Fässler-Villa wird abgerissen

Auch im Neudorf bleibt die Zeit nicht stehen: Mit der Villa «Fässler», seit ihrer Entstehung in Familienbesitz, verschwindet ein ehemaliges Schutzobjekt zugunsten von Alterswohnungen. Für den Eigentümer das Ende einer Odyssee.

Odilia Hiller
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Die letzten Tage des «Heimetli»: Nach dem Abbruch der fast 100jährigen Villa im Notkerianum-Areal wird das Grundstück neu überbaut. (Bild um 1925: pd)

Die letzten Tage des «Heimetli»: Nach dem Abbruch der fast 100jährigen Villa im Notkerianum-Areal wird das Grundstück neu überbaut. (Bild um 1925: pd)

Am 31. Januar ist Schlüsselübergabe. Einen Tag später beginnt der Rückbau, und am 17. Februar schlägt die letzte Stunde des fast 100jährigen Herrschaftshauses an der Rorschacher Strasse 252. Es wird abgerissen und weicht einer Überbauung mit 33 Alterswohnungen für betreutes Wohnen. Bauherrin des Neubaus ist die Genossenschaft Alterswohnungen Notkerianum.

Zunehmend belastend

Für den bisherigen Eigentümer, den St. Galler Arzt Arnold Jäger, ist das riesige, im Jahr 1917 fertiggestellte Anwesen mit einem Park voller historischer Baumbestände zwar Heimat und Familienbesitz, aber auch zunehmend zur Belastung geworden. Im Jahr 1983 hatte er es von seinem Onkel Arnold Fässler übernommen (siehe Kasten). Er werde sich hüten, in der Öffentlichkeit zu dem, was in den letzten Jahren geschehen sei, polemisch zu werden, sagt Jäger auf Anfrage. Der Eigentümer lässt jedoch durchblicken, dass die Zusammenarbeit mit der Stadt in Sachen Schutzwürdigkeit des Hauses für ihn zeitweise alles andere als einfach war.

Schon vor zehn Jahren reifte bei der Eigentümerfamilie der Entschluss, etwas an ihrer Wohnsituation zu verändern: Physisch gelangte das Ehepaar an seine Grenzen, zwei von drei Söhnen flogen aus. Zudem hatte sich das Neudorf-Quartier so verändert, dass in den Augen der Besitzer von einem Landhaus nicht mehr die Rede sein konnte, sagt Jäger. In unmittelbarer Nähe waren Siedlungen, Sportplätze und ein Hallenbad entstanden, welche das Anwesen zunehmend seiner Bestimmung als «Landhaus» beraubten und Immissionen mit sich brachten, mit denen es zunehmend schwieriger geworden sei, zu leben. Allfälligen Abriss- und Bauplänen stand allerdings die Schutzverordnung im Weg. Das Haus und der Park waren inventarisiert und somit nicht im Sinne der Eigentümer veränderbar.

Aus Inventar entlassen

Eine Machbarkeitsstudie, viele andere administrative Verfahren, zahlreiche Kaufangebote und Jahre später war mit dem Verein Alters- und Pflegeheim Notkerianum ein Käufer am Start, der bereit war, die «geforderte städtebauliche Qualität» eines Nachfolgeprojekts zu gewährleisten. Diese war aufgrund der gemachten Auflagen bei der Entlassung aus der städtischen Schutzverordnung im Jahr 2003 für einen Abriss der Villa festgeschrieben. Die Käufer veranstalteten also einen Architekturwettbewerb. In die Jury wurden eine Person aus dem Stadtplanungsamt sowie eine aus dem Sachverständigenrat eingeladen, der die Stadt in baulichen Fragen berät.

Sanft mit der Umgebung

«Gewonnen hat das kleinste Projekt, das mit der Umgebung am sanftesten umgeht», sagt Peter Frischknecht, Vorstandsmitglied der Notkerianum-Institutionen. Historische Baumbestände sollen erhalten bleiben. Dennoch kann die Genossenschaft mit der Überbauung ihren Bestand an Alterswohnungen im Notkerianum-Areal mehr als verdoppeln.