewöhnlicher Personenwagen und hat im Innern eine spezielle Vorrichtung. Eine Rampe und Hydraulik-Zylinder sind da etwa zu sehen. «Das hier ist ein Taxi für Rollstuhlfahrer», sagt Boscardin.

Gesuchte Ergänzung zum Tixi

Der 58-jährige Gossauer war bis vor kurzem sechs Jahre lang bei Postauto Ostschweiz angestellt. Nun aber will er seine «Brötli» wieder selber verdienen. Auch wenn sein Geschäft mit den Taxifahrten für Rollstuhlfahrer nicht sehr einträglich sein wird. «Wenn es gut läuft und der Wagen gut ausgelastet ist, dürfte es zum Leben reichen», sagt Boscardin. Im Moment sei er daran, eine Kundschaft aufzubauen. Dafür habe er schon mit verschiedenen Alters- und Pflegezentren gesprochen. Und auch mit dem Chef von Tixi St. Gallen. «Ich konkurriere Tixi nicht», stellt Boscardin klar. Sein Geschäft sei eine ganz spezifische Nische. Denn das Tixi ist nicht immer leicht zu haben, es ist oft ausverkauft. Ist es ausgebucht, kommt manchmal Boscardin zum Zug. «Über die Vermittlung des Tixi bekam ich schon ein paar Aufträge», freut sich Boscardin, der einst 18 Jahre lang selbstständiger Lastwagenfahrer war.

Der Taxifahrer hat zu tun. Er fährt zum Spital Herisau, um einen Kunden abzuholen. Pünktlich hält er am Eingang an, grüsst seinen Kunden und schiebt den Rollstuhl auf die Rampe. Über einen Hebel betätigt er den Knopf, mit dem die Hydraulik angesteuert wird. Der Kunde, dessen Unterschenkel erst kürzlich amputiert wurden, wird angegurtet, der Rollstuhl mit einem weiteren Spannsystem befestigt. «Ich bin zufrieden mit dem Service», betont der Heimbewohner des «Vita Tertia». 50 Franken zahlt er für beide Fahrten. Und das aus der eigenen Tasche: «Ich habe noch keinen IV-Ausweis, bei mir hängt alles noch in der Schwebe», sagt der Rentner, der im Moment von seinem Ersparten lebt.

Dankbarkeit ist ein Teil des Preises

Tatsächlich ist das Geschäft mit dem Rollstuhltransport nicht so simpel, wie es den Anschein haben mag. «Ich musste mich zuerst bei der SVA, der IV und bei weiteren Stellen genau informieren. Denn solche Fahrten werden zum Teil über Ergänzungsleistungen mitfinanziert.

Bei Ausflügen sehe es natürlich anders aus. Da hat Boscardin als Privater einen Vorteil: «Ich fahre auch Beeinträchtigte, die etwa mit der Familie irgendwohin essen gehen wollen.» Dass eine Nachfrage nach solchen Fahrten besteht, hat Boscardin nicht einmal selber herausgefunden. Die befreundete Cecile Egli von «Taxi Cecile» habe viele Anfragen erhalten, wodurch die Idee entstand, ein Auto mit Rollstuhlrampe anzuschaffen. Die beiden Taxifahrer arbeiten eng zusammen, rechnen aber separat ab. Doch wenn Boscardin Ferien hat, springt Cecile Egli ein.

Die Aufträge für Boscardin «tröpfeln rein», die nötige Auslastung sei aber noch nicht erreicht, sagt er. Auch, wie er die Tarife festgelegen will, ist sich Boscardin noch nicht sicher. Eine Idee war einmal, das Gebiet in Zonen zu unterteilen. So oder so hat sich Romano Boscardin das Prädikat «fair» auf die Fahne geschrieben. «Rollstuhlfahrer sollen nicht mehr bezahlen als lauffähige Taxikunden.» Boscardin geht es auch um die menschliche Komponente, es soll ein Geben und Nehmen sein. Und seine Kunden sind ihm sehr dankbar dafür.

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