Facelifting fürs Zentrum

Seit 2007 suchte die Gemeinde Gaiserwald nach einer Lösung für die Alte Käserei mitten im Dorf. Jetzt hat sich der Gemeinderat entschieden. Für ein Projekt des Architekten Rolf Prim, der in St. Gallen das Spelterini-Schulhaus gebaut hat.

Corinne Allenspach
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Modell des geplanten Neubaus mit Arkaden. Vorne die Zentrumsüberbauung, rechts Feuerwehrdepot. (Bild: Luca Linder)

Modell des geplanten Neubaus mit Arkaden. Vorne die Zentrumsüberbauung, rechts Feuerwehrdepot. (Bild: Luca Linder)

ABTWIL. Gemeindepräsident Andreas Haltinner bezeichnet den Standort der Alten Käserei an der Ecke Sonnenberg-/Hauptstrasse gerne als die Lage in Abtwil. Dies war auch der Grund, warum die Gemeinde das Grundstück vor rund vier Jahren für 500 000 Franken gekauft hatte. «Wir wollten sicherstellen, dass hier etwas gebaut wird, das ins Dorfbild passt», sagt Haltinner. Die Alte Käserei, in der seit 17 Jahren nicht mehr gekäst wird, einfach abzureissen und den Platz freizulassen, stand dabei nie zur Debatte. Man habe zusammen mit einem Raumplaner die Situation angeschaut, so Haltinner. «Aus raumplanerischer Sicht macht es Sinn, das Grundstück zu überbauen, um dem Zentrum ein Gesicht und mehr Gewicht zu geben.»

Arkaden verleihen Leichtigkeit

Im Mai 2009 lancierte der Gemeinderat darum einen Studienwettbewerb. Wenn Haltinner dieser Tage mit Liegenschaftenverwalter Guido Rüber das kürzlich von einer Jury mit externen Fachleuten bestimmte Siegerprojekt betrachtet, zeigt er sich zufrieden: «Wir haben sicher das Maximum herausgeholt für diesen Standort.» Geplant ist anstelle der Alten Käserei ein winkelförmiges, vierstöckiges Wohn- und Geschäftshaus mit zehn Wohnungen und einem Arkadenbereich im Erdgeschoss. Letzteres verleihe dem Bau «eine gewisse Leichtigkeit gegenüber der Umgebung», wie Haltinner und Rüber sagen. Parkplätze sind unterirdisch geplant, die Zufahrt erfolgt über die Tiefgarage des Feuerwehrdepots. Von der Höhe her passt sich der Neubau der benachbarten Zentrumsüberbauung sowie dem Feuerwehrdepot an. Der jetzige Dorfplatz bleibt weiterhin erhalten.

Siegerteam in Abtwil bekannt

Eingereicht wurde das Siegerprojekt vom Team Gilufa- Immobilien AG/prim architektur St. Gallen. Beide keine Unbekannten in Abtwil. Zusammen realisierten sie bereits den Neubau des Mehrfamilienhauses an der Bildstrasse vis-à-vis der Garage Hanselmann. Inhaber der Gilufa-Immobilien AG ist Guido Widmer junior, dessen Vater Guido Widmer senior 1966 die Matro AG gegründet hatte. Heute gilt die Familie Widmer, die seit Jahrzehnten in Abtwil wohnt, als grösste private Immobilienbesitzerin im Raum St. Gallen.

Das Interesse, auf dem Grundstück der Alten Käserei zu bauen, hielt sich bei Investoren und Architekten in Grenzen. Nur gerade zwei Teams hatten sich am Studienwettbewerb beteiligt und ein Projekt eingereicht. Den Hauptgrund sieht Gaiserwalds Gemeindepräsident darin, dass das Grundstück mit rund 1500 Quadratmetern (inklusive Dorfplatz) relativ klein ist und damit für Investoren wie etwa Pensionskassen uninteressant.

Architekt Rolf Prim, der seit 1983 in St. Gallen als selbständiger Architekt tätig ist, sieht in der Grösse des Grundstücks keinen Nachteil. «Die Alte Käserei ist praktisch das Zentrum von Abtwil», sagt er. «Ein Ort von höchstem öffentlichen Interesse.» Allein diese Tatsache mache die Aufgabe schon spannend und herausfordernd. «Zudem macht Bauen an sich immer Spass», sagt er. Rolf Prim baute unter anderem auch das Spelterini-Schulhaus in St. Gallen sowie das Foyer und den Hörsaal des Kantonsspitals.

Baubeginn nicht vor 2013

Nachdem das Siegerprojekt nun bestimmt ist, wird Rolf Prim die Baupläne noch vor Weihnachten zur Vorprüfung an den Kanton einreichen. Bis definitiv gebaut werden kann, sind noch verschiedene Zonenplanänderungen und Genehmigungen des Kantons nötig. Der Kaufvertrag könne darum im besten Fall Mitte 2012 abgeschlossen werden, sagt Haltinner. Baubeginn sei sicher nicht vor 2013.

Sobald alle Genehmigungen und Pläne vorliegen, werde die Gemeinde das Grundstück zu jenem Preis, zu dem sie es 2007 gekauft habe, an die Gilufa-Immobilien AG verkaufen, sagt Haltinner. Und was hat die Gemeinde dabei gewonnen? «Nicht Geld, aber das war auch nicht das Ziel», sagt Haltinner. «Dafür wissen wir, dass wir ein optimales Projekt ausgewählt haben.» Zudem habe man eine gewisse «Erfüllungsgarantie», ergänzt Guido Rüber. «Bei einem gewöhnlichen Wettbewerb weiss man ja nie, wann und ob etwas realisiert wird.»

Alte Käserei heute: Unten mit Änderungsatelier und Antiquitätengeschäft, oben wohnen Asylbewerber. (Bild: Urs Jaudas)

Alte Käserei heute: Unten mit Änderungsatelier und Antiquitätengeschäft, oben wohnen Asylbewerber. (Bild: Urs Jaudas)